Autor: Torsten Eggert

Blattfeder gebrochen – Reparatur auf dem Campingplatz 19.03.2022

Blattfeder gebrochen – Reparatur auf dem Campingplatz 19.03.2022

Eigentlich wollte ich nur routinemäßig die vorderen Räder von rechts nach links tauschen, um ein gleichmäßigeres Abfahren des Profils zu erreichen (bei alten LKWs macht man das so, beim PKW eher nicht!). Aber oh Schreck, ein Federblatt der rechten Radaufhängung ist gebrochen! Mein Reserveblatt mit Auge will ich nicht opfern, da unersetzlich in Afrika, also fahren wir mit etwas mehr Gefühl den nächsten Streckenabschnitt bis Kabwe auf der mäßig guten Straße.

Woher nehmen wir nun ein neues Federblatt?

In Kabwe machen wir Station bei der Lodge von Burkhard, den wir am Tangajika-See kennengelernt haben. Er ist vor Jahrzehnten nach Sambia ausgewandert und bietet dort Motorradtouren in die abgelegenen wilden Region des Landes an. Dort angekommen, laden wir einen einheimischen Angestellten ins Auto und fahren die verrufenen Viertel der Auto-Szene von Kabwe ab – auf der Suche nach einem gebrauchten, passenden Federblatt für Kathrina. die Breite und Dicke muss stimmen, länger darf es sein. Es geht auf Matschpisten durch die Stadt, wir klappern einen Straßenladen mit Schrott (NEIN Ersatzteilen) nach dem anderen ab. Schließlich werden wir fündig: In einem 2×3 Quadratmeter großen Schuppen im Matsch umgeben von Unrat liegen ausgebaute Federpakete und einzelne Federblätter wahllos übereinander geworfen herum. Nach langem Suchen finden wir eine passende Feder. Unsere weiße Hautfarbe kennzeichnet uns als reich, weshalb der Preis hoch angesetzt wird. Etwas kann ich noch herunterhandeln und wir einigen uns auf 22 Euro. Mit Trinkgeld für unseren Guide kostet unser Ersatzteil 25 Euro. Wir sind glücklich, der Tag ist gerettet.

Für den Einbau brauchen wir nun einen ruhigen, sicheren Platz. Diesen finden wir hunderte Kilometer weiter, südlich von Lusaka, auf einem wenig bekannten Campingplatz an einem See.

Es sieht nicht nach Regen aus, also los geht es:

Abmontieren und Ausbauen von Abschleppstange, Seitenblech, Batterie, Batteriefach, Kotflügel.

Die Feder ist nun zugänglich. Aufbocken, Fahrzeug abstützen … es sind drei Wagenheber im Einsatz. Die Feder wird nun mit den mitgeführten Spezialwerkzeugen ausgebaut, etwas gereinigt und zerlegt.

Das defekte Blatt dient nun als Schablone zum Ablängen des Ersatzfederblatts mit der Akkuflex.

Fetten, zusammenbauen und wie es in den Handbüchern immer so schön steht: Einbau in umgekehrter Reihenfolge.

10 Stunden später ist die Arbeit vollbracht. Ich bin total erschöpft von der schweren körperlichen und hochkonzentrierten Arbeit – aber glücklich. Die lahme Vorderpfote von Kathrina ist wieder ganz.

Auf Youtube gibt es ein Filmchen in Kurzfassung:

Überfall! Nachts an der Grenze zum Kongo 10.03.2022 spätabends

Überfall! Nachts an der Grenze zum Kongo 10.03.2022 spätabends

Die Straße in Sambia empfängt uns in Form einer tief ausgefahrenen Matschpampe. Jungs springen voraus, um uns den Weg durch den Schlamm vorbei an verborgenen tiefen Löchern zu weisen. Wir bedanken uns mit ein paar Lebensmitteln. Vorbei geht es im Allrad-Gang an festgefressenen LKWs und Autos, die den Weg auf der Straße nicht geschafft haben. Das Vorankommen ist langsam und es wird spät.

Wir haben in Grenznähe auf der Karte einen Bootsclub gefunden, auf dessen Gelände man sicher übernachten kann – so heißt es. Etwa 8 km nach der Grenze zweigt von der M3 ein Waldweg ab und es geht 4 km auf Waldwegen durch den Busch. Keine der üblichen Behausungen finden sich am Wegesrand, keine Menschen. Wir sehen nur wenige Fahrspuren von Radfahrern. Schließlich verstellt uns eine abgeschlossene Schranke kurz vor dem See, an dem der Bootsclub liegen soll, den Weg. Es dämmert, und eine Ausweichroute in der Nacht zu finden erscheint uns aussichtslos. Wir stellen uns auf eine Lichtung in Nähe der Schranke. Keine Menschen – perfekter Übernachtungsplatz.

Doch da sehe ich in hinter einem Busch einen Mann mit Pudelmütze. Ich gehe auf ihn zu, komme ins Gespräche, frage ob wir hier übernachten könnten. Auf gar keinen Fall, lautet die Antwort, nicht sicher. Ob er wisse, wo der Bootsclub sei. Ja, er wolle uns den Weg zeigen. Ins Auto lassen wir ihn nicht, lassen uns den Weg beschreiben, verabschieden uns und los geht es.

Der beschriebene Weg ist kaum befahrbar, zu niedrige Bäume versperren uns den Weg. Außerdem, wohin führt der Weg? Kann man dem Pudelmützenträger trauen? – Wir nehmen einen anderen Weg, der uns an gesichertes Farmtor führt. Wir warten mit laufendem Motor, ob sich etwas tut, sich Menschen zeigen – nichts.

Kurzerhand verstecken wir uns am Wegesrand im Busch. Ich laufe noch ein wenig in der Umgebung umher, um die Lage einschätzen zu können. Etwa einhundert Meter von Kathrina entfernt treffe ich auf Pudelmütze. Kurzerhand drücke ich ihm eine Flasche Bier in die Hand. Er habe uns gesucht aber nicht gefunden. Gut so, denke ich. Es kommen zwei Radfahrer vorbei – Fischer auf dem Heimweg. Sie sehen uns, nicht Kathrina. Unsere abendliche Begegnung will uns zu seinen Übernachtungsplatz lotsen, es sei nicht sicher hier im Wald. Menschen bringen andere für wenig um. Manchmal komme das hier vor … Was tun? Ihm trauen? Wir vertrauen auf unser Versteck und verabschieden uns.

Noch ein kleines Bierchen trinken wir direkt vor Kathrina, Machete und Tränengas liegen bereit. Ein seltsamer Geruch steigt mir in die Nase. Bin ich den Geruch der Kongolesen noch nicht losgeworden oder ist hier ein Spitzbube in der Nähe? Wir gehen Schlafen.

Gegen 23:00 Uhr höre ich ein Geräusch am Heck von Kathrina. Ich wecke Ilona leise. Katze? Vermutlich. Wir spüren keine Erschütterung oder Bewegung des Fahrzeugs. Ich stehe leise auf und blicke durch die offene Dachluke. Gerade schiebt sich die Silhouette eines Glatzkopfes über die Dachkante (siehe Zeichnung). Ich werde sehr laut und aggressiv – kampfbereit. Heckleuchte an! Trennwand zum Führerhaus aufschrauben, klar zum Blitzstart! Ein lauter Schlag prallt gegen unsere Heckscheibe!

Ich springe barfüßig im Schlafanzug ins Führerhaus, rufe Ilona noch zu, sie solle sich festhalten und starte den Motor – er springt sofort an. Kathrina weiß, was auf dem Spiel steht. Und los geht es im atemberaubenden Tempo durch den Busch. Kathrina findet den Weg auf die M3 fast wie von selbst, meine bloßen Füße bedienen die Pedale. Die „große Straße“ mit ihren Schlaglöchern und dem Schlamm empfängt uns – eine erste Entspannung. Ich fahre weiter im schnellen Tempo in Schlangenlinien Richtung Mufulira, einerseits um Schlaglöchern auszuweichen und um eventuell vorhandene Gäste auf dem Dach abzuschütteln.

Nun müssen wir noch einen Übernachtungsplatz finden. In der Stadt halten wir mit laufendem Motor vor einer Lodge mit Übernachtungsmöglichkeit. Niemand rührt sich. Also weiter geht es, aus der Stadt heraus und notfalls wird die Nacht durchgefahren. Am Stadtrand kommen wir an eine Polizeisperre, ein Ölfass versperrt die Durchfahrt – tagsüber lästig aber jetzt sind wir erleichtert. Wir schildern in kurzen Worten unsere Situation: Den Überfall, die Suche nach einem Nachtquartier. Wir dürfen an der Sperre stehen! Einer der Polizisten sitzt die ganze Nacht im Polizeiauto, der andere ruht in einem Verschlag an der Straße.

Bevor wir einschlafen, sprechen wir die Vorkommnisse nochmals gründlich durch. Wir stellen fest, dass wir keine Angst hatten. Auf Überfälle sind wir gut vorbereitet und Kathrina ist eine Festung. Nach dieser Feststellung schlafen wir entspannt.

Am nächsten Morgen bedanken wir uns bei den Polizisten mit Kaffee und Keksen, bevor wir weiterfahren.

In den nächsten Tagen analysieren wir immer wieder die Situation des nächtlichen Überfalls.

Was ist genau passiert?

– Vergeblicher Versuch, die Luft aus den Reifen zu lassen. Die Ventile sind abgeschlossen.

– Kathrinas Flaggen sind weg.

– Eine Wasserflasche, die im Reserverad zu Reinigungszwecken mitfuhr, fehlt.

– Vergeblicher Versuch, eine Autobatterie zu stehlen. Von unten muss der Spitzbube im Motorraum getastet haben, hat dabei aber nur unsere Tüte mit Namib-Sand gestohlen. Für uns ein echter Verlust!

– Die Radioantenne ist verbogen, ging also nicht ab.

Woher kam aber der Schlag gegen die Heckscheibe?

Der Spaten, obwohl festgeschlossen, war auf einer Seite aus der Halterung gerissen. Mit ihm wurde der Schlag mit voller Wucht ausgeführt. Die Scheibe hat nur einen Kratzer, den ich inzwischen herauspoliert habe. Polycarbonat-Glas ist eben einbruchssicher!

Aber der Versuch, uns durch Luftablassen der Reifen zu immobilisieren und anschließend der Versuch, die Heckscheibe zu zertrümmern, zeigt uns, dass der Einbrecher zum Äußersten bereit war. Viele Gespräche mit Sambiern in den nächsten Tagen bestätigen die unberechenbare Gewaltbereitschaft der Kongolesen. Und um einen solchen Grenzgänger hat es sich offensichtlich gehandelt, mein Geruchssinn hat mich nicht getäuscht.

In der Kathrina sind wir sicher. Besonders auf der Hut sind wir beim nächtlichen Verlassen. Auch auf Campingplätzen sind auf der Hut, denn wem kann man denn wirklich trauen? Unser Reisevergnügen wird jedenfalls kaum geschmälert. Unsere gute Vorbereitung auf Fälle wie diesen zeigen ja, dass wir jederzeit mit einem Überfall rechnen.

Landrover-Rettung auf dem Weg zum Ol Doinyo Lengai 15.02.2022

Landrover-Rettung auf dem Weg zum Ol Doinyo Lengai 15.02.2022

In Tansania und Sambia könnte man alle fünf Kilometer einem LKW, PKW oder einem Fahrrad bei einer Panne helfen. Die Pisten aber auch die Asphaltstraßen fordern die Fahrzeuge. Repariert wird erst, wenn es wirklich nicht mehr weitergeht. Allen helfen können wir nicht. Wir entscheiden also immer sehr überlegt, ob wir halten und unsere Hilfe anbieten.

Auf der sehr fordernden Piste vom Manyara-See zum Ol Dionyo Lengai steht ein alter Landrover, fast so alt wie Kathrina, und kann nicht mehr. Ein Erwachsener und zwei halbwüchsige Jungs mühen sich vergeblich, den alten Kasten wieder flott zu kriegen.

Landrover – hm – alte Technik (also reparierbar), nächster Ort 20 km entfernt, Piste schlimm, Steigungen. Helfen tut hier sowieso niemand. Also los!

Das betagte Gefährt lässt sich nicht mehr starten. Batterie? Zündung? Lichtmaschine? Ein Starthilfekabel haben wir nicht dabei (unserem 24V-System kann eh keiner Starthilfe geben und nur für andere nehmen wir das sperrige Kabel nicht mit), also versuchen wir es mit unserer Powerbank, die dafür geeignet ist. Außer Benzingeruch vom abgesoffenen Motor tut sich fast nichts. Ankurbeln bringt uns auch nicht weiter. Mein Vorschlag, den Landy mit Kathrina anzuschleppen wird nicht verstanden – hier spricht man kein Englisch (!) Aber wir schleppen ab. Wie weit? Ein Ort wird genannt. Hm, wie viele Kilometer sind das? Falsche Frage. In Afrika sind sinnvolle Fragen weniger abstrakt zu stellen, wie z.B. bis zu welchem Hügel… Egal, Abschleppgurt heraus und der Landy kommt an das Zugmaul von Kathrina.

Hoffentlich weiß der Fahrer, wie man abschleppt. Verständigung geht nur mit Händen und Füßen oder mit Gesten. Hoffentlich tun seine Bremsen!

Mit Untersetzung geht es los. Der Bergegurt strafft sich, ein unmerklicher Ruck und der Landy wird über die Piste gezogen. Geht doch leicht! Nach drei Kilometern stoppen wir. Der Fahrer bedeutet mir, noch drei Hügel weiter zu schleppen, dann ginge es abwärts und er könne den Wagen rollen lassen. Also weiter bis zur verabredeten Kuppe, wo der Gurt von Kathrina gelöst wird. Anschieben und talwärts geht es ab.

