Kategorie: Blog

Kathrina flirtet mit H.E.S.S. 26.11.2021

Kathrina flirtet mit H.E.S.S. 26.11.2021

Nördlich von Sossusvlei fahren wir weiter am Rande der Namib entlang. Einen wunderbaren Blick auf den Namibrand bekommt in den östlichen Bergen von dem Spreegtshoogte-Pass aus: dem zweitsteilsten Pass Namibias mit 25% Steigung. Auf fünf Kilometer Fahrstrecke muss ein Höhenunterschied von 500m erklommen werden. Kathrina klettert langsam im zweiten Gang der Allraduntersetzung hinauf, und legt einige Pausen ein, damit das 95°C heiße Kühlwasser auf die Normaltemperatur von 80°C abkühlen und die heiß gelaufenen Getriebe eine Verschnaufpause bekommen. Dann sind wir oben, sehen beim Abendessen die Sonne über der Namib untergehen und verbringen mal wieder eine einsame sternklare Nacht. Am nächsten Tag eröffnet sich im ersten Morgenlicht dann wieder der grandiose Weitblick auf spannende Bergformationen mit der Namib im Hintergrund, die morgens ganz weiß erscheint – vermutlich sind das die Morgennebel über den Dünen.

Der Pass ist 1.700 m hoch, und danach bleibt die Piste auf einer Hochebene von ca. 1.800 m. „HESS Telescope“ steht in der Karte, nicht ganz auf unserer Strecke, aber auch nicht zu weit entfernt. Einen tollen Sternenhimmel sehen wir ja allnächtlich, aber was wird die Max-Planck-Gesellschaft hier wohl beobachten?

[https://www.mpi-hd.mpg.de/hfm/HESS/pages/about/]

Wir fahren kurzentschlossen hin, zur ungünstigsten Zeit für spontane Besichtigungen (Freitag nachmittags) und kommen zunächst zur Anlage. Wir sind tief beeindruckt. Kathrina hat noch nie so viele Spiegeel auf einmal gesehen – allein über 900 im größten der fünf Teleskope. Sie ist ein wenig ärgerlich, als wir weiter zum Büro fahren um zu fragen, ob wir uns die Anlage näher ansehen dürfen. Wir Menschen vertun unsere Zeit eben immer mit so komischen Dingen wie Reden über unwichtige Formalitäten, während sie sich erstmalig in ihrem Leben nicht nur in einem, sondern in hunderten von Spiegeln betrachtet hat, und gerade begann, sich hübsch zu finden, vielleicht ein wenig zu staubig, und einige Parallelen zwischen der gewaltigen Anlage und sich selbst entdeckte: Viel Stahl, viele Schrauben, viele Schweißnähte, die Furcht vor Rost…

Zum Glück ist der Abstecher zum Büro nur von kurzer Dauer, der Projektingenieur vor Ort erlaubt uns, die Anlage anzusehen, sodass wir wieder zurück zu HESS fahren. Kathrina kann sich nun ausgiebig mit dem Teleskop austauschen. Sie erzählt HESS von staubigen Pisten und wohltuenden Schatten spendenden Bäumen hier auf der Erde. HESS hingegen berichtet, dass er zwar tagsüber auf die Erde blicken muss (und zwar immer den gleichen Flecken Erde, ohne Schatten), nachts aber in den Himmel gerichtet wird, wo er die letzten Lichtquäntchen von kosmischen Nebeln und anderen Phänomenen im Universum erspäht. Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt freuen sich allmorgendlich über seine Messdaten und beginnen begierig, sie auszuwerten, um neue Erkenntnisse über das Werden und Vergehen im Weltall zu sammeln, von dunkler Materie, schwarzen Löchern und ähnlichen erstaunlichen Dingen. Kathrina hört gebannt zu und blinzelt immer wieder in die vielen Spiegel.

