Weltfrauentag in Sambia 08.03.2022

Weltfrauentag in Sambia 08.03.2022

Als wir von Tansania wieder nach Sambia einreisen, wollen wir nach dem quirligen Tansania wieder zur sambischen Ruhe zurückfinden und beschließen, drei Nächte auf einem ruhigen Farmcampingplatz Station zu machen. Der Platz ist ruhig, von ursprünglichen Wäldern umgeben, und man kann gut wandern und Kraft schöpfen. Da nach drei Tagen jedoch das Wochenende naht, und auf dem nächsten Campingplatz, den wir anpeilen, am Wochenende der Bär los sein soll, verlängern wir nochmal um zwei Tage.

Am vorletzten Abend kommt noch ein sehr nettes südafrikanisches Paar auf den Platz, das uns vor einem Phänomen warnt, das wir bei unserem ersten Aufenthalt noch nicht beobachtet hatten: Frauen machen offensichtlich Straßenblockaden mit zusammengeknoteten Tüchern, um die Reisenden zum Anhalten und einer Spende zu bewegen.

Wie gut, dass wir vorgewarnt sind, denn dann kann man sich gleich ein Repertoire an möglichen Reaktionen zurecht legen, die man dann bedarfsgemäß aus der Tasche ziehen kann. Andererseits sind wir nicht ganz sicher, ob uns die Blockaden auch treffen würden, denn die Südafrikaner reisen in einem Auto mit Dachzelt, das keine zwei Meter hoch ist, und Kathrina kommt mit ihren drei Metern doch schon viel imposanter daher. Wir werden ja sehen!

Froh gelaunt fahren wir am folgenden Dienstag los – da werden die Straßen und der Campingplatz ja leer sein! Ich achte wie immer auf Reisen nur auf den Wochentag, nicht aufs Datum…

Tatsächlich kommt uns nach etwa 50 Kilometern Fahrt eine Frauengruppe auf der Straße entgegen. Alle in einheitliche Tücher gekleidet, einige zusätzliche Tücher schwenken sie noch auf der Straße. Als Kathrina naht, machen sie den Weg frei, lachen, winken, singen.

Nun werden die Frauengruppen dichter. Alle paar Kilometer sehen wir eine Gruppe. Die Methodistinnen. Die Vertreterinnen der Catholic Women Organisation, der Anglikanischen Kirche, der freien sambischen Kirche, usw. Einige Tücher können wir nicht entziffern. Die meisten Gruppierungen sind offensichtlich kirchlich. Eine Gruppe bleibt auch tatsächlich sehr lange quer über die Straße formiert, winkt und ruft von Weitem. Als Kathrina langsam, aber konstant auf sie zufährt, geben sie den Weg frei. Sie winken und lachen, und wirken nicht erbost, dass wir ihnen nichts spenden. Diese Gruppen scheinen also eine ganz andere Motivation zu haben, als diejenigen, von denen unsere Reisebekannten berichtet hatten.

Als ich in der nächsten Stadt beim Einkaufen zu Fuß auf eine solche Gruppe (der Pfingstkirche) treffe, frage ich sie, ob heute ein sambischer Feiertag sei. Sie sehen mich an, als käme ich von einem anderen Planeten – heute ist kein sambischer Feiertag, sondern Weltfrauentag! Ein Blick auf die Armbanduhr enthüllt, dass nicht nur Dienstag, sondern auch der 8. März ist. Wie hochnotpeinlich für mich. Aber die Sambierinnen amüsieren sich köstlich über meinen knallroten Kopf.

Als wir dann zum Campingplatz an den Chishimba Falls kommen, empfängt uns der Parkwächter freundlich, gibt aber zu bedenken, dass der Platz heute sehr voll ist. Kurz nach Sonnenuntergang wird er sich aber leeren. Soweit zu unserer Planung, einen ruhigen Tag unter der Woche zu erwischen. Von der Zufahrt bis in den hintersten Winkel des Platzes ist jeder Quadratmeter mit Grills, Kühltaschen, feiernden und lachenden Menschen, und sehr viel Müll bedeckt. Wir ergeben uns in unsere Missplanung und wandern durch die Menschenmassen zu den drei Wasserfällen. Beim dritten Wasserfall werden wir dann eingemeindet. Was gibt es für sambische Frauen Schickeres, als am Weltfrauentag ein Selfie mit einer weißhaarigen weißen Frau zu schießen? Und die Sambier sind so tiefschwarz, dass ich auch nach fünfmonatiger Afrika-Bräune wie ein Eisbär zwischen ihnen herausleuchte. Auch Torsten wird eingemeindet, die sambischen Frauen sind in Gender-Fragen sehr liberal. Wir sind ja weder auf Facebook noch Twitter noch sonstigen „sozialen“ Netzwerken aktiv – aber an diesem Dienstag wurden wir in Sambia sicher sehr oft gepostet…

Zurück am Campingplatz beginnen wir bei mittlerweile tiefstehender Sonne zu kochen, es kommen noch einige Gruppen, die sich mit Kathrina und uns fotografieren, dann leert sich der Platz. Die Platzwächter beginnen emsig in unserer Umgebung den Müll wegzuräumen, kommen vorbei und entschuldigen sich für die Störung. Wir lachen nur beschwichtigend – wir hätten dieses Bad in der Menschenmasse zwar nicht angepeilt, aber solange es uns nicht jeden Dienstag erwischt, ist das doch eine willkommene Abwechslung zu unserer sonst sehr ruhigen naturbezogenen Reise. Am nächsten Morgen haben wir die Wasserfälle für uns alleine, haben alle Ruhe und Muße, um sie zu genießen und zu fotografieren. Wir kochen mittags nochmal, genießen auch den frühen Nachmittag am Kanal mit Wasserplätschern und Vogelgesang – und als wir spätnachmittags weiterfahren, haben wir den Krach und Müll vom Vorabend völlig vergessen, zurück bleibt eine schöne Erinnerung an nette ausgelassene Menschen.


Comments are closed.