Wir fahren hinterher. Im Tal ist eine steile und ausgewaschene Flussdurchfahrt zu nehmen. Erst geht es steil abwärts und dann muss man über grobes Geröll den nächsten Berg erklimmen. Schon ohne Gespann eine Herausforderung. Wir nehmen also den Landy wieder an den Haken und meistern im Kriechgang diese schwierige Passage. So geht es weiter. Talabfahrten ohne Kathrinas Hilfe, durch Furten (es sind einige!) schleppen wir ihn durch. Die Kraft von Kathrina beeindruckt uns. Mit welcher Leichtigkeit sie den alten Geländewagen über Stock und Stein, besser gesagt Geröll, die steilen Bergauffahrten zieht. Der Rest ist nur Konzentrationssache. Da der Landy schmaler ist als Kathrina, sehe ich ihn nicht. Also nur durch Gefühl weiß ich, ob der Bergegurt straff gespannt ist oder locker durchhängt.

Nach 20 km erreichen wir den Ort. Wir erzeugen mit unsere Ankunft einen Auflauf im Dorf. Es ist nicht üblich, sich gegenseitig abzuschleppen. Von Touristen erwartet man das erst recht nicht. Wir kommen ins Gespräch mit etlichen Einheimischen. Wo kommt ihr her? Ist das wirklich euer Zuhause? Auch der Chef des Dorfs kommt auf uns zu. Ein sehr höfliches Gespräch bereichert uns alle. Einige können nämlich Englisch.

Ilona geht inzwischen Einkaufen. Mir lässt der Landy allerdings keine Ruhe. Inzwischen haben einige Einheimische sich der Sache angenommen. Die Batterie wird getauscht, der Landy startet einwandfrei. Sobald die alte Batterie wieder angeschlossen wird, stirbt der Motor! Die Batterie muss einen totalen Zellenkurzschluss haben. Ich helfe nochmals beim Anschieben und freue mich mit allen Anderen, dass der Landrover wieder läuft.

Zambia: Gibt es schlimmere Straßen als die M10 von Katima nach Kazungula? 10.1.2022

Zambia: Gibt es schlimmere Straßen als die M10 von Katima nach Kazungula? 10.1.2022

Bewusst haben wir uns für die Einreise nach Zambia in Katima Mulilo entschieden, da dieser Grenzübergang ruhig, wenig befahren und nicht mit einem Transit durch Botswana verbunden ist. Wenig befahren – das liegt am Zustand der M10, der Verbindungsstraße von Katima nach Kazungula. Viele hatten uns gewarnt, aber dazu später.

Die Ausreise aus Namibia lief fast glatt, hätten wir nicht noch eine Straßen-Maut nachzuzahlen gehabt. Danach dann weiter zum Zoll auf sambischer Seite. Durch die 500 m Niemandsland fahren wir mit einer Traube von Geldwechslern, die alle neben Kathrina herjoggen und Geldbündel schwenken. Wir sind stur und gehen erst mal zum offiziellen Gebäude. Geld wird erst gewechselt, wenn wir die Landeswährung wirklich benötigen. Der Einreiseprozess startet mit dem Gesundheitscheck. Unseren PCR-Test legen wir vor, unsere Körpertemperatur wird gemessen, ein Formular ist auszufüllen. Dann zur Immigration: Wir kaufen ein Visum, das uns berechtigt, zweimal nach Sambia einzureisen. US-Dollar werden akzeptiert. Alles ganz easy, allerdings nur für 30 Tage. Der Zollbeamte erklärt uns, dass wir in jeder Stadt auf 90 Tage verlängern können. Das kostet garantiert wieder … Aber nun kommt Kathrina dran: Das Carnet de Passages (unsere Zollpapiere für Afrika) muss gestempelt werden, damit Kathrina einreisen darf. Das geht, tja, im nächsten Gebäude, wo wir zurückgeschickt werden, usw. Hier erspare ich die weiter Schilderung im Detail, erinnert das Prozedere stark an den Passierschein A38 aus dem Film „Asterix erobert Rom“. Nun müssen wir noch eine Carbon Tax entrichten. Zwei Gebäude weiter finden wir den Schalter. Allerdings müssen wir in der Landeswährung bezahlen. Es regnet in Strömen. Also zu den Geldwechslern, einen Geldautomaten gibt es nicht(!). Etwas verhandelt, was den Kurs verbessert. Dann Carbon Tax zahlen. Als nächstes ist noch die Road Tax fällig. Diese jedoch ist wieder in US-Dollar zu entrichten, der Preis ist für Europäer besonders teuer. Nun fehlt noch der Councel Levy. Keine Ahnung, was das ist, aber drei Gebäude weiter (es schüttet aus allen Kübeln) kann man den Schein käuflich erwerben (wiederum in Landeswährung…). Alles erledigt? Also los. Kaum hinter dem Steuer, umringt uns eine Traube von hilfsbereiten Männern, die uns nochmal Geld wechseln wollen, und eine aufgeregte Frau, die sich als Zoll-Beamtin herausstellt. Wir bräuchten noch eine Kfz-Versicherung. Für uns kein Problem, wir haben eine, gültig in ganz Afrika. Deutsche Versicherung. Die werde nicht akzeptiert. Also was tun? Da wir lästige Schikanen bei Polizeikontrollen scheuen, erwerben wir also eine Versicherung (wiederum in Landeswährung). Drei Damen sind dafür nötig: Die Erste nimmt die Personalien auf, die Zweite gibt die Daten in einen PC ein und druckt eine Police aus, die Dritte schneidet mit einer Schere eine Plakette aus der Police aus. Die Reste der Police (also ein A4-Blatt mit großem Loch) sowie die runde Plakette werden mit ausgehändigt. Das Rund kommt in die Windschutzscheibe. Wir fühlen uns nun richtig sicher (vor blöden Fragen von der Polizei). Also endlich geht es weiter. Am Schlagbaum werden nun alle Dokumente von einem Helfer zum Wachhaus getragen und dort erneut überprüft. Jedes Dokument muss einzeln durch den Regen getragen werden, damit es die notwendige Wellung im Papier gibt.

Juchuu! Wir sind in Zambia!

Die M10, vor wir vielfach gewarnt wurden, lässt sich richtig gut an. Perfekter Asphalt, Kathrina fliegt nur so dahin. Kaum überhole ich nach ca. 30 km den ersten LKW, erkenne ich, warum dieser so langsam ist: Zwei bis drei Meter große Schlaglöcher zerreißen das ebenmäßige Bild der Straße, jedes etwa 50cm tief. 110 km liegen noch vor uns. Umfahren kann man die Löcher nicht mehr, dazu ist zu wenig Straße erhalten. Die Himmelsschleusen sind weiterhin offen, es ist Regenzeit. Zu beiden Seiten der Straße ist die Busch- und Baumlandschaft zu einem See zusammengeflossen. Die Straße liegt nur einen Meter höher (!).

Geduld und Konzentration bringen uns mit höchstens 10km/h voran. Ein Fahrfehler kann fatale Folgen haben. Hoffentlich halten die Federn von Kathrina durch. Ein Schaden am Fahrwerk wäre hier schlimm. Es gibt zwar Menschen die rechts und links der Straße in Hütten wohnen, aber die könnten kaum helfen. Ihre Hütten sind ja auch abgesoffen – die Armen.

Ab und zu überholt uns ein Fahrrad. Wann sollen wir eine Pause einlegen, wo übernachten? Für mich kommt schon aus motivationalen Gründen nur die Weiterfahrt bis zur Dunkelheit in Frage. Ich zähle die verbleibenden Kilometer. Noch 85, 84, 83… Keine Möglichkeit, uns neben die Straße zu stellen. Wasser und Schlamm überall. Direkt am Straßenrand ist eine Übernachtung zu gefährlich. Ein unaufmerksamer LKW-Fahrer würde uns einfach von der Straße schieben. Wir kommen bis Restkilometer 28. Mit 35 km wäre ich auch zufrieden gewesen. Aber 28 km sind wieder überschaubar, etwa drei Stunden am nächsten Tag. Nach einem Glas Rotwein fallen wir total erschöpft ins Bett.

Ich wache nachts vom Regengetrommel auf. Ist die Dachluke geschlossen? Klar hab ich zugemacht. Zum Überprüfen bin ich zu müde. Am Morgen die böse Überraschung: Viele Liter Wasser haben den Weg ins Auto und in die Schränke gefunden. Wie bekommen wir das alles trocken? Bei 80% relative Luftfeuchte!

Der Teppich und alle nassen Stücke kommen in die Dusche. Dann wird erstmal die Straße überwunden. Geschafft!

Gegen 10:00 Uhr sind wir in Livingston bei den Victoria-Fällen angekommen. Wir beschließen diese erstmal zu besichtigen.

Am Grenzübergang nach Zimbabwe (der Zambesi ist der Grenzfluss) parken wir Kathrina. Wupps, schon springt ein ausgewachsener Pavian auf das Auto und hüpft über das Dach. Aber es gibt in Zambia freundliche Helfer für alles. Ich spreche mich mit einem dieser selbst ernannten Parkwächter ab, handle von 20 USD auf 2 plus ein Päckchen Zucker herunter. Dafür passt er auf Kathrina auf und hält die Affen fern.

Auf der Brücke über den Zambesi warten viele freundliche Begleiter, die nach wenigen Schritten ihr Warensortiment präsentieren. Kupferarmbänder, Holzschnitzereien. Alles vom Großvater handgearbeitet. Hat man einen Begleiter, hält dieser all die anderen aufdringlichen Genossen fern.

Die Wanderwege der Victoria-Fälle haben wir fast für uns allein. Kein Wunder bei diesem Wetter. Ein Regenschauer jagt den nächsten. Aber dafür genießen wir die Fälle ohne das lästige Geplapper anderer Touristen. Die Fälle sind einfach gigantisch. Die Daten kann man nachlesen, aber der Eindruck ist unbeschreiblich. All die Wassermassen, durch die wir gestern und heute durchfahren haben und noch dazu das Wasser des Hauptstromes stürzen über eine lange Kante in die Tiefe. Ein Riss in der Erdkruste hat diese einzigartige Stufe in den Basalt geschaffen.

Die nächsten zwei Nächte lassen wir auf der Waterfront Lodge oberhalb der Fälle mit Blick auf Gischtfahnen und Hippos ausklingen.

Vollmond über der Karoo – 20.10.2021

Vollmond über der Karoo – 20.10.2021

So, damit nicht der Eindruck entsteht, wir wären nur in Nationalparks unterwegs, hier ein kurzer Bericht von einer unvorhergesehenen Nacht im Garten Eden.

Wir programmieren in unserem Garmin einen Campingplatz ein, der 30 km Piste von der Nationalstraße N12 entfernt liegt. Es ist mittags, und wir sind schon knappe 300 km durch die Karoo gefahren – dürres nicht einmal kniehohes Gesträuch soweit das Auge reicht. Das reicht uns an Fahrstrecke, wir wollen den Nachmittag verbummeln und eventuell 2 Nächte bleiben. Der Campingplatz ist malerisch an einem Stausee gelegen – mutmaße ich wegen des blauen Flecken, der daneben eingezeichnet ist.

Als wir auf die Piste abbiegen, stellen wir fest, dass sie mittlerweile auf den ersten 20 km geteert ist. Schön! Dann zweigt eine Piste ab, die tatsächlich Piste ist – und zwar die übelste bisher. 10 km auf dieser Piste und kein Hinweisschild auf einen Campingplatz? Das macht uns schon mal stutzig. Nach zwei Kilometern spreche ich meine Vermutung aus, dass dieser Campingplatz wohl auch nicht existiert. „Egal“ antwortet Torsten „auf dieser üblen Strecke kommt doch außer uns niemand, also können wir am See allein stehen – und ich bin nicht bereit, diese Strecke unverbrachter Dinge wieder zurück zu fahren.“ Gesagt, getan (für die restlichen 8 km benötigt Hano über eine halbe Stunde). Es gibt weder einen Campingplatz noch einen Stausee. Wohl eine Staumauer, die noch gut in Schuss ist, aber in der Senke blühen Mimosenbäume. Welch ein Anblick nach 300 km in der verdorrten Karoo! Allerdings ist das grüne Gebiet eingezäunt, wir stellen uns also in den Windschatten des Staudamms und beschließen, den Nachmittag und die Nacht hier zu verbringen – denn hierher verirrt sich doch niemand außer uns.

Nach einem kleinen Mittagsvesper bestaunen wir die Pflanzen, Käfer, Gottesanbeterinnen in der Umgebung. Da kommt Ion, der sich um den Staudamm kümmert. Der Damm war 1988 letztmalig gefüllt, seitdem regnet es nur so wenig, dass die Bäume in der Senke schön grünen und sich einige Grasflächen ausgebildet haben. Wir fragen ihn, ob wir hier eine Nacht stehen dürfen, und ob er meint, es sei hier sicher. Wir dürften bleiben, solange wir wollen, war die Antwort, aber schöner sei es hinter dem Damm auf einer kleinen Plattform über der Senke – dort kann man das gesamte Tal überblicken. Ja, aber die Piste ist durch ein Tor versperrt, erwidere ich. Ion schmunzelt. Ihm gefällt wohl, dass wir das Tor nicht näher untersucht haben – es liegt zwar eine Kette um das Tor und das Vorhängeschloss ist lose eingehängt, sodass keine Tiere hindurch können, aber das Schloss ist nicht zugeclipst. Wir können dort übernachten und morgen (oder wann wir wollen) wieder rausfahren, und sollen das Schloss dann wieder offen einhängen, damit er wieder hinein kann.