Während die beiden sich auf „stahlisch“ unterhalten, bekommen Torsten und ich im Büro eine exklusive ausführliche Einführung in die Anlage und die laufenden Experimente. Wir sind begeistert von der herzlichen Gastfreundschaft, dem Experiment an sich, und der beeindruckenden technischen Ausführung. Was für ein Arbeitsplatz! (Natürlich vor Ort an der Anlage, und nicht in einem der weltweit verstreuten Büros für die Messdatenauswertung…)

Tiras-Berge: Zaunlos glücklich 16.-19.11.2021

Tiras-Berge: Zaunlos glücklich 16.-19.11.2021

Namibia ist für viele Reisende der Inbegriff von Weite und Freiheit. Wie viele Weideländer ist auch hier die Landschaft (genauso wie Südafrika) fast komplett eingezäunt. man fährt also als Zaungast durch spektakuläre Landschaften – und die kleinen Pisten, von denen man einen schönen Blick auf die umliegenden Berge bekommen könnte, liegen meistens hinter dem Zaun. Auf den ersten Blick (und immer mal wieder zwischendurch) wirkt das auf uns beklemmend. Es gibt aber einen ganz einfachen Trick: Man muss hinter den Zaun kommen. Das geht entweder in den Nationalparks (deren Besuch wir stets so kurz wie möglich halten) oder auf Farmen mit einem Campingplatz (wo wir bisher jedes Mal länger geblieben sind als geplant). Dann bist du rechtmäßig hinter dem Zaun, und nach wenigen Kilometern siehst du ihn nicht mehr. Jeder Farmbesitzer ist hier automatisch auch Bergbesitzer, und wenn du dir eine schön gelegene Gästefarm aussuchst, kannst du dich ganz frei bewegen, denn die meisten Farmen sind so groß, dass man den Besitz kaum an einem Tag durchwandern kann. Du kannst nach Herzenslust querfeldein laufen, bisweilen gibt es auch markierte Wanderpfade auf die Berge hinauf, damit die Besucher nicht allzu oft vor einer Steilkante stehen. Auf diesen Plätzen hast du auch eine gute Chance, ruhige naturverbundene Mitcamper zu haben – oder gar ganz allein zu stehen. Hier finden wir die Einsamkeit, die es in den Nationalparks logischerweise nicht gibt.

Unser erster Farm-Camping war in den Tiras-Bergen: Die Rezeption lag 12 km von der Piste (und den Zäunen) entfernt, der Campingplatz nochmal 3 km weiter, auf einer Seite von sanften Hügeln umsäumt, auf die man klettern kann, und nach drei Seiten hin schweift dein Blick über eine weite Ebene. Rundherum Berge, mehrere trockene Flusstäler. Kleine Gruppen von Oryxantilopen, Springböcken und Pferden tummeln sich in der Weite. Wir wandern über die Ebene und wandern und wandern – und die gegenüberliegenden Berge wollen nicht näher kommen. Einerseits verschätzt man sich hier durch die klare Sicht gewaltig in den Entfernungen – die Berge wirken viel näher als sie tatsächlich sind. Andererseits ist das Marschtempo querfeldein natürlich viel langsamer – man geht ja vorsichtig, um keine Pflanzen zu zertreten; muss ständig vor und zurück schauen, um eine günstige Route zu suchen; stapft vorsichtig durch sandige oder geröllige Trockenflüsse – und bleibt natürlich ganz oft stehen, um irgendein Tier, ein Blümchen, hunderte Jahre alte Bäume, Gesteine oder sonstige Naturwunder zu betrachten und zu fotografieren.

Ich hatte ja schon die Oryxe erwähnt. Eine wunderschöne kräftige Antilopenart mit über 80 cm langen Hörnern. Es ist Ende der Trockenzeit, das Gras ist schon komplett abgeweidet, also müssen sie die kleinen Blättchen von den dornigen Bäumen essen, bis der Regen einsetzt. Während Giraffen die Blätter durch die Dornen hindurch ganz rigoros mit ihrer langen akrobatischen Zunge herausschlecken, essen Oryxe vorsichtig mit ihren Lippen. Damit es nicht piekst, wird der Baum zunächst mit den Hörnern durch kräftiges Reiben an den Ästen entdornt, und erst dann sammeln die Lippen vorsichtig die Blätter. Schöne herrliche muskulöse Tiere. Als wir sie so betrachten und näher kennen lernen, kommen uns Zweifel, ob wir denn wohl daran getan haben, als uns die nette Farmerin zartestes Oryx-Fleisch angeboten hat – und wir zugeschlagen haben. Naja, das Fleisch liegt schon bei uns im Kühlschrank, da wird kein Oryx mehr draus, also hat es keinen Sinn, jetzt noch zu zweifeln.

