Festgefahren

Festgefahren

  1. Februar 2018

 

Andere Reisende können von spektakulären Situationen berichten, in denen sich ihre Gefährte so in den Untergrund eingewühlt hatten, dass sie nur mit fremder Hilfe wieder herauskamen. Wir haben von Reisebekannten faszinierende Fotos gesehen, wie ihr Gefährt im Salar Uyuni eingebrochen ist, und in vier Tagen von einer Kompanie Soldaten wieder ausgebuddelt werden musste. Was für ein Abenteuer!

Wir selbst sind durch viele sandige Untergründe gefahren in abgelegenen Wüsten und grandiosen Landschaften. Niemals hat sich der Hano festgewühlt. Bis heute. Und wie banal!

Wir fahren gerade vom Dschungel zurück Richtung Zivilisation auf einer relativ guten Betonstraße und sehen den ersten Handymasten. Wir beschließen, bei nächster Gelegenheit zu halten, und diese kommt schon nach 500 m in Form eines Feldweges. Weil Torsten so rücksichtsvoll ist, bleibt er nicht mitten auf dem Weg stehen, sondern rangiert neben den Weg ins Gras. Plötzlich gibt es einen starken Schaukler, und der Hano steht schräg. Was ist passiert? Das linke Hinterrad ist eingesunken, und der Hano sitzt auf zwei Staukisten auf – der hintersten linken sowie der hinteren.    Was man wegen des üppigen Grases nicht sehen konnte: hier läuft der Ablauf einer Kuhweide entlang: frisches Bergwasser – vermischt mit Gülle…

Danach erleben wir mal wieder absolute ecuadorianische Hilfsbereitschaft: Während Torsten zu schaufeln beginnt, gehe ich zum nächstgelegenen Hof, der glücklicherweise keinen Kilometer weit entfernt liegt. Zunächst sehe ich niemanden, die Hunde begrüßen mich Gott sei Dank mit freundlichem Schwanzwedeln, ohne Kläffen oder Hochspringen, und nach einigen Rufen kommt ein Mann mit Machete aus dem Unterholz. Ich erkläre ihm die Situation und er ruft einen Freund mit Traktor im nächsten Ort an. Er kommt aber erst noch einmal mit, um sich die Situation genau anzusehen und seinem Freund dann zu sagen, welchen Traktor er nehmen sollte. Während wir gemeinsam zum festgefahrenen Hano marschieren, sehen wir, wie ein LKW am Hano vorbeifährt, bremst, den Warnblinker setzt und dann rückwärts zurück in den Feldweg fährt. Die Fahrer haben an der starken Verschränkung der Achsen erkannt, dass der Hano festsitzt, und haben angehalten um zu helfen! Torsten schaufelt noch immer an der straßenabgewandten Seite und traut seinen Augen kaum, dass quasi zeitgleich von zwei Seiten Hilfe kommt.

Der LKW ist kaum größer als der Hano, dennoch schaffen sie es beim zweiten Anlauf, ihn aus der Gülle zu befreien. Sie machen vorher und nachher einige Fotos vom Hano und haben sichtbare Freude daran, uns zu helfen. Ein kleines Trinkgeld für einen Café lehnen sie strikt ab. Und der Mann von dem Hof, den wir mit dem Hano zurückfahren, bedankt sich tausendmal bei uns, das er im Hano mitfahren durfte.

Am nächsten Fluss halten wir an, spülen die beiden Staukästen und das Rad ab, und richten die Staukästen wieder – weiter geht’s! Nur die Lust auf Internet ist uns vergangen (der Handymast ist mittlerweile auch schon arg weit weg), weshalb diese Blogeinträge dann eben mal wieder warten müssen.

P.S. Diese Hilfsbereitschaft können wir gleich am nächsten Tag erwidern: Als wir mit rasanten 15 km/h eine lange Steigung hinauffahren, sehen wir ein Auto am Straßenrand stehen, aus dessen Motorhaube dichte Dampfschwaden herausziehen. Wir halten an, ich bleibe beim Hano und Torsten geht zu dem dampfenden Fahrzeug. Fahrer und Familie stehen ganz paralysiert neben dem Auto. Torsten öffnet die Motorhaube, sieht, dass das Kühlwasser übergekocht ist (übrigens auch ein Chevrolet, wie in Argentinien am Pass Abra el Acay…), holt unseren 10 Liter Faltkanister und füllt 5 Liter Wasser nach, mit dem Hinweis, bei nächster Gelegenheit Kühlerfrostschutz nachzufüllen. Die Familie ist immer noch schreckensstarr und dankbar, dass alles gerichtet ist.

Gegenüber liegt auch ein PKW, an dem zwei Männer reparieren. Als diese Gruppe junger Leute den Wasserbeutel sieht, schicken Sie das hübscheste Mädel rüber um Torsten um etwas Wasser zu bitten, damit sich die beiden Jungs die Hände waschen können. Die Reparatur haben sie schon hinbekommen, sind aber bis über die Ellenbogen hinauf schwarz.

So wäscht im wahrsten Sinne des Wortes eine Hand die andere!


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