Wir verlegen unseren Platz und haben einen traumhaften Blick auf die blühende grüne Senke. Einer der schönsten Plätze, die wir je hatten. Ganz allein mit Weitblick auf ein herrliches Stückchen Erde!

Das feiern wir mit einem Glas Wein auf dem Hanodach. Kurze Zeit darauf geht der Vollmond hinter Hano auf und die Sonne vor Hano unter.

Am nächsten Morgen springen wir früh aus dem Bett, um das umgekehrte Schauspiel zu verfolgen: Um 5:30 geht der Vollmond über der Senke unter, eine Viertel Stunde später wirft die Sonne ihre ersten Strahlen in das Tal. Einige Tiere, die wir auch mit Fernglas nicht identifizieren können, da sie so weit weg sind, ziehen über die Grasflächen. Welch ein friedliches Stückchen Erde!

Gegen 7:30 kommt Ion vorbei, und fragt uns ob wir gut geschlafen haben. Nicht gut, sondern traumhaft! – antworten wir – an solch einem friedlichen Ort! Er freut sich, dass wir eine ruhige Nacht hatten, und seinen „Arbeitsplatz“ so wertschätzen können, wünscht uns alles Gute auf der weiteren Reise und fährt die Piste weiter in das Tal hinein. Da es tagsüber wieder sehr heiß wird, und wir zwar einen traumhaften Ausblick, aber keinen Schatten für Hano haben, reißen wir uns los und fahren weiter. Aber diese Nacht und diesen Platz werden wir sicher nicht vergessen!

Der Blog unserer Südamerikareise mit dem Hanomag A-L 28 endet hier.

Unsere aktuelle Islandreise werden wir nicht mehr in Blog-Form dokumentieren,

dafür lassen wir Bilder sprechen.

Unter der Rubrik „Galerie“ findet  mandie aktuellen Islandbilder unter

Galerie

  Island 2018

Bremerhaven – die nördlichste Stadt Südamerikas?

Bremerhaven – die nördlichste Stadt Südamerikas?

09.04. bis 16.04.2018

Darin, dass Cartagena die letzte Station in Südamerika sei, hatten wir uns gewaltig getäuscht.

Der Hano soll ja in Bremerhaven anlanden, in geordneten deutschen Verhältnissen, und mit deutscher Pünktlichkeit. Dachten wir. Vermutlich war es jedoch eine gütige Fügung des Schicksals, dass die Reise so südamerikanisch zu Ende ging – damit wir nicht im deutschen Alltagstrott gerinnen, sondern lebendig daran erinnert werden, unter welchen organisatorischen Randbedingungen wir das letzte halbe Jahr verbracht haben.

Eine Woche vor Ankunft des Schiffes erhalten wir eine Information der Rederei, dass der Hano in der folgenden Woche am Dienstag in Bremerhaven ankommt und zwischen Mittwoch und Freitag beim Zoll ausgelöst werden kann. Torsten bucht also eine Bahnfahrt für den Mittwoch, eine Hostal-Übernachtung im Hafen, und vereinbart einen Abholtermin für Donnerstag. Ein Tag Sicherheitspuffer sollte in Europa ja reichen.

Voller Vorfreude verfolgen wir täglich das Schiffstracking und vergleichen es mit den Wetterdaten auf dem Atlantik um nachzufühlen, wie stark der Hano durch Stürme geschaukelt, oder ob der Schiffsrumpf durch Sonne gewärmt wird. Am Sonntag stellen wir plötzlich fest, dass das Schiff in Antwerpen angelegt hat. Antwerpen war auf dem Fahrplan gar nicht vorgesehen gewesen. Naja, zum Glück hat Torsten ja einen Tag Puffer eingeplant, bis Donnerstag sollte der Hano längst ausgeladen sein. Sollte.

Ist er möglicherweise auch, aber an einen Zolltermin am Donnerstag ist trotzdem nicht zu denken, erfährt Torsten am Donnerstag früh. Im Laufe des Tages wird er einen Termin für Freitag erhalten. Also verlängert er das Zimmer um eine Nacht, und erschließt die hochspannende Metropole Bremerhaven touristisch. Auch dem Aldi stattet er einen Besuch ab, da er sein brandneues Handy mitgenommen hat, das noch keine SIM-Karte hat. Alditalk gibt es ja schließlich auch im Norden zu kaufen. Das stimmt zwar, aber irgendetwas funktioniert mit der Aktivierung nicht. Also ist er telefonisch nicht zu erreichen. Als er am späten Nachmittag zurück zum Hostal kommt und über WLAN seine mails abruft, sieht er eine Nachricht von der Reederei, dass er doch bitte bis 17:00 Uhr zurückrufen soll (wofür es zu spät ist), oder morgen ab 8:30 Uhr. Der Zoll hat ein Verfügungsverbot über unseren Hanomag ausgesprochen.

Wieso denn anrufen? Er checkt am Freitag morgen aus und spaziert mit dem Rucksack 2 km bis zum Büro der Reederei. Taxi ist doch was für Weicheier, auch wenn er keine Wanderschuhe dabei hat und der Rucksack recht schwer ist, da er noch einige Sachen für den Hano mitnehmen musste. Überpünktlich  kommt er um 8:15 bei der Reederei an. Dort erwartet ihn die fröhliche Nachricht, dass der Zolltermin (in der Fachsprache heißt das „Beschau“ – als sei der Hano ein Stück Fleisch…) erst am Montag möglich sei. Wie bitte? Torsten bittet die Dame mit Nachdruck, noch heute einen Termin möglich zu machen, deponiert dann seinen Rucksack bei der Reederei und spaziert zum Terminal, an dem der Zolltermin stattfinden soll – ohne Ergebnis. Gegen Mittag wird er nochmal bei der Reederei vorstellig und äußert seinen Unmut über die Verzögerung. Dabei fällt ihm auch auf, dass die Reederei einen Beschau-Termin ohne ihn ausmachen wollte. Das geht ja gar nicht, da nur er die Schlüssel für den Aufbau und die Staufächer hat. Auf dem Schiff befindet sich lediglich der Schlüssel für das Führerhaus. Also erbitten sie nun vom Zoll einen Termin im Beisein des Fahrzeughalters. Im Laufe des Tages erhält Torsten dann die Nachricht, die ihn endgültig noch ein Wochenende in Bremerhaven beschert: Der Zolltermin kann erst am Montag stattfinden, da das „notwendige Instrumentarium“ für die Beschau nicht bereitgestellt werden kann.

Also bucht er drei weitere Nächte für knapp 200 € im selben Hostal… Da er nur mit einer Nacht gerechnet hat, hat er auch nur eine frische Wäschegarnitur mitgenommen – im Hano wartete ja noch genügend Wäsche darauf, mal wieder gebraucht zu werden. Hätte ihn die Reederei rechtzeitig von der Verzögerung unterrichtet, hätte er ja das Zugticket verfallen lassen und für Sonntag ein neues buchen können, das wäre deutlich billiger gewesen. Aber dann hätte er ja nicht alle Museen von Bremerhaven kennen gelernt… Viele neue Anregungen gibt es im Schifffahrtsmuseum. Vielleicht kaufen wir uns irgendwann ein U-Boot aus dem letzten Krieg als Reisegefährt.

Von der Reederei kommt eine mail, dass die Beschau zwischen 7:45 und 8:30 stattfinden soll.

Am Montag um 7:30 Uhr ist Torsten folglich beim Zoll. Und sie haben auch gleich Zeit für ihn, sowie das „notwendige Instrumentarium“. Das schaut ihn mit neugierigen Augen an. Es handelt sich nämlich um die Drogenhündin, die am Freitag nachmittag keine Zeit hatte, da sie auf Schulung musste. Torsten bleibt die Spucke weg – er hatte hinter dem „notwendigen Instrumentarium“ vielmehr ein Röntgengerät o.ä. vermutet. Das Schnüffeln der Hündin geht auch ganz schnell. Er muss nicht einmal die Fächer öffnen, sie schnüffelt einfach nur an allen Schranktüren, hüpft auf allen Polstern herum, und das war’s. Die vier Zollbeamte, die für diese Beschau nötig sind, schauen freundlich und gelassen zu. Dafür hat Torsten fünf lange Tage und Nächte hier gewartet!

Die Heimreise verläuft gut, der Hano trabt fröhlich und genießt den glatten Fahrbahnbelag der deutschen Bundesautobahnen.

In Hannover, der Produktionsstätte des Hanomags, ist ein Zwischenstopp mit Foto geplant. Kurz vor Erreichen der Hanomagstraße fällt der Luftsdruck im Reifen links hinten rapide ab. Auf einem Friedhofparkplatz ist genug Ruhe für einen Radwechsel. Dann das geplante Foto: Auch in der Hanomagstraße ist die Welt verändert: Die Gebäude und Werkshallen stehen noch, allerdings sind sie neuen Zwecken zugeführt worden. Der Hanomagschriftzug ist halb verschwunden hinter neuen Gebäudekomplexen.

Weiter geht es in den Abendstunden auf der A7. In Göttingen besucht Torsten spontan eine Tante und übernachtet dort auf dem Reiterhof. Ein unverhoffter netter Abend lässt die Vergangenheit von Kindheit und Jugend lebendig werden.

Am Abend des 17. April kommen die beiden wohlbehalten in Leopoldshafen an. Nun endlich ist die große Reise zu Ende, die uns dreien so unvergessliche Erinnerungen beschert hat.

Ankunft zu Hause

Ankunft zu Hause

16.3.2018

Die Ankunft zu Hause verläuft erschreckend normal. Wir kommen am Freitag Mittag an. Hannes „Welcome home“-Schild mit bunten Luftballons lässt uns vermuten, dass wir länger weg waren. Aber als wir das Haus betreten und die Treppe in unsere Wohnung hinaufsteigen, fühlt es sich an, als kämen wir wie jeden Freitag von der Arbeit nach Hause. Alles ist so vertraut und unverändert, als ob wir am Morgen noch hier gefrühstückt hätten.

Zielsicher gehe ich zu Schränken und Schubladen, hole Geschirr und Besteck heraus, verstaue Jacken und Wäsche, als seien wir nie weg gewesen. Das erschreckt uns ziemlich – kann nach solch einer Reise alles einfach so normal weiter gehen? Haben wir uns denn gar nicht verändert? Die Fische brauchen einige Zeit zum Eingewöhnen, bis sie wieder aus der Hand fressen. Der zweite kleine Hinweis auf die lange Abwesenheit.

„Wartet ab, der Kulturschock kommt noch“ berichten uns fernreiseerfahrene Freunde und Kollegen.

Und es stimmt – es kommt unverhofft, in schwachen oder stärkeren Wellen. Die ersten fünf Tage stehe ich morgens auf und bereite wie immer das Frühstück schlafwandelnd vor – mit exakt denselben Handgriffen wie vor der Reise. Am sechsten Tag gehe ich in die Küche – und weiß gar nichts mehr. Wo bin ich? Warum bin ich hier? Was wollte ich gerade machen? Nach einigen Minuten völliger Verwirrung fällt mir wenigstens wieder ein, dass ich Tee kochen wollte. Aber wo ist der Gasherd? Der Wasserkocher? Der Hochschrank mit unserem Campinggeschirr? Weshalb ist in diesen merkwürdigen Schränken nur Porzellan? Und an so ungewohnter Stelle? Nach der Tasse Tee bin ich wieder vollkommen im Lot. Weiter geht es im gewohnten Trott.

Wirklich? Nach und nach merken wir, dass doch einiges anders ist. Teilweise Kleinigkeiten, die jedoch manchmal einen spürbaren Unterschied machen. Unser Ärger über das nervtötende Kruschteln im Hanomag hat beispielsweise dazu geführt, dass viele Entscheidungen schneller getroffen werden. Was weder Platz noch Verwendung findet, wird weggeworfen oder verschenkt. Sollten wir es doch nochmal benötigen, müssen wir uns eben etwas anderes einfallen lassen oder es im schlimmsten Fall neu kaufen. Aber dass nutzlose Dinge jahrelang eine Schublade blockieren, weil man sie vielleicht irgendwann noch mal brauchen könnte, tolerieren wir nicht mehr. Und einiges Anderes hat sich geändert. Manches merklich, manches unmerklich.

Drei Wochen nach Rückkehr habe ich einen „Was mache ich denn hier in dieser Welt?’“ Tag. Aber der verfliegt schnell, am nächsten Tag freue ich mich wieder, in Deutschland und bei meiner Arbeit zu sein.

Möglicherweise kommt der tiefe Einbruch noch, meist so drei bis vier Monate nach der Rückkehr, haben uns Freunde berichtet. Warten wir‘s ab!

Vorerst warten wir voller Ungeduld auf den Hano – denn erst wenn er wieder bei uns ist, wird die Reise wirklich zu Ende sein! Wir sind ja nur der (unbedeutendere) Teil der gesamten Expedition – schließlich hat er den Großteil der Arbeit verrichtet: Er hat uns mehr als 17.000 km durch einen faszinierenden Kontinent geschaukelt, wobei er über 200.000 Höhenmeter überwinden musste! Er hat stundenlang geduldig stillgehalten, wenn Torsten wieder mal repariert hat. Er ist auch bei mehr als 5.000 m.ü.N.N. oder Temperaturen von -15°C wieder angesprungen – manchmal mit Leiern, Stottern und Rauchen, aber immer treu. Und hat nachts Wache gehalten und mit den Sternen geflüstert, während wir selig geschlafen und von neuen Abenteuern geträumt haben. Wir haben ihm viel zu verdanken.