Als wir von der Wanderung zurückkehren, knurrt der Magen gewaltig – also wird der Kochtopf klar gemacht, und mit vielen leckeren Zutaten entsteht ein wunderbares Gulasch aus dem zartesten und schmackhaftesten Fleisch, das wir je gegessen haben. Beim Kochen in der freien Natur gibt es ja immer Futterneider. Bisher waren die Vögel Nummer Eins gewesen, allen voran die frechen Webervögel, die noch dreister als jeder Spatz in alle Töpfe, Pfannen und Teller schauen. Die allseits gefürchteten Paviane haben wir durch Vorsicht und bestimmtes Auftreten immer auf Distanz halten können. Aber diesmal kamen pflanzenfressende Tiere, denen wir fälschlicherweise kein Interesse an Gulasch zugetraut hatten, daher haben wir sie erst zu spät ernsthaft vertrieben. Wer wissen will, welche Tiere das waren und wie unschuldig sie taten, um sich an den Kochtopf heranzuschleichen kann hier nachsehen:

https://youtu.be/eNOi3CUKZSY

Nach dem Essen beim Lagerfeuer geht die Sonne über der Ebene unter, auf den Bergen gegenüber geht der Vollmond auf, während der Dämmerung geckert aus jedem Busch ein Gecko, nachts ist es wunderbar still, bis die Geckos in der ersten Morgendämmerung wieder aktiv werden. Wer würde nun noch daran zweifeln, dass die Farm-Campings unser absoluter Favorit sind?

Einsame Pisten in Süd-Namibia 5.-14.11.2021

Einsame Pisten in Süd-Namibia 5.-14.11.2021

Wir sind mittlerweile seit knapp zwei Wochen in Namibia und haben uns auf einsamen Pisten im Süden des Landes wohlgefühlt: Spektaluräre Pisten entlang des Fish River Canyon (Galerie folgt, falls wir in Namibia jemals ein ausreichend gutes Netz finden sollten…). Er ist in der Sommerzeit für Wanderungen gesperrt, da die Temperatur unten im Canyon weit über 40°C klettert und kaum Schatten zu finden ist. Wir sind dennoch frühmorgens eine Stunde in den Canyon hineingewandert und dann schweißtriefend wieder zurückgekehrt. Dann fuhren wir auf beschaulichen Pisten entlang des Oranje (tagsüber bis zu 40°C) bis Oranjemund, dem südlichen Ende der Namib, wo es mittags 16°C kühl war und ein strammer Wind blies, der die Sandkörner durch die geschlossenen Fenster und Türen in Kathrina hineinblies. Daher haben wir nur am Atlantik zu Mittag gegessen und dann unsere Füße im Ozean gebadet, um abends zum Schlafen wieder ins Hinterland zu fahren.

Entlang wunderschöner Bergketten fuhren wir Richtung Norden, und hatten unglaubliche Übernachtungsplätze mit „Ultra-Beitleinwand“-Panoramablick, siehe Blogfoto. Die Sonnenauf- und -untergänge in solchen Szenarien sind unser tägliches Kino beim Frühstück und Abendessen.

Hano hat endlich einen Namen: Sie heißt Kathrina – 1.11.2021

Hano hat endlich einen Namen: Sie heißt Kathrina – 1.11.2021

Als wir von den Augrabies Fällen nach Norden fahren, trauen wir unseren Augen nicht: Wenige Kilometer nach dem kleinen Ort Blouputs enden die Zäune! Von Port Elizabeth bis hierher waren entlang aller Straßen, auch auf den kleinen Pisten, rechts und links Zäune gewesen. In der Nähe von Kimberley sogar zwei Zäune: zunächst ein niedriger mit Stacheldraht, dahinter dann ein hoher Elektrozaun.

