Karibik

Karibik

27.2.-5.3.2018

Wir eilen in zweieinhalb Fahrtagen von dem Kaffeeanbaugebiet bei Salento nach Norden. Bergauf, bergab keucht der Hano ins Tal des Rio Magdalena, dann sind wir in der Ebene angekommen und der Hano galoppiert wie eine Gazelle nach Norden in Richtung Karibik-Küste. Während wir im Süden des Landes noch viele kleine Häuschen und Höfe mit kleinen, aber feinen abwechslungsreichen Plantagen gesehen haben, bekommen wir entlang der Ruta 45 nördlich von La Dorada einen ziemlichen Schock: Wie wir schon vermutet hatten, ist der ursprüngliche Tropenwald seit Jahrzehnten abgeholzt, stattdessen reiht sich etwa 1000 km lang Großplantage an Großplantage – selbstredend afrikanische Ölpalmen, keine einheimischen. Im Norden dann zur Abwechslung auch mal Bananen, die Fruchtstände sorgfältig unter Plastikfolie geschützt. Und der Müll in der Landschaft nimmt zu, um an der touristisch überlaufenen Karibik-Küste sein Maximum zu erreichen.

An der Küste erreichen wir Santa Marta, eine der ältesten Städte Kolumbiens, mit einigen angrenzenden Nationalparks. Zunächst fahren wir in das kleine Bergdorf Minca, von wo aus man gut wandern und den Nationalpark Sierra Nevada besuchen kann, der sehr schön sein soll. Für Backpacker wohl genial, es gibt viele nette kleine Fincas zum Übernachten. Der Ort ist aber nicht auf Camper eingestellt. Die Zufahrten zu den Fincas haben niedrige Tore, sodass als einzige Übernachtungsmöglichkeit drei kleine Parkplätze direkt an der Straße bleiben. Nicht dass die Straße stark befahren wäre – aber es flanieren Heerscharen von Spaziergängern auf dieser kleinen Straße, und wir sind es so langsam leid, dass jeder unseren Hano bewundert und das Gespräch mit uns sucht. Also lassen wir die Berge Berge sein und fahren wieder Richtung Strand nach Taganga. Laut Beschreibung im Internet ein romantischer kleiner Fischerort mit dem Charme eines verschlafenen Seeräubernests, klingt ja spannend. Die Realität ist dann etwas ernüchternd – in Strandnähe wird man unentwegt angequatscht, ob man nicht hier oder dort essen oder einen Café trinken will, ob man nicht eine Bootsausfahrt zu den einsamen Stränden im angrenzenden Tayrona-Nationalpark machen will, usw. Wir hätten lieber dem Rauschen des Meeres und des Windes zugehört, aber als Gringo ist man hier Freiwild für die Marktschreier… Immerhin finden wir eine sehr ansprechende Tauchbasis und wollen ein paar Tauchgänge machen. Doch wir haben Pech, die See ist gerade aufgewühlt mit geringen Sichtweiten. Wir freuen uns über die Ehrlichkeit des Basisbesitzers und beschließen, für ein paar Tage weiter nach Osten zu fahren, und dann nach Abflauen der starken Winde zum Tauchen zurück zu kommen. Am anderen Ende des Tayrona Nationalparks finden wir dann auf einem Campingplatz mit dem klangvollen Namen „Los Angeles“ die ersehnte Ruhe und Naturnähe und verbringen drei entspannte Tage. Den Stellplatz des Hano mit Meeresblick suchen wir sorgfältig zwischen den Kokospalmen aus – es ist gar nicht so einfach, einen Platz zu finden, an dem man ausreichend kühlenden Baumschatten hat, aber nicht durch herabfallende Kokosnüsse gefährdet ist. Mehrmals täglich lösen sich Früchte und stürzen unter respekteinflößendem Gepolter auf den Boden. Nicht auszudenken, was passiert, wenn einem solch eine beschleunigte Nuss auf den Kopf fällt! Was für viele der Inbegriff der Romantik ist, wird hier zur handfesten Bedrohung!

Ein paar schräge Gesellen gibt es auf diesem Platz auch, aber so wenige, dass sie eher eine willkommene Abwechslung sind. Am ersten Nachmittag kommt ein Kolumbianer und referiert über Gott, den Teufel und den Tod. Natürlich auf Spanisch, daher habe ich von seiner Ansprache kaum mehr als diese drei Schlagworte verstanden. Dann klettert er mit nackten Füßen auf eine Kokospalme, hackt eine trinkreife Frucht los, wieselt wieder hinab und überreicht sie uns. Wir sind verdutzt, und noch ehe ich ein paar Pesos aus meiner Tasche kramen kann, ist er schon verschwunden. Er wollte uns offensichtlich wirklich nur selbstlos missionieren und beschenken. Netter Kerl, und schade, dass unser Spanisch nicht ausreichte, um seine Botschaften zu verstehen! Torsten freut sich über die neuerliche Aufgabe für unsere Machete. Schon auf der 2 km langen Zufahrt zu diesem Campingplatz hat sie den Weg für den Hano frei gehauen. Mit ein paar gekonnten Schlägen öffnet Torsten die Nuss und wir trinken den leckeren Saft. Die nächste kuriose Gestalt: An allen drei Morgen kommt ein Frühstücks-Verkäufer über den Platz. Jedesmal kommt er erst dann, wenn sich unser Frühstück schon zu Ende neigt, die Teller und Tassen aber noch halb gefüllt sind. Er bietet uns etwas zu Essen und heiße Getränke an und zeigt sich ganz verdutzt, dass wir ablehnen. Bewundernswerte Beharrlichkeit!

Wir genießen das warme Wetter, den Wind und die Strandspaziergänge. Aber wie schon in vorangegangenen Tauchurlauben merken wir, dass die Karibik über Wasser nicht unsere Welt ist. Schön, beschaulich, aber nicht wirklich mitreißend. Nach drei Tagen sind wir mehr als „satt“. Zudem ist der Norden Kolumbiens vollkommen vom US-amerikanischen Tourismus überformt. Daher sind wir auch nicht allzu böse, als wir erfahren, dass unser Schiff gestrichen wurde, und wir nun die Möglichkeit haben, eine Woche früher oder vier Wochen später nach Hause zu fahren. Wir entscheiden uns für eine Woche früher – zwar bleibt uns dadurch leider keine Zeit mehr, um Tauchen zu gehen, aber irgendwie wissen wir nicht, was wir hier noch vier Wochen lang machen sollten. Schade, dass der Altiplano so weit weg ist – in den hochgelegenen Wüsten zwischen Bolivien und Nordargentinien wären wir sofort noch mal vier Wochen auf Tour gegangen!

 


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