Letzte Station in Südamerika: Cartagena

Letzte Station in Südamerika: Cartagena

9.-15.3. 2018

Am 9.3. geben wir den Hano im Hafen von Cartagena ab. Ein mulmiges Gefühl nach 6 Monaten engster räumlicher Verbundenheit. Wie wird es sein, in einem normalen Bett zu schlafen? Auswärts zu essen? Das Duschwasser nicht rationieren zu müssen – werden wir dem Wasser dieselbe hohe Bedeutung beimessen wie unterwegs, oder es einfach unachtsam laufen lassen, weil es ja plötzlich im Überfluss aus dem Hahn kommt, so wie Strom aus der Steckdose?

Über die Auflagen der Reederei, des Zolls und der Hafenbehörden, die Vorbereitung und Abgabe des Hano könnte man ein eigenes Buch schreiben. Möglicherweise folgt zu einem späteren Zeitpunkt ein rückblickender Blogeintrag.

Nach dem Abschied werden wir von unserem Hafenagenten zu unserem Hostal „La Magdalena“ gefahren. Ein hübsches kleines Hostal, keine zehn Gehminuten vom berühmten Uhrturm entfernt, hinter dem die eigentliche Altstadt Cartagenas beginnt.

Die Altstadt ist recht hübsch, aber im Grunde hat man nach einem Tag vielleicht nicht alles, aber genug gesehen. Enge Gässchen, hübsche alte Kolonialhäuser (na ja – was gut aussieht, sind moderne Betonbauten auf alt gemacht, und die Häuser, die tatsächlich schon 200 Jahre alt sind, wirkten meist eher baufällig als ansprechend…). Da wir oft gelesen haben, dass Cartagena eine der schönsten Städte in Südamerika sein soll, sind wir im Nachhinein nicht traurig, dass wir so wenige besichtigt haben. In den engen Gässchen der Altstadt heizen tagsüber die Autos. Nachts fahren hier Kutschen Besucher spazieren. Die Bürgersteige sind sehr schmal, und zur Hälfte oder ganz von Kunsthandwerk und dessen Verkäufern belegt. So muss man also Slalom laufen, aufpassen, dass man nicht überfahren wird, und jede Unterhaltung wird nach spätestens zwei Sätzen dadurch unterbrochen, dass einem jemand etwas verkaufen will, eine Mahlzeit anbieten will, … Einige Verkäufer bieten wohl tatsächlich original kolumbianische Handarbeit an. Bei anderen Ständen gleichen sich die Artikel so sehr, dass wir eher auf Massenproduktion aus China tippen. Als Laie ist es unmöglich, unter all dem Feilgebotenen das Echte vom Nachgemachten zu unterscheiden.

Wir müssen noch bis zur Drogenkontrolle des Hano im Hafen warten und können dann erst den Rückflug buchen. Die Drogenkontralle darf frühestens 24 Stunden vor Abfahrt des Schiffs mit Anwesenheitspflicht des Fahrzeughalters erfolgen. Also nehmen wir uns Zeit, einige Museen zu besuchen. Absolut spannend und lohnenswert war aus unserer Sicht das „Museo Naval del Caribe“, das parallel zur Geschichte der Schifffahrt und der Hafenanlagen die Geschichte der Stadt erzählt, welche wiederum in die europäische Geschichte eingebettet wird. Außerdem erfährt man viele Fakten und Anekdötchen über Angriffe auf die Stadt durch Freibeuter und Piraten – von Sir Francis Drake im Auftrag Elizabeths der I. bis hin zum Baron de Pointis im Auftrag Ludwigs des XIV wollten sich alle hier bereichern.

Im Goldmuseum kann man viele liebevoll arrangierte Exponate bewundern, die sorgfältig zu Epochen und Landstrichen zugeordnet sind, sodass wir viele Exponate den Stationen unserer Reise zuordnen können. Die Miniaturen aus San Agustín und Tierradentro erkennen wir auch ohne Begleittext wieder – die Figuren, die dort meterhoch in Stein gemeißelt waren, finden wir hier als kunstvoll in Gold getriebene Amulette wieder. Das ermöglicht uns einen schönen Rückblick auf unsere Zeit in Kolumbien, und die Stationen erstrahlen plötzlich in unserer Erinnerung in noch schönerem Glanz. Zudem gibt es drei kurze, sehr aufschlussreiche Lehrfilme über die alten Verfahren der Goldgewinnung und –verarbeitung. Endlich mal nicht stundenlanges Blabla, sondern hervorragend aufbereitete Informationen über das Wesentliche. Eine echte Wohltat. Wir waren zweimal dort!

Nur mäßig beeindruckend fanden wir hingegen das Castillo de San Felipe, immerhin die größte Festung in Südamerika. Auf massivem Fels wurde in mehreren Bauabschnitten ein verwirrendes System aus Mauern, Tunneln und Innenhöfen geschaffen, wodurch es uneinnehmbar wurde. Das ist schon nicht ganz unbeeindruckend. Allerdings wurde diese Festung zwischenzeitlich aufgegeben und als Baumaterial ausgeschlachtet. D.h. die Mauern, auf denen man heute wieder herumlaufen kann, sind nicht original, sondern wurden ab den 1930’er Jahren restauriert. Das erinnert uns irgendwie an die kolonialen Betonhäuser in der Altstadt… Uns kommt es vor, als würde man die Restauration nicht nur sehen, sondern auch fühlen – echte Ehrfurcht wie an anderen historischen Stellen stellt sich nicht ein.

Endlich lässt der Termin für die Drogenkontrolle dann ein Ende unseres Aufenthaltes absehen. Der gesamte Verschiffungsvorgang würde einen eigenen überlangen Blogeintrag beanspruchen, hier nur die komprimierte Version. Die Kontrolle verlief glücklicherweise weniger scharf als erwartet. Bisweilen kommt es vor, dass der Fahrzeughalter allein (denn nur der Halter darf zur Kontrolle in den Hafen!) den gesamten Fahrzeuginhalt ausräumen muss. Der Hano wurde zwar gründlich inspiziert, aber das komplette Ausräumen blieb Torsten zum Glück erspart. Die besonders gründliche Kontrolle begründet sich an der Abwesenheit des Drogenhundes wegen Unpässlichkeit. So wurde es im Protokoll des Zollbeamten vermerkt. Am Abend haben wir dann unseren Rückflug gebucht, und den guten Abschluss der Verladeformalitäten mit unserem Lieblingsbier „Club Colombia“ gefeiert und mit einem leckeren „Ron de Medellín“ ausklingen lassen.

Beim Rückflug gab es noch eine kleine Zitterpartie, es wäre ja zu langweilig gewesen und hätte den Charakter der Reise nicht getroffen, wenn alles reibungslos abgelaufen wäre. Wir hatten eine Code-Nummer für das Online-Tracking des Hano erhalten, die es uns ermöglichen sollte, seinen Aufenthaltsort jederzeit zu verfolgen. Das setzt natürlich voraus, dass alle Vorgänge ordnungsgemäß ins Tracking-System eingetragen werden. Als in Cartatgena das Boarding beginnt, ist das Schiff laut Homepage der Reederei bereits unterwegs Panama, der Hano steht aber laut Tracking noch im Hafen. Steht er dort tatsächlich noch oder ist er nur noch nicht eingebucht? Wir überlegen kurz, ob wir fliegen sollen – denn wenn der Hano tatsächlich nicht auf dem Schiff ist, wird Torsten nochmal beim Hafen vorsprechen müssen. Wir fliegen dann, mit nicht zu leugnender Anspannung. Als wir dann beim Umsteigen in Miami dann die Nachricht von unserem Agenten erhalten, dass der Hano verladen wurde und sanft auf den Wogen der Karibik schaukelt, fällt uns ein riesengroßer Stein vom Herzen. In Ermangelung einer Alternative begießen wir das fröhliche Ereignis mit dem schlechtesten und teuersten Bier aller Zeiten: einem amerikanischen Budweiser, das uns satte 9 US$ pro Pint kostet. Dadurch wird es uns aber lange in Erinnerung bleiben – und wir wertschätzen rückwirkend noch mal die Qualität der Biere in Südamerika.

Karibik

Karibik

27.2.-5.3.2018

Wir eilen in zweieinhalb Fahrtagen von dem Kaffeeanbaugebiet bei Salento nach Norden. Bergauf, bergab keucht der Hano ins Tal des Rio Magdalena, dann sind wir in der Ebene angekommen und der Hano galoppiert wie eine Gazelle nach Norden in Richtung Karibik-Küste. Während wir im Süden des Landes noch viele kleine Häuschen und Höfe mit kleinen, aber feinen abwechslungsreichen Plantagen gesehen haben, bekommen wir entlang der Ruta 45 nördlich von La Dorada einen ziemlichen Schock: Wie wir schon vermutet hatten, ist der ursprüngliche Tropenwald seit Jahrzehnten abgeholzt, stattdessen reiht sich etwa 1000 km lang Großplantage an Großplantage – selbstredend afrikanische Ölpalmen, keine einheimischen. Im Norden dann zur Abwechslung auch mal Bananen, die Fruchtstände sorgfältig unter Plastikfolie geschützt. Und der Müll in der Landschaft nimmt zu, um an der touristisch überlaufenen Karibik-Küste sein Maximum zu erreichen.

An der Küste erreichen wir Santa Marta, eine der ältesten Städte Kolumbiens, mit einigen angrenzenden Nationalparks. Zunächst fahren wir in das kleine Bergdorf Minca, von wo aus man gut wandern und den Nationalpark Sierra Nevada besuchen kann, der sehr schön sein soll. Für Backpacker wohl genial, es gibt viele nette kleine Fincas zum Übernachten. Der Ort ist aber nicht auf Camper eingestellt. Die Zufahrten zu den Fincas haben niedrige Tore, sodass als einzige Übernachtungsmöglichkeit drei kleine Parkplätze direkt an der Straße bleiben. Nicht dass die Straße stark befahren wäre – aber es flanieren Heerscharen von Spaziergängern auf dieser kleinen Straße, und wir sind es so langsam leid, dass jeder unseren Hano bewundert und das Gespräch mit uns sucht. Also lassen wir die Berge Berge sein und fahren wieder Richtung Strand nach Taganga. Laut Beschreibung im Internet ein romantischer kleiner Fischerort mit dem Charme eines verschlafenen Seeräubernests, klingt ja spannend. Die Realität ist dann etwas ernüchternd – in Strandnähe wird man unentwegt angequatscht, ob man nicht hier oder dort essen oder einen Café trinken will, ob man nicht eine Bootsausfahrt zu den einsamen Stränden im angrenzenden Tayrona-Nationalpark machen will, usw. Wir hätten lieber dem Rauschen des Meeres und des Windes zugehört, aber als Gringo ist man hier Freiwild für die Marktschreier… Immerhin finden wir eine sehr ansprechende Tauchbasis und wollen ein paar Tauchgänge machen. Doch wir haben Pech, die See ist gerade aufgewühlt mit geringen Sichtweiten. Wir freuen uns über die Ehrlichkeit des Basisbesitzers und beschließen, für ein paar Tage weiter nach Osten zu fahren, und dann nach Abflauen der starken Winde zum Tauchen zurück zu kommen. Am anderen Ende des Tayrona Nationalparks finden wir dann auf einem Campingplatz mit dem klangvollen Namen „Los Angeles“ die ersehnte Ruhe und Naturnähe und verbringen drei entspannte Tage. Den Stellplatz des Hano mit Meeresblick suchen wir sorgfältig zwischen den Kokospalmen aus – es ist gar nicht so einfach, einen Platz zu finden, an dem man ausreichend kühlenden Baumschatten hat, aber nicht durch herabfallende Kokosnüsse gefährdet ist. Mehrmals täglich lösen sich Früchte und stürzen unter respekteinflößendem Gepolter auf den Boden. Nicht auszudenken, was passiert, wenn einem solch eine beschleunigte Nuss auf den Kopf fällt! Was für viele der Inbegriff der Romantik ist, wird hier zur handfesten Bedrohung!

Ein paar schräge Gesellen gibt es auf diesem Platz auch, aber so wenige, dass sie eher eine willkommene Abwechslung sind. Am ersten Nachmittag kommt ein Kolumbianer und referiert über Gott, den Teufel und den Tod. Natürlich auf Spanisch, daher habe ich von seiner Ansprache kaum mehr als diese drei Schlagworte verstanden. Dann klettert er mit nackten Füßen auf eine Kokospalme, hackt eine trinkreife Frucht los, wieselt wieder hinab und überreicht sie uns. Wir sind verdutzt, und noch ehe ich ein paar Pesos aus meiner Tasche kramen kann, ist er schon verschwunden. Er wollte uns offensichtlich wirklich nur selbstlos missionieren und beschenken. Netter Kerl, und schade, dass unser Spanisch nicht ausreichte, um seine Botschaften zu verstehen! Torsten freut sich über die neuerliche Aufgabe für unsere Machete. Schon auf der 2 km langen Zufahrt zu diesem Campingplatz hat sie den Weg für den Hano frei gehauen. Mit ein paar gekonnten Schlägen öffnet Torsten die Nuss und wir trinken den leckeren Saft. Die nächste kuriose Gestalt: An allen drei Morgen kommt ein Frühstücks-Verkäufer über den Platz. Jedesmal kommt er erst dann, wenn sich unser Frühstück schon zu Ende neigt, die Teller und Tassen aber noch halb gefüllt sind. Er bietet uns etwas zu Essen und heiße Getränke an und zeigt sich ganz verdutzt, dass wir ablehnen. Bewundernswerte Beharrlichkeit!