Und hier am Nordufer des Oranje fehlen plötzlich die Zäune. Ein unbändiges Freiheitsgefühl überkommt uns. Aber – wer tut sich diese Fahrerei an? Hano tuckert mit max. 5 km/h brav über Felsen und durch Auswaschungen, bergauf und bergab. Bei einem Hügel, der vollständig aus Rosenquarz besteht, halten wir an und klettern hinauf. Einfach irgendwo anhalten und hinlaufen, wohin man will – welch ein Luxus in diesem eingezäunten Land!

Als wir oben sind, kommt Bertha angefahren. Bertha hält neben Hano (der natürlich nicht abgeschlossen ist, und die Fensterscheiben sind wegen der Hitze heruntergekurbelt). Ihre Insassen, Mary und Solomon mit Hündin Fiffi, steigen aus, winken fröhlich hoch, laufen etwas am Fuße des Hügels herum und fahren dann weiter. Wenige Kilometer später stehen sie im Baumschatten in einem trockenen Flussbett. Wir halten an, bekommen unseren ersten Moerkoffie angeboten und stellen fest, dass wir nicht nur denselben Weg, sondern auch das gleiche Ziel haben, nämlich den schönsten Campingplatz in Südafrika.

Wenige Kilometer später zweigt von der bereits sehr herausfordernden Piste eine noch kleinere Piste mit noch mehr Schräglagen ab. Wir schaukeln zwei nervzehrende Kilometer in die Schlucht hinein, bei jedem Meter muss man acht geben, wo das Fahrzeug seine Räder hat. Auswaschungen, abschüssige Felsen, Steinhaufen – teilweise glauben wir nicht, dass dies eine befahrbare Piste ist. Doch dann sind wir unten, beziehen einen Stellplatz direkt mit Blick in die Schlucht, die ein sich mehrfach reflektierendes Echo wirft. Rechts und links geht es über 100 Meter steil nach oben, mit überhängenden Felsen, vor uns liegt ein Schilfgürtel. Eine heiße Quelle speist drei kleine Pools mit unterschiedlichen Temperaturen. Im kältesten Pool fühlt man sich wie in einer Höhle: auf drei Seiten von Fels umgeben, vor einem der Schilfgürtel und darüber der Blick in die Schlucht. Jeder Vogelruf hallt mehrfach wieder – die Rufe der kleinen Vögel im Schilf ebenso wie die der Adler, die majestätisch über der Schlucht kreisen. Das mittlere Becken lassen wir aus und wärmen uns im heißesten Pool wieder auf. Hier ist der Blick offener, man sieht in allen Richtungen die umliegenden Berge. Der absolute Wahnsinn!

Morgens bei Sonnenaufgang (5:50-6:00 Uhr) starten Vogelgruppen aus dem Schilf. Hunderte von Vögeln formieren sich in zwei, drei Kreiseln über dem Schilf und fliegen dann kerzengerade und pfeilschnell wie ein Geschwader ganz dicht über unseren Köpfen die Schlucht entlang. Das Geräusch ist ehrfurchtgebietend. Zehn bis fünfzehn dieser Geschwader starten morgens und kommen bei Sonnenuntergang (19:00-19:10) wieder zurück, in demselben faszinierenden Tiefflug.

Dieses Naturschauspiel ist einzigartig.

Hinzu kommen intensive Gespräche mit Mary und Solomon. So viel Seelenverwandschaft und so viele komplementäre Gedanken! In den vier Tagen, die wir zusammen verbringen werden, laufen unsere Hirne und Herzen auf Hochtouren – und um Intellekt und Seele die nötige Kraft zu verleihen, werden reichhaltige kulinarische Genüsse gezaubert.

Mary ist erschüttert, dass „Hano“ nur eine Abkürzung ist und kein Name. Solomon sieht beim Brotbacken kurz zu Hano hinüber und sagt dann in seiner feinen, sich zurücknehmