Frieren in der Halbwüste – Karoo National Park – 16.-19.10.2021

Frieren in der Halbwüste – Karoo National Park – 16.-19.10.2021

Wir hatten eigentlich keine Vorstellung von diesem Park und hatten plattes Land mit wenigen Sträuchern vermutet. Daher sind wir überaus überrascht, wie abwechslungsreich der Karoo Park auch in der Trockenzeit ist, wenn noch keine Wildblumen blühen. Es liegen einige Berge im Park, also ist die Landschaft sehr abwechslungsreich. Die Ebenen sind wenig bewachsen und viel weitläufiger als im Addo Park, daher sind die Tiere, die man sieht, zwar weiter weg, aber man hat ein natürliches Gefühl dabei. Kein dichtes Strauchwerk zwingt die Tiere in die Nähe der Autos (aussteigen darf man allgemein nicht in den Nationalparks mit wilden Tieren), daher halten sie genau den Abstand zur Straße, den sie wollen. Die Berge sind wunderbar beschaulich – warme Farben im frühen Morgenlicht, rote Bergpanoramen im Abendlicht – einfach eine tolle Landschaft!

Morgens beim Aufstehen um 5:00 Uhr ist es 6°C kühl und windig. Als wir frühmorgens die ersten Aussichtspunkte erreichen, bei denen wir aussteigen dürfen, bibbern wir erbärmlich. Die kleinen Klippspringer hingegen sind trotz kurzem Fell gar nicht verfroren und auch nicht scheu. Sie kommen nah zum Hano und inspizieren ihn. Sie können akrobatisch über die Klippen springen und treten dabei mit den Vorderspitzen der Hufe auf. Erfahrene Spurensucher können das aus der Spur lesen – ich habe es in einem Buch gelesen. Dasselbe Buch verrät auch, dass Jäger im Tierreich die behenden Klettertechniken der Klippspringer wohl kennen. Daher reicht es aus, dass sie einen hohen Warnruf ausstoßen, sobald sie einen potenziellen Fressfeind entdecken. Damit weiß er, dass er enttarnt ist, und gibt auf. Hano bestaunen sie neugierig ohne Warnruf – er sieht nun wirklich nicht wie ein Löwe aus und riecht auch nicht so…

Weiter unten in der Ebene dann viele Steinböcke und Springböcke, die wirklich außergewöhnliche Sprünge vollführen: Mit allen Vieren gleichzeitig springen sie hoch und landen auch wieder auf allen Vieren. Einzigartig in der Tierwelt.

Als wir auf einer etwas abgelegenen Piste entlang fahren, überraschen wir doch einige Tiere nahe der Straße: Zebras, Strauße und Kudus bummeln in der Nachmittagssonne in der Nähe eines Wasserlochs, und treten gemeinsam die Flucht an. Die Zebras galoppieren fast bis aus Sichtweite (ob aus Furcht vor Hanos Rumpeln oder eher als Training, sei dahingestellt). Der schnellste Strauß rennt lediglich 50 m weit weg, dann hält er in seiner Flucht inne, hebt verführerisch die Flügel und beginnt, sich um die eigene Achse zu drehen. Dieses Schauspiel vollführt er mehrere Minuten lang, ein Straußenweibchen bleibt ebenfalls stehen und sieht seinem Balztanz ganz verliebt zu. Das Selbstbewußtsein des Straußenpaares, das nach wenigen Schritten schon wieder an Liebe anstatt Flucht denkt, lässt auch die Kudus innehalten. Sie schauen verwundert zum Strauß und den immer noch fliehenden Zebras und widmen sich dann wieder dem strohigen Gras und den kurzen trockenen Blättern, welche die Landschaft bietet. Wo die Speisekammer so karg ist, reicht es nicht, dreimal am Tag zu essen, sondern man bringt eher 14 Stunden damit zu, den Magen zu füllen. Da flieht man nur, wenn es wirklich nötig ist, und doch nicht vor einem Hano!

Mittags wird es übrigens etwas über 20°C warm – im Windschatten ist das ganz angenehm, aber auf den zugigen Aussichtspunkten fröstelt man auch tagsüber. Und wir hatten schon Angst gehabt, dass es uns bereits hier zu heiß werden könnte. Der Frühling hält sich halt nicht immer an die Klimatabellen aus dem Internet…


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