Wir genießen das warme Wetter, den Wind und die Strandspaziergänge. Aber wie schon in vorangegangenen Tauchurlauben merken wir, dass die Karibik über Wasser nicht unsere Welt ist. Schön, beschaulich, aber nicht wirklich mitreißend. Nach drei Tagen sind wir mehr als „satt“. Zudem ist der Norden Kolumbiens vollkommen vom US-amerikanischen Tourismus überformt. Daher sind wir auch nicht allzu böse, als wir erfahren, dass unser Schiff gestrichen wurde, und wir nun die Möglichkeit haben, eine Woche früher oder vier Wochen später nach Hause zu fahren. Wir entscheiden uns für eine Woche früher – zwar bleibt uns dadurch leider keine Zeit mehr, um Tauchen zu gehen, aber irgendwie wissen wir nicht, was wir hier noch vier Wochen lang machen sollten. Schade, dass der Altiplano so weit weg ist – in den hochgelegenen Wüsten zwischen Bolivien und Nordargentinien wären wir sofort noch mal vier Wochen auf Tour gegangen!

 

Eingeseift in der Wüste

Eingeseift in der Wüste

  1. Februar 2018

 

Wir sind zwar keine Geologen, aber unter einer Wüste haben wir uns eine trockene Landschaft mit sehr wenig Fauna und Flora vorgestellt. Als wir von Villavieja in die Tatacoa-Wüste abbiegen, staunen wir nicht schlecht: Entlang der immer abenteuerlicher werdenden Piste wechseln sich Kuh- und Schafweiden ab. Apart mit Stacheldraht eingezäunt. Gräser und Büsche zieren diese Weiden. Wir Geologie-Banausen hätten diese Landschaft als Steppe eingestuft. Etwa jeden Kilometer trifft man auf ein Restaurant / Hospedaje mit Campingmöglichkeit und Pool. Nach 6 km kommt der erste „Wüsten“-Abschnitt: rote Felsen, die mit meterhohen Kakteen bewachsen sind. Bei einem Restaurant kann man parken und einen 2…6 km langen Rundweg durch diesen kleinen Wüstenabschnitt spazieren. Sehr beschaulich, aber es prickelt uns nicht wirklich, zumal heute Sonntag ist und somit sehr viele Besucher hier sind. Wir beschließen weiter zu fahren, uns einen ruhigen Platz für die Nacht zu suchen und ggf. morgen vor Sonnenaufgang wiederzukommen.

Also wer weite leere Wüstenlandschaften mit unendlich scheinender Freiheit sucht, fahre besser nach Südwest-Bolivien oder Nordwest-Argentinien. Wer einfach eine farbliche Abwechslung zu dieser üppigen grünen Landschaft sucht, ist hier genau richtig.

Wir fahren weiter, bis ans Ende der in GoogleMaps verzeichneten Piste. 7 km entfernt soll es im Niemansland einen Campingplatz geben. Frei stehen ist nicht möglich, da das gesamte Gebiet eingezäunt ist. Die Piste wird schmaler und huppeliger und führt nicht gerade in Richtung des Campingplatzes. Wir fahren sie dennoch weiter. Nach 5 km kommt tatsächlich ein Wegweiser Valle de Constellaciones, 11 km. Juhu! Wir folgen dieser Piste und finden den völlig abgeschiedenen Campingplatz. Auch er hat einen Pool, einige kleine hübsche Hütten sind zu vermieten. Von den Toiletten aus hat man einen weiten Panoramablick über die Steppe/Wüste, anstatt Türen gibt es Vorhänge, die man zuziehen könnte, aber weshalb denn, wir sind ja die Einzigen hier.

Als wir abends draußen kochen und bei Einbruch der Dämmerung die Türe kurz offen stehen lassen, hält eine geballte Biodiversität Einzug in den Hano: Falter in verschiedensten Größen und Formen. Und dann beginnt es zu regnen, die ganze Nacht hindurch. Keine idiotensichere Wüste -wir schaffen es mal wieder, auch hier schlechtes Wetter zu erwischen.

Am nächsten Morgen frage ich den Campingplatzwart, ob wir zurückfahren müssen, oder der Piste weiter folgen können. Die Piste gehe weiter, bestätigt er, beide Wege seien etwa gleich weit. Wir überlegen noch kurz, ob wir warten sollen, bis die Wege trocken sind. Allerdings sieht es nach weiterem Regen aus, nicht nach Trockenwetter, also fahren wir den unbekannten Pistenabschnitt weiter. Uns erwarten 25 km Matsch-Abenteuer. Da der Hano keine Differenzialsperre hat, und die Wege teilweise nur einseitig im Matsch liegen, während auf der anderen Seite fester Untergrund ist, kommen mal wieder besondere Maßnahmen zum Einsatz: Wo überhängende Bäume (wohlgemerkt in der Wüste!) uns in den Matsch zwingen wollen, haut die Machete uns den Weg frei. Wo zu starke Steigungen oder einseitiger Matsch unumgänglich sind, verfüllt der Spaten den Matsch so lange mit Steinen, bis der Hano gazellengleich darüberschweben kann. Wo ausnahmsweise keine Weide die Piste zäunt, bahnt sich der Hano seinen Weg über felsigen / sandigen Untergrund rechts und links der Piste.

Ein spannendes Abenteuer, doch wer hätte gedacht, dass wir unsere erste Schlammfahrt auf dieser Reise ausgerechnet in der Tatacoa-Wüste haben würden?

Die beschaulichen roten Felsen mit den grünen Kakteen-Farbtupfern haben wir nicht mehr besucht. Sie dürfen andere Besucher erfreuen, oder uns auf einer nächsten Reise… Dennoch ein toller Abstecher, den wir nicht missen möchten!

Alte Kulturen in Kolumbien

Alte Kulturen in Kolumbien

15.-17. Februar 2018

Die vorkolumbianischen Kulturen in Südamerika haben uns bisher nicht vom Hocker gerissen. Runde und eckige Grundmauern kennen wir aus Europa, irgendwie folgen menschliche Behausungen doch weltweit sehr ähnlichen Mustern. Auch die Tonscherben sehen sich überall auf der Welt irgendwie sehr ähnlich. Angenehm überrascht waren wir, als wir in Bolivien in einem abgelegenen Seitental, in dem wir eine Übernachtungsmöglichkeit suchten, auf Grabtürme aus Adobe stießen. Sie leuchteten rot in der Abendsonne, und da es nur etwa 10 Türme waren, fernab jeglicher Touristenrouten, waren außer uns dort nur einige Lamas. Ein herrlicher und ergreifender Anblick.

Die Festung Sayhuaman in Cusco, Peru, hatte uns mit ihren Mauern aus fugenlos ineinandergefügten riesigen Steinblöcken fasziniert.

Das waren bisher die Höhepunkte für uns gewesen, und wir waren nicht sicher, ob wir wirklich die Umwege über unerquickliche Pisten für die archäologischen Stätten in Süd-Kolumbien fahren sollten. Wie gut, dass wir die Huckelei auf uns genommen (und dem Hano zugemutet) haben!

Zuerst kommen wir nach Alto de los Idolos. Hier gibt es alte Gräber (1…1500 nach Christus), die an die Allees Couvertes in der Bretagne erinnern. Allerdings haben all diese Gräber einen Wächter aus Stein: in der Regel Steinplatten (wenige sind als Relief ausgearbeitet), in die (menschliche?) Figuren mit übergroßen und überbreiten Gesichtern eingemeißelt sind. Beeindruckende Wächter -mich hätten sie auf jeden Fall am Weitergehen gehindert. Das Faszinierendste an los Idolos ist, dass die Gräber mit Wächtern erhalten (bzw. wieder aufgestellt) sind. Außerdem sind wir allein und genießen die Ruhe an diesem andächtigen Ort.

Einen Tag später besichtigen wir die bekanntere und gut besuchte (wenn auch nicht überlaufene) archäologische Stätte in San Agustin. Hier stehen über 100 Grabwächter, jedoch ohne Gräber. Die Einbettung der Figuren in die Ruhestätten der Ahnen spürt man hier nicht so gut, wie in los Idolos. Eindrucksvoll ist die Vielfalt an Figuren, die Unterschiede in den Handhaltungen und in der Ausgestaltung der Gesichter: runde Augen, halbrunde, eckige, Schlitze. Fast alle Gesichter fletschen die Zähne und haben übergroße Eckzähne.

Frühere und ganz anders angelegte Grabstätten finden sich in Tierradentro. Laut Luftlinie ganz in der Nähe, jedoch muss man 200 km abenteuerliche Straßen und Pisten fahren, um hierher zu gelangen. Hier befinden sich einzigartige Grabhöhlen. Einige sind ausgegraben, viele weitere werden noch auf den umliegenden Feldern unter dem fruchtbaren Ackerboden vermutet. Man steigt über die originalen rundgewaschenen überhohen Stufen hinab in die Gräber. Noch ziert kein Geländer diese Zugänge, man muss schon etwas Geschicklichkeit walten lassen, um hinunter und wieder hinauf zu kommen. Allerdings wurden Lampen mit Bewegungsmeldern installiert, sodass man unten mit schwacher Beleuchtung die Verzierungen an den Wänden der Gräber erkennen kann. Jedes Grab hat einen zentralen Innenraum, umgeben von 7 Nischen, in denen teilweise Urnen gefunden wurden. Teilweise verfügen die Innenräume noch über Säulen. An den Säulen sind Ornamente oder Köpfe eingemeißelt, viele Wände der Nischen sind mit einfachen regelmäßigen Mustern verziert, in blauer und roter Farbe. Sehr beeindruckende Stätten!

Diese Gräber liegen in einem sehr fruchtbaren Gebiet, wir sehen rundum Kaffeeplantagen und Bananenstauden. Als wir ein paar vergessenen Kaffeekirschen öffnen und uns fröhliche Würmer entgegenschauen, wissen wir, dass der Kaffee hier echt bio ist. Und nachdem uns ein Architekt, der eine nahegelegene Kirche restauriert und glücklicherweise gut englisch spricht, bestätigt, dass der beste Kaffee Kolumbiens von hier stammt, und nicht aus dem berühmten Kaffegebiet um Manizales, ist klar, dass wir am Abend einen Einkaufsbummel in den Ort machen, um getrocknete, aber ungeröstete Kaffeesamen zu erstehen. Seit dem Kakaorösten hat sich unsere Technologie schon weiter entwickelt: Geröstet wird im heißen Luftstrom im Nudelsieb. Klein gepulvert wird beim ersten Versuch im Mörser, beim zweiten dann etwas feiner in der Pfeffermühle. Die Ergebnisse sind schon sehr lecker, ein superfeines Aroma. Nichtsdestotrotz werden wir bei weiteren Ansätzen das Verfahren weiter entwickeln. Es erfreut uns immer wieder, wenn wir an einem Ort nicht nur das finden, was uns die Karte, der Reiseführer, oder ein Tipp anderer Reisender versprochen haben, sondern wenn sich zu diesen großen Höhepunkten noch eine weitere unverhoffte kleine Entdeckung gesellt!

Festgefahren

Festgefahren

  1. Februar 2018

 

Andere Reisende können von spektakulären Situationen berichten, in denen sich ihre Gefährte so in den Untergrund eingewühlt hatten, dass sie nur mit fremder Hilfe wieder herauskamen. Wir haben von Reisebekannten faszinierende Fotos gesehen, wie ihr Gefährt im Salar Uyuni eingebrochen ist, und in vier Tagen von einer Kompanie Soldaten wieder ausgebuddelt werden musste. Was für ein Abenteuer!

Wir selbst sind durch viele sandige Untergründe gefahren in abgelegenen Wüsten und grandiosen Landschaften. Niemals hat sich der Hano festgewühlt. Bis heute. Und wie banal!

Wir fahren gerade vom Dschungel zurück Richtung Zivilisation auf einer relativ guten Betonstraße und sehen den ersten Handymasten. Wir beschließen, bei nächster Gelegenheit zu halten, und diese kommt schon nach 500 m in Form eines Feldweges. Weil Torsten so rücksichtsvoll ist, bleibt er nicht mitten auf dem Weg stehen, sondern rangiert neben den Weg ins Gras. Plötzlich gibt es einen starken Schaukler, und der Hano steht schräg. Was ist passiert? Das linke Hinterrad ist eingesunken, und der Hano sitzt auf zwei Staukisten auf – der hintersten linken sowie der hinteren.    Was man wegen des üppigen Grases nicht sehen konnte: hier läuft der Ablauf einer Kuhweide entlang: frisches Bergwasser – vermischt mit Gülle…

Danach erleben wir mal wieder absolute ecuadorianische Hilfsbereitschaft: Während Torsten zu schaufeln beginnt, gehe ich zum nächstgelegenen Hof, der glücklicherweise keinen Kilometer weit entfernt liegt. Zunächst sehe ich niemanden, die Hunde begrüßen mich Gott sei Dank mit freundlichem Schwanzwedeln, ohne Kläffen oder Hochspringen, und nach einigen Rufen kommt ein Mann mit Machete aus dem Unterholz. Ich erkläre ihm die Situation und er ruft einen Freund mit Traktor im nächsten Ort an. Er kommt aber erst noch einmal mit, um sich die Situation genau anzusehen und seinem Freund dann zu sagen, welchen Traktor er nehmen sollte. Während wir gemeinsam zum festgefahrenen Hano marschieren, sehen wir, wie ein LKW am Hano vorbeifährt, bremst, den Warnblinker setzt und dann rückwärts zurück in den Feldweg fährt. Die Fahrer haben an der starken Verschränkung der Achsen erkannt, dass der Hano festsitzt, und haben angehalten um zu helfen! Torsten schaufelt noch immer an der straßenabgewandten Seite und traut seinen Augen kaum, dass quasi zeitgleich von zwei Seiten Hilfe kommt.

Der LKW ist kaum größer als der Hano, dennoch schaffen sie es beim zweiten Anlauf, ihn aus der Gülle zu befreien. Sie machen vorher und nachher einige Fotos vom Hano und haben sichtbare Freude daran, uns zu helfen. Ein kleines Trinkgeld für einen Café lehnen sie strikt ab. Und der Mann von dem Hof, den wir mit dem Hano zurückfahren, bedankt sich tausendmal bei uns, das er im Hano mitfahren durfte.

Am nächsten Fluss halten wir an, spülen die beiden Staukästen und das Rad ab, und richten die Staukästen wieder – weiter geht’s! Nur die Lust auf Internet ist uns vergangen (der Handymast ist mittlerweile auch schon arg weit weg), weshalb diese Blogeinträge dann eben mal wieder warten müssen.

P.S. Diese Hilfsbereitschaft können wir gleich am nächsten Tag erwidern: Als wir mit rasanten 15 km/h eine lange Steigung hinauffahren, sehen wir ein Auto am Straßenrand stehen, aus dessen Motorhaube dichte Dampfschwaden herausziehen. Wir halten an, ich bleibe beim Hano und Torsten geht zu dem dampfenden Fahrzeug. Fahrer und Familie stehen ganz paralysiert neben dem Auto. Torsten öffnet die Motorhaube, sieht, dass das Kühlwasser übergekocht ist (übrigens auch ein Chevrolet, wie in Argentinien am Pass Abra el Acay…), holt unseren 10 Liter Faltkanister und füllt 5 Liter Wasser nach, mit dem Hinweis, bei nächster Gelegenheit Kühlerfrostschutz nachzufüllen. Die Familie ist immer noch schreckensstarr und dankbar, dass alles gerichtet ist.

Gegenüber liegt auch ein PKW, an dem zwei Männer reparieren. Als diese Gruppe junger Leute den Wasserbeutel sieht, schicken Sie das hübscheste Mädel rüber um Torsten um etwas Wasser zu bitten, damit sich die beiden Jungs die Hände waschen können. Die Reparatur haben sie schon hinbekommen, sind aber bis über die Ellenbogen hinauf schwarz.

So wäscht im wahrsten Sinne des Wortes eine Hand die andere!

Kakao rösten im Dschungel

Kakao rösten im Dschungel

7.-8. Februar 2018

 

Uns zieht es wieder in den Dschungel, um diese faszinierende Landschaft noch einmal auf eigene Faust zu erleben. Klar, dass wir dann – anders als bei der Manu-Tour – nur in die Kulturzone vordringen können, aber mehr ist für Anfänger wie uns ja auch nicht empfehlenswert.

Eigentlich wollten wir von Quito aus in den ecuadorianischen Dschungel fahren, und von dort nach Kolumbien weiterfahren. Als wir das unseren Freunden in Quito erzählen, werden sie bleich und raten uns heftig ab. Die kolumbianische Guerilla ist seit einigen Wochen wieder sehr aktiv im Süden des Landes, und kommt bisweilen auch über die Grenze. Vor einigen Wochen haben sie nachts im ecuadorianischen San Lorenzo eine Polizeistation samt wachhabenden Beamten in die Luft gesprengt. Nur die Panamericana sei im Grenzgebiet polizeilich hinreichend gesichert, die Küste sowie den Dschungel im Grenzgebiet sollten wir meiden. Das überzeugt uns. Was nun?

Wir beschliessen also, in Ecuador nochmals zurück nach Süden in den Dschungel zu fahren, dort kommt man bei Misahualli an den Rio Napo, der wie der Rio Manu ein direkter Zufluss des Amazonas ist. Ullrich vermittelt uns den Freund eines ehemaligen Studenten, bei dem wir im Hof wohnen können, und der dort eine Ausbildung zum Tourguide macht. So ganz auf eigene Faust ist dieser kurze Dschungelausflug nun also doch nicht, aber für uns eine perfekte Mischung: Als wir abends ankommen, vermittelt uns Mauricio gleich eine nächtliche Ruderbootfahrt auf einer Lagune. Nachts waren wir im Dschungel noch nicht auf dem Wasser – eine ganz neue Erfahrung. Es ist ziemlich ruhig, aber deswegen nicht weniger faszinierend. Wir sehen nur einen Klammeraffen von Weitem, und einige Vögel ganz dicht, die sich auf Ästen, die weit über das Wasser hängen, vor Fressfeinden in Sicherheit gebracht haben. Wir beleuchten sie nur vorsichtig, um sie nicht aufzuwecken. Im Wasser platscht es – klar, dass man in der Lagune für die Touristen einige besondere Fische angesiedelt hat. Sie sind zwar nicht natürlich hierher gekommen, aber sie befinden sich in einem ausreichend großen natürlichen Lebensraum. So sehen wir also auch zwei „Paiches“ bzw. Arapaimas, die größten Süßwasserfische der Erde. Bis zu 3,50 m können Sie lang werden, unsere beiden Exemplare sind nur über einen Meter lang, aber dennoch beeindruckend.

Am nächsten Morgen sieht Mauricio beim Frühstück unser Kakaopulver sowie die Kakaoplätzchen, die man in Wasser oder Milch auflösen soll. Das ist doch gar nichts – macht uns Mauricio klar. Er holt die Samen, die wir schon tags zuvor aus seiner Mauer in der Sonne haben trocknen sehen. Kakaobohnen. Die rösten wir nun zusammen, damit wir echten frischen Dschungelkakao herstellen und genießen können. Die Bohnen werden zunächst geröstet, dann wird mit der Hand die Haut abgepuhlt, dann weiter geröstet. Dann wird der Kakao üblicherweise gemahlen. In Ermangelung einer Mühle hämmern die beiden Männer die Bohnen klein. Nun wird der (noch recht grobe) Kakao mit Zucker weiter geröstet, dann nochmals möglichst fein gehämmert, und nochmals geröstet. Viel Arbeit für drei Tassen Kakao! Während die Männer rösten und hämmern, bereite ich die Bohnen für die nächste Woche vor: Die Kakaofrucht wird gepflückt und aufgeklopft. Im Inneren befindet sich das weiße Fruchtfleisch, darin die Samen. Man kann die noch weichen Samen auch direkt essen, das Fruchtfleisch schmeckt erfrischend säuerlich, und beides zusammen köstlich. Aber dann bekommt man ja keinen Kakao. Also nimmt man den von Fruchtfleisch umgebenen Samen in den Mund, „zutzelt“ das Fruchtfleisch ab, und legt den Samen danach für etwa fünf Tage in die Sonne zum Trocknen. Dann wird er geröstet usw. wie oben beschrieben. Es ist unnötig zu erwähnen, dass dies der köstlichste Kakao war, den wir je getrunken haben. Meine gezutzelten Samen trocknen im Hano nur langsam, der nächste eigene Kakao lässt also noch auf sich warten.

Dann bringt uns Mauricio zu einem Dschungelpfad, auf dem wir in den nächsten Stunden eine Wanderung auf eigene Faust unternehmen. Auf den Pfaden ist man relativ sicher. Die Tiere meiden sie, nur einige Spinnweben hängen vereinzelt über den Weg. Aber bitte nichts anfassen, und sich nicht an die Bäume lehnen! Dort können versteckte Insekten, insbesondere Ameisen, in die Hand beißen. Der Biss der 4 cm großen Conga-Ameisen (Schreibweise nach Gehör), vor denen wir schon auf der Manu-Tour gewarnt wurden, verursacht nämlich zwei Stunden lang höllische Schmerzen und eine Woche lang Fieber. Also behalten wir unsere Hände gut bei uns! Wir sehen spannende Bäume, erkennen viele wieder, und konzentrieren uns bei diesem Spaziergang auf die Insekten. Erstens sind diese relativ einfach selbst zu entdecken, und zweitens kommen sie bei geführten Touren oft zu kurz, da die meisten Führer einem die spektakuläreren Tiere wie Vögel und Affen zeigen wollen. Wir genießen diese erste eigene Dschungeltour aus vollen Zügen, und kommen sogar bis zum Ufer des Rio Napo und an einen kleinen Wasserfall. Mauricio ist erstaunt, wie weit wir hin- und vor allem wieder zurück kamen, denn bis zum Wasserfall gibt es einige Abzweigungen, die auf dem Rückweg nicht immer einfach wiederzuerkennen sind…

Abends spazieren wir im Ort am Rio Napu entlang. Das Gefälle ist groß und die Strömung sehr schnell, vermutlich ist deswegen das Wasser so klar. Der deutlich langsamer fließende Rio Manu war ja eine trübe graue / braune Brühe gewesen. Wir schauen ein paar Fische vom Ufer aus an, aber baden gehen wir vorsichtshalber nicht, auch wenn andere Touristen das tun. Das war ein kurzer, aber intensiver Abstecher in den Dschungel, und wir hoffen, mit Mauricio Kontakt halten zu können. Wir drei sind uns gegenseitig richtig ans Herz gewachsen. Wir haben bei ihm im Obstgarten gewohnt, ihn dafür mit bekocht, es war eine völlig unkomplizierte Begegnung! Und das Feuer, das im Manu Nationalpark entfacht wurde, lodert nun noch heißer: Eine Dschungelreise ohne Hano in das Herzen Amazoniens steht auf dem Reiseplan der nächsten Jahre ganz oben!

Quito intensiv

Quito intensiv

5.-6. Februar 2018

 

Kurz und intensiv war der Besuch bei unserem Studienfreund Ullrich und seiner ecuadorianischen Familie. Die gesamte Familie hat uns sehr warmherzig und gastfreundlich aufgenommen, wir dürfen nicht im Hano schlafen, sondern in Ulli&Hildas Schlafzimmer!

Am 6.2. geht es früh raus, die Arbeitstage in Ecuador sind lang. Um 4:30 stehen wir auf, 5:00 gemeinsames Frühstück, 5:40 geht es los, um dem schlimmsten Verkehr in Quito zuvorzukommen. Um 7:00 sticht Ullrich an der Uni ein – die Professoren haben hier ein genaues Stundenpensum vorgegeben! Bis 9:00 besichtigen wir verschiedene Labors der Fakultät für Chemieingenieurswesen, sehr eindrucksvoll. Dann haben wir Freizeit: Jorge, der ehemalige Vize-Dekan, der auch im Ruhestand täglich an die Uni kommt, forscht heute ausnahmsweise mal nicht, sondern spielt Fremdenführer für uns. Wir fahren zusammen in die Altstadt, und besichtigen gefühlte 100 faszinierende Kirchen. Tatsächlich waren es glaube ich nur 8. Die verschiedenen Orden und Glaubensrichtungen haben sich hier versucht, gegenseitig zu übertrumpfen. So viele faszinierende Kirchen auf so engem Raum! Wir sehen auch das Haus, in dem Alexander von Humboldt gewohnt hat, die ehemalige Uni, in der jetzt das Kulturdezernat ist, und die schönsten Stadtteile von Quito. Punkt 3:00 Uhr sind wir nach einem leckeren landestypischen Mittagessen wieder an der Uni – es findet eine Vorbesprechung für ein Kakao-Schokolade-Projekt statt, an der wir teilnehmen dürfen. Sehr spannend, vielleicht sind hier Kooperationen möglich… Um 16:30 muss Ullrich eine schriftliche Prüfung abnehmen. Organik 3. Torsten schreibt mit (er antwortet allerdings auf Deutsch) und besteht gut, was bei einer reinen Lernklausur auf Spanisch nicht zwingend gegeben ist. Ich hatte mich vorsichtshalber in der Bibliothek verdrückt…

Um 18:00 ist der Arbeitstag für Ullrich zu Ende. Wir haben zwar nicht durchgehend gearbeitet, sind aber auch platt von all den Eindrücken. Und wir sind sehr begeistert, wie freundlich wir überall aufgenommen und integriert wurden.

Ein schnelles Abendessen, heiße Diskussionen, und ein entspanntes Bier – um 22:00 fallen wir alle todmüde ins Bett, um am nächsten Morgen wieder um 4:30 aufzustehen. Ullrich fährt dann wieder an die Uni, Hilda in ihre Kanzlei, und wir weiter Richtung Dschungel…

Vollmondnächte am Fuße von Chimborazo und Cotopaxi

Vollmondnächte am Fuße von Chimborazo und Cotopaxi

1.-4. Februar 2018

Der Chimborazo hat uns aus der Ferne schon immer begeistert: Alexander von Humboldt ist im Jahre 1803 fast bis auf seinen Gipfel gekommen, konnte seine Höhe dabei recht genau vermessen, und er wurde lange Zeit für den höchsten Berg der Erde gehalten. In gewisser Weise stimmt das auch noch heute: obwohl er „nur“ etwa 6.300 m über dem Meeresspiegel liegt, ist sein Gipfel dennoch weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als derjenige des Mount Everest, da die Erde ja bekanntlich keine Kugel ist, sondern eine Kartoffel, die am Äquator am dicksten ist.

Wir sind keine Gipfelstürmer, und uns war klar, dass uns eine fröhliche Wanderung am Fuße dieses faszinierenden Vulkans vollauf genügen würde. Nur eines machte uns stutzig: Der Gipfel liegt tagsüber fast immer in Wolken, wenn man Glück hat, kann man ihn nachts und frühmorgens sehen. Und wir hatten Glück!

Am ersten Februar fahren wir auf den Chimborazo zu. Mit dem Hano ein mehrstündiges Vergnügen. Den gesamten Nachmittag über sehen wir eigentlich nur die Wolken, unter denen sich der Vulkan verbirgt. Als wir abends in der Casa Condor am Fuße des Chimborazo ankommen, einigen Zimmern, die von einer indigenen Gemeinschaft bewirtet werden, und die auch Camper aufnehmen, ist der Gipfel immer noch nicht zu sehen. Wir wollen gerade anfangen, das Abendessen zu bereiten, als kurz vor Sonnenuntergang die Wolken aufreißen und den Blick auf die Kraterregion freigeben. Schnell packen wir Kamera und Stativ aus und beziehen auf einer nahegelegenen Alpaka-Weide Stellung. Der Vollmond geht mit Sonnenuntergang auf und taucht den Chimborazo in ein mystisches Licht. Was für ein Naturschauspiel! Und was für ein Glück!

In der Nacht und auch am nächsten Morgen ist der Gipfel noch zu sehen, dann hüllt er sich wieder in Wolken – bis wir abreisen. Wir machen tagsüber eine Wanderung querfeldein auf einen nahegelegenen Hügel und steigen dabei von 3.800 m auf über 4.200 m auf. Wir sind ganz verwundert, dass unsere Höhenkondition nach den vielen Wochen unterhalb 1.500 m noch so gut ist, aber das Hochsteigen geht selbstverständlich nur mit Pausen, dafür ohne Herzrasen vonstatten. Das schöne Gipfelfoto bekommen wir tagsüber aber nicht, dafür erfreuen wir uns an dem üppigen Ichu-Gras, wundersamen Kakteen und sonstigen Pflanzen. Hier in Äquatornähe ist die Natur auf rund 4.000 m Höhe weit grüner und üppiger als beispielsweise am Titicaca-See.

Als wir am Spätnachmittag zurück kommen, wundern wir uns über den Reisebus und die vielen Autos, die wir schon von Weitem gesehen haben. Sie haben jedoch keine Touristen gebracht, sondern Indigenas aus der Umgebung. Heute findet ein Treffen aller indigenen Communidades statt, die auf der Westseite des Chimborazo ansässig sind. Diese Treffen finden zwei bis dreimal im Jahr statt – und heute in dem Haus, neben dem der Hano steht!

Wir sehen die Frauen mit ihren weiten Röcken, Wollstrümpfen und den bunten Tüchern um die Schultern oft draußen stehen. Die Männer sind größtenteils moderner gekleidet: Jeans, T-Shirt und Poncho. Eine spannende Stimmung, auch wenn wir das Geschehen nur von außen verfolgen. Sie wollen nicht fotografiert werden, und das respektieren wir. Ein Auto hat Probleme mit der Bremsleitung, und Torsten hilft mit Rat, Tat und Werkzeug aus. Am Morgen hatten wir noch die Alpakas von einer Weide mit auf die nächste getrieben. Ich frage die Frauen, aus was ihre bunten Tücher sind. Die ernüchternde Antwort: die meisten sind aus Synthetik. Die Schafswolle färben sie in den bekannten bunten Farben ein, Alpaka belassen sie meist in Naturfarben oder färben es in gedeckten Farben. Selbst tragen sie eher die (preiswerteren und) schnelltrocknenden Synthetiktücher. Die Wollsachen versuchen sie zu verkaufen, weil das viel Geld für die Communidades bringt. Nur an besonderen Festtagen tragen alle ihre originale Wollkleidung.

In der nächsten Nacht und am nächsten Tag hängt der Chimborazo voll in Wolken, wir hatten also am ersten Abend riesiges Glück!

Auf geht es zur Kraterlagune Quilotoa. Bei unserer Ankunft regnet es, am nächsten Morgen ist sie aber frei. Wir steigen vor dem Frühstück auf bis zu dem ersten Mirador und warten auf den Sonnenaufgang. Ein wunderschönes Schauspiel. Es ist ein klarer sonniger Tag, daher verzichten wir auf die Kraterumrundung und fahren weiter Richtung Cotopaxi. Mit knapp 5.900 m Höhe der zweithöchste Berg Ecuadors, und der höchste frei stehende aktive Vulkankegel der Erde. Allerdings liegt er 150 km Fahrstrecke entfernt, und die Sonne reicht bei ihm nur bis auf etwa 4.000 m Höhe. Wir fahren eine abenteuerliche Piste Richtung Refugium, auf 4.590 m finden wir unterhalb des Refugiums einen guten Parkplatz. Den Cotopaxi sehen wir an diesem Tag nicht. Und alle anderen, die sich mit ihrem Auto so weit hoch quälen, fotografieren – in Ermangelung der Sicht auf den Vulkangipfel – den Hanomag! Wir jedoch haben den Vorteil, dass wir abends nicht in unsere Unterkunft zurück fahren müssen. Wir beschließen einfach, hier zu übernachten. Unser höchster Übernachtungsplatz bisher!

Um Mitternacht wachen wir auf, die Blase spannt. Wir haben wegen der Höhe viel Wasser getrunken und eine leckere Suppe im Dampftopf gekocht. Und was sehen wir beim Blick aus dem Fenster? – Den Cotopaxi im aufgehenden Mondlicht! Was für ein Anblick! Das aufgehende Mondlicht hat eine viel stärkere Plastizität als das Mondlicht später um 05:00 Uhr, als der Mond im Zenith steht. Also angezogen (weil es schnell gehen soll, unsere Tageskleidung), Kamera und Stativ ausgepackt, und nichts wie raus zum Fotos machen! Zum ersten Mal seit wir in Südamerika sind, sehen wir auch den großen Wagen – und der steht Kopf! Das Refugio ist erleuchtet, ich habe gelesen, dass die Seilschaften um 01:00 aufsteigen, um einerseits die klaren Phasen in der Nacht zu nutzen und weil andererseits der Schnee nur bis kurz nach Sonnenaufgang genügend Festigkeit bietet, um ihn begehen zu können. Als wir die ersten Taschenlampen draußen sehen, wissen wir, das es gegen 01:00 Uhr sein muss. Wir sind also eine Stunde lang bei -6 Grad Celsius draußen gestanden und merken plötzlich, dass Hände und Füße nur noch Eisklötze sind. Also nichts wie rein in die Schlafsäcke. Da machen wir die schmerzliche Erfahrung, dass Schlafsäcke nur isolieren, und nicht wärmen. Der Schlafsack hindert also eher die Luft im Hanomag, auf den gefühlten Gefrierpunkt am Ende unserer Arme und Beine herunterzukühlen, als dass uns wohlig warm wird. Aber der eindrucksvolle Anblick war das Frieren allemal wert!

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und genießen nochmal den schönen Anblick, doch als wir gegen 08:00 Uhr losfahren, zieht sich schon wieder der Nebel zu. Die entgegenkommenden Fahrzeuge haben Pech gehabt…

Ersatzteilstory dritter und letzter Teil

Ersatzteilstory dritter und letzter Teil

Durch die Familie Cano in Lima haben wir viel warmherzige Hilfe erfahren dürfen. Herr Cano importiert und verkauft Elektronikteile für Autos, Einspritzsysteme. Alle seine beherzten Versuche, die Radnabe aus Deutschland durch den Zoll zu bekommen, scheiterten. Schlussendlich wurde klar, dass gebrauchte Ersatzteile nicht nach Peru eingeführt werden dürfen.

Vom ADAC, der den Transfer von Deutschland nach Peru übernommen hatte, haben wir bis heute keine dahingehende Nachricht erhalten. Seit 26.01.2018 befindet sich die Radnabe wieder bei der vom ADAC beauftragten Spedition FEDEX im Transit.

Was mit der Radnabe im Transit passiert, wissen wir nicht und haben wir keinen Einfluss darauf.

 

Um die weiteren Geschehnisse  vorwegzunehmen:

Die geschweißte Radnabe musste bis nach Hause halten, was sie auch tat. Wie gut war unsere Entscheidung, nach drei Wochen Wartezeit auf das Ersatzteil weiterzufahren, unsere Reise fortzusetzen. In der Hoffnung, dass die geschweißte Radnabe durchhält.

Die Ersatznabe hatte bis in den Mai 2018 noch den Status „im Transit“ in Lima.

Beim ADAC wurde durch dessen hauseigenes Qualitätsmanagement nach mehrmaligem Nachhaken unsererseits entschieden, unsere Unkosten (Ersatzteilbeschaffung, Versand und Entsorgung der im Transit in Lima befindlichen Nabe) zu übernehmen.

Zu Hause wurde unverzüglich die Radnabe durch ein Austauschteil ersetzt, dabei auch gleich das Radlager erneuert.

Warten auf die Radnabe – Minenstreik und Truthähne

Warten auf die Radnabe – Minenstreik und Truthähne

19.-22. Januar 2018

 

Um es vorweg zu nehmen – wir warten noch bis heute (Veröffentlichungsdatum).

Am Freitag, den 19. Januar fuhren wir mal wieder so richtig Einkaufen, Gemüse auf dem Markt, Getränke im Supermarkt. Dann erhielten wir die Nachricht, dass der Zoll noch 48….72 Stunden für die Prüfung benötigen wird. Also war klar, dass wir das Wochenende herumreisen können, da läuft ja ohnehin nichts. Wir beschlossen, auf der Carretera Central weiter in die Berge zu fahren, und guckten uns „der“ Fernreiseapp IOverlander einige Übernachtungsplätze auf moderaten Höhen aus. Wir denken immer, wir haben den schlimmsten Verkehr schon kennen gelernt – und lernen doch tagtäglich hinzu. Die Carretera Central windet sich östlich von Lima in die Berge. Gleichzeitig ist sie Hauptverbindungsstraße in die Berge und voller sehr großer LKWs. Die wenigsten LKW-Fahrer allerdings kennen die Maße ihres Fahrzeugs, d.h. Sie schneiden vorsichtshalber mal alle Kurven, und von denen gibt es viele. Es ist also der Normalfall und nicht die Ausnahme, dass dir in der Kurve ein sehr viel schwereres Gefährt auf deiner Spur entgegenkommt. Was für eine entspannte Fahrt ins Grüne…

Darüber hinaus müssen wir feststellen, dass die meisten Seitenstraßen, die in GoogleMaps zu finden sind, den Regengüssen der letzten Jahre zum Opfer gefallen sind, es sind jeweils nur kurze Straßenreste übrig. Alle ruhigen Übernachtungsplätze sind also dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Auf 3.000 m Höhe hatten wir uns einen Trucker-Übernachtungsplatz ausgeguckt. Der liegt allerdings direkt an der Straße, sodass wir weiterfahren, in der Hoffnung, es müsse doch „demnächst“ eine ruhige Schlafgelegenheit zu finden sein. Die erste Gelegenheit bietet sich auf 4.150 m Höhe, wir biegen dann in Richtung einer Mine ab. Es ist schon dunkel, und wir finden weit ab von der großen Straße einen Parkplatz. Daneben steht ein Wächterhäuschen, etwas weiter zwei Minenarbeiter bei einer Tonne, in der ein Feuer glimmt, noch etwas weiter 10 Polizisten. Ich steige aus und frage den Wächter, der verweist mich auf die beiden Männer neben der Tonne. Erst als ich sie frage, ob wir hier übernachten dürfen, kapiere ich, dass die Mine bestreikt wird, und ich mit dem Streikposten rede. Lachend erwidern sie, dass wir hier willkommen und absolut sicher seien – sie würden die ganze Nacht hier stehen. Wir sind völlig erschöpft und froh, hier bleiben zu können – ruhig und sicher! Wir füllen die 80 Liter Trinkwasser, die wir gekauft hatten, in  unseren Wassertank und bringen der Streikwache die leeren Kartons zum Verbrennen – sie freuen sich über das bisschen zusätzliche Wärme, denn hier oben ist die Temperatur schon unter den Gefrierpunkt gesunken.

Am nächsten Morgen haben wir natürlich beide einen Brummschädel- Höhenkrankheit vom zu schnellen Aufstieg. Noch vor dem Frühstück fahren wir auf unter 3.000 m hinab, und als auch nach dem Frühstück der Kopf noch drückt, fahren wir wieder tiefer und finden  ganz in der Nähe von Lima eine Seitental mit einem Campingplatz. Der größte Teil des Platzes wurde im März 2017 von einer Flutwelle weggerissen. Aber da außer uns nur noch Jose mit seiner Suzuki und seinem Zelt da ist, reicht der übrig gebliebene Platz locker für uns alle.

Jose wohnt in Lima, ist aber während der Papst dort ist, aus der völlig irren Stadt hierher in die Ruhe geflohen. Glücklicherweise spricht er Englisch, und wir verbringen zwei super angenehme Tage. Wir lernen viel über Messerschliffe, Torsten verpasst gleich seinem Taschenmesser (mit dem Schleifstein) und unserem kleinen Beil (mit Generator und Flex) einen neuen Schliff. Wir unterhalten uns auch viel über die Peruaner – viele unserer Beobachtungen bestätigen sich, und er liefert uns viele Hintergrundinformationen, auch über die politischen Verflechtungen in Peru. Eine unserer tollsten und lehrreichsten Begegnungen auf dieser Reise!

Ganz so ruhig wie erwartet ist der Platz dann doch nicht: die Regierung hat ein dreiviertel Jahr lang nichts gegen die verheerende Verwüstung der Flut im letzten Jahr getan. Da jetzt aber erwartet wird, dass die starken Regengüsse in diesem Jahr schon im Januar und nicht erst im März einsetzen, „arbeiten“ die Bagger nun jeden Wochentag. Unter arbeiten versteht man hier, dass einige Männer  einen teuren Leica-Theodolit durch die Gegend tragen, ab und zu eine Peilung nehmen und KEINE Notizen machen. Zwei Bagger graben an einer ganz anderen Stelle eine schmale Rinne. Wir wundern uns, denn in der Rheinebene haben die Menschen über Jahrhunderte schmerzlich gelernt, dass das Flussbett breit sein muss, mit Buhnen, um das Wasser zu verlangsamen. Die meisten Arbeiter stehen herum, sie meditieren wohl über eine Problemlösung…

Das ältere Ehepaar, das den Campingplatz betreibt und mit Hilfe ihrer Söhne wieder aufbaut, hält sich noch einige Tiere, die uns regelmäßig einen Besuch abstatten: Vier Truthähne mit ihren Hennen und Jungen gockeln den ganzen Tag über den Platz. Insbesondere wenn wir ihr Gurren imitieren, schlagen Sie ihr Rad und geben alles Imponiergehabe von sich, das sie beherrschen. Eines der Schafe pirscht sich beim Frühstück an und versucht, meine Banane vom Teller zu klauen.

Wir bleiben einfach am Platz, um die Tiere abwehren zu können, und die spannenden Unterhaltungen mit Jose lassen uns auch den Baggerlärm vergessen.

Als wir am Montag früh abreisen, ist der Fluss schon wieder von einem kleinen Rinnsal zu einem breiten braunen Fluss angeschwollen – und er sucht sich natürlich sein eigenes Bett.

Und das Warten auf die Radnabe wird an anderer Stelle im nächsten Blogeintrag weiter gehen.

Warten auf die Radnabe – auf dem Aussteiger-Bauernhof

Warten auf die Radnabe – auf dem Aussteiger-Bauernhof

8.1.2018-19.1.2018

 

Am 8.1. erst erhält der ADAC die Radnabe und kann sie nach Lima versenden. Sie fliegt von München über Köln, Memphis, Bogota nach Lima. Dort kommt sie am 11.1. an und hängt seitdem zur Freigabe im Zoll. Es ist schon ein sehr kompliziertes Teil, das man offensichtlich aufs Sorgfältigste prüfen muss…

Wir suchen uns einen Platz, der einerseits Internetzugang bietet, andererseits aber weit genug von der lauten und kriminellen Hauptstadt entfernt ist, sodass man ruhig und sicher stehen kann. Allzu weit wollen wir ohne das Ersatzteil nicht fahren, obwohl wir den Schweißkünsten des Mechanikers voll vertrauen. Vermutlich kommen wir mit der geschweißten Nabe bis zum Mond – aber wie ermüdet ist die andere Nabe?

Irgendwo lesen wir von einem Campingplatz, der 60 km vom Zentrum entfernt am Rio Rimac gelegen ist. Das klingt super. Leider ist der Platz verschlossen, es ist schon abends. Auf dem kleinen Hof nebenan sind Leute, ich frage nach dem Campingplatz. Wir dürfen über Nacht auf ihrem Hof stehen, am nächsten Morgen besorgt uns die Familie den Schlüssel zum Campingplatz. Und zur Begrüßung bekommen wir abends gleich einen Teller Kürbissuppe! 2 Meter vor dem Hano steht ein Kalb, das an diesem Morgen erst zur Welt kam. Mir kommt ein Gedanke, den Torsten absurd findet: Ich musste fast 46 Jahre alt werden, bis ich erfuhr, was ein Hano ist. Dieses Kalb lernt den Hano schon am ersten Tag seines Lebens kennen. Aber vermutlich ist das dem Kalb wirklich egal, es wird wohl niemals in einem Hano durch Europa touren…

Die Familie hat vor 5 Monaten ihre Bäckerei in Lima verkauft, das Melken gelernt, 5 Kühe gekauft und ist hierher aufs Land gezogen. Hier auf 1.500 Höhenmetern ist das Klima sehr viel besser als in der Hauptstadt. Haus und Hof befinden sich noch im Aufbau. Für uns bedeutet das mal wieder zweimal täglich melkfrische Milch. Wie lecker!

Wir lassen es uns hier eine Woche lang gut gehen. Kurze Spaziergänge, gut kochen, ausruhen. Am Fluss steht ein Bagger, der drei Tage lang repariert wird. Wir freuen uns ein wenig, dass die Reparatur so lange dauert, weil wir nach Fertigstellung emsigen Baggerlärm erwarten. Doch dem ist nicht so. Der Bagger soll zwar das Flussbett befestigen, damit es in der Regenzeit nicht zu Überschwemmungen kommt, aber er baggert erstens weit weg von unserem Stellplatz, und zweitens nicht allzuviele Stunden (Minuten) am Tag. Nach zwei Tagen ist er auch schon wieder kaputt… Es sind vier Mechaniker zugange, die versuchen, die defekte Einspritzpumpe auszubauen. 

Auf der flussabgewandten Seite befindet sich ein Rangierbahnhof. Von den Minen in den Bergen werden Erze gebracht, die von Lima aus verschifft werden. Die Züge fahren mit Dieselloks aus Nordamerika und England, aus den 50er und 60er Jahren. Einmal kommt ein Zug mit zwei Loks vorne und 49 (!) Waggons den Berg hinunter gekrochen. Die vordere Lok wird abgekoppelt und auf einem Drehkreuz von Hand gedreht (je drei bis vier Bahnarbeiter drehen die 120 Tonnen schweren Loks!). Dann wird der Zug geteilt und fährt weiter in die Hauptstadt. Vom Zuschauen erschöpft, öffnen wir eine Flasche peruanischen Wein und kochen ein wunderbares Gemüse. Wir statten der Bahn täglich einen Besuch ab, es gibt immer etwas Spannendes zu beobachten.

Nachmittags kommen die Kühe auf den Campingplatz zum Weiden. Eigentlich romantisch, aber da wir unser Vorzelt aufgespannt haben, öfters mal Wäsche waschen, und froh sind, wenn die Fliegen bei den Kühen bleiben, halten wir sie auf Distanz. In den ersten Tagen kein leichtes Unterfangen, da insbesondere unser Vorzelt sowohl bei Sonne als auch bei Regen der attraktivste Platz auf dem ganzen Terrain zu sein scheint. Ab dem vierten Tag jedoch kennen die Kühe das Ritual, und wir müssen nur ein paar Schritte auf sie zugehen und in die Hände klatschen und schon trollen sie sich an das andere Ende des Platzes.

Nach einer Woche wird das Warten wirklich öd, zumal unsere Vorräte zur Neige gehen und ich mit drei Zwiebeln und 7 Kartoffeln sowie 4 Tomaten und einer hutzeligen Paprika beide Läden im Ort leergekauft habe.

Dann plötzlich tut sich etwas auf der Sendungsverfolgung: der Status steht nach wie vor auf „Freigabeverzögerung beim Zoll“, jedoch ändert sich der Kommentar von „muss noch vom Zoll geprüft werden“ auf „wird vom Zoll geprüft“, und Tags darauf auf „der Empfänger muss den Warenwert bestätigen“. Endlich können wir im Prozess etwas tun, wir schicken die Rechnung elektronisch an unseren Importeur, der sie umgehend an FedEx weiterleitet – und dann passiert wieder nichts… Dennoch beschließen wir, morgen ein Stück Richtung Lima zurück zu fahren. Dort kennen wir mittlerweile einen gut sortierten Markt, auf dem wir wieder Vorräte auffüllen können, und eine Tankstelle mit WLAN, wo wir diesen Blogeintrag hochladen und Mails abrufen wollen, ob die Radnabe endlich zur Abholung bereit ist.

 

Chasquitambo – Relaisstation für die Inka-Staffettenläufer und den Hano

Chasquitambo – Relaisstation für die Inka-Staffettenläufer und den Hano

Chasquitambo – Relaisstation für die Inka-Staffettenläufer und den Hano

oder Silvester auf drei Beinen

30.12.2017-…

 

Chasquitambo war zur Inkazeit eine Station der Staffettenläufer, mit deren Hilfe Nachrichten binnen weniger Tage im gesamten Reich verbreitet werden konnten. Heute ist es ein kleiner Ort ohne Sehenswürdigkeiten, dessen Obststände und Restaurants am Straßenrand zu einer kurzen Rast auf dem Weg von der Küste in die Cordillera Blanca einladen. Ein netter Ort mit sehr freundlichen Einwohnern, aber dennoch hätten wir ihn nicht für einen Zwischenstopp ausgesucht. Chasquitambo hat uns ausgesucht.

Nach der Temposchwelle am Ortseingang, die Torsten ganz sanft genommen hatte, hatte der Hano im Straßengang plötzlich keine Traktion mehr. Mit Allrad konnte Torsten ihn vorsichtig etwa 10 m zurücksetzen, auf ein kleines Stück Brachland zwischen zwei Häusern. Ich gehe zum Obststand gegenüber, kaufe ein paar superleckere Bananen, und erkläre den Verkäufern, dass wir ein Problem haben, und wohl ein Paar Stunden hier stehen müssen. Auch den Besitzer des Hauses nebenan erkläre ich die Situation. Er hat einen Laden für Tierfutter, bei ihm kaufe ich also nichts. Alle sind sehr nett und sagen uns, dass wir problemlos hier stehen könnten.

Erster Verdacht: Das Kegelrad des Hinterachsdifferenzials. Das macht öfters mal den Müdmeier, also haben wir es als Ersatzteil dabei. Als Torsten es ist einiger Mühe freiprepariert hat, strahlt es uns unversehrt entgegen. Zweiter Verdacht: die Steckachse. Auch sie haben wir als Ersatzteil dabei, aber auch sie ist unversehrt. Als Torsten sie wieder festschrauben will, bemerkt er, dass die Radnabe durchdreht. Die Radnabe ist gebrochen! Das kam nach Aussagen von Hano-Spezialisten noch nie vor, und wir haben keine Radnabe dabei. Wir hatten auf der Fahrt schon viele kleinere und größere Reparaturen, und selbst als der Motor sich zweimal aus seiner Halterung gelöst hat, war der Schaden in 30 min bzw. 3 Stunden behoben gewesen. Und nun das. Der Hano liegt definitiv still!

Ich straffe etwas: Am Tag darauf (31.12.) schafft Torsten es, die Radnabe auszubauen, und kontaktiert mit dem letzten Guthaben unserer deutschen Handykarte einen Hano-Spezialisten, der uns eine Nabe als Ersatzteilbereitstellen kann. Am 1.1. ist leider Feiertag und somit Stillstand. Zu allem Übel funktioniert unsere peruanische SIM-Karte hier nicht, wir haben die falsche Marke, und die funktionierende debitel-Karte will uns die Verkäuferin nicht verkaufen, weil sie zur Anmeldung eine peruanische Steuernummer bräuchte. Glücklicherweise richtet uns eine nette Polizistin auf dem Revier WLAN ein, unglücklicherweise ist es ihr privates WLAN und sie hat ab dem 2.1. keinen Dienst mehr. Am 2.1. kontaktieren wir den ADAC (kurz bevor die nette Dame ihren Dienst beendet), er kann uns die Nabe nach Lima schicken. Allerdings müssen wir vor Ort eine Werkstatt auftreiben, die das Teil für uns importiert, denn Ausländer dürfen das in Peru nicht. Wie macht man das von einem kleinen Ort im Nirgendwo aus, ohne Internet? Freundlicherweise organisiert uns ein netter Polizist dann eine Werkstatt im nächstgelegenen größeren Ort, in der wir die Nabe schweißen lassen können. Dann wäre der Hano wieder flott, und wir könnten nach Lima fahren, um alles Weitere zu regeln. Wir steigen also in ein Collectivo, einen kleinen Sammeltransporter, und fahren für umgerechnet 1,50 Euro die 70 km nach Barranca. In der Stadt nehmen wir dann ein Tucktuck, eines dieser kleinen dreirädrigen Taxis bis zur Werkstatt. Nach längerem Meditieren über der Nabe, werden die beiden Teilstücke mit dem Schweißgerät geheftet. Dann wird wie beim Zahnarzt das nicht tragende „Gewebe“ entfernt. Statt Bohrer erledigt das eine große Drehbank aus den 50ern. Dann wird mit einer beträchtlichen Anzahl an 4mm-Schweißelektroden das abgedrehte Material durch eine Auftragsschweißnaht in mehreren Lagen ersetzt. Alle Überstände werden mehr oder weniger Maßgenau wieder mit der Drehbank entfernt. Dann kommt noch eine zweite Schweißnaht von der anderen Seite hinzu, abdrehen, fertig. Zwei Stunden konzentrierte Arbeit spielt uns das heiße Nabenteil wieder in die Hände. Um 20:00 Uhr sind wir wieder beim Hano zurück und froh, dass wir nun mit Option 2 weitergekommen sind. Außerdem sind wir jetzt auch mal mit den „Öffentlichen“ in Peru gefahren das wäre sonst ja eine Bildungslücke gewesen.

Am 3.1. montiert Torsten die Nabe, es soll den ganzen Tag dauern. Eine ziemliche Nerverei, da doch mit der Schlüsselfeile nachgearbeitet werden muss, bis die Bremstrommel wieder passt.

Nun steht der Hano wieder auf vier Pfoten.

Aber wie lange hält die Reparatur?

Mit einem Ersatzteil fühlen wir uns doch etwas wohler. Also ab nach Lima, abends los, vor Mitternacht übernachten wir an einer gut bewachten Mautstation. Am nächsten Morgen kommt der Berufsverkehr quer durch Lima auf uns zu, bis wir endlich nach endlosem Stop-and-Go vor einem kleinen Geschäft landen. Diese Adresse hatte uns der Polizeitechniker in Chasquitambo vermittelt – ein Cousin. Wir werden abgeholt und weiter geht es zum richtigen Geschäft. Dort nimmt man uns supernett in Empfang. Wir können nun mit ADAC und Ersatzteillieferant telefonieren, die Verschickung in die Wege leiten.

Aber wo übernachtet man im Großraum Lima. Da ist guter Rat teuer.

Wir fahren in Richtung Berge, finden dort für die nächsten vier Tage eine sichere Unterkunft in einem privaten Schwimmbad. Leider keine Internetmöglichkeit, auch nicht über das Mobilfunknetz.

Am 8.1.2018 wird endlich das Ersatzteil vom ADAC versandt. Lieferdatum 15.1.!!!

Was nun? Noch eine Woche ins Schwimmbad? Wir werden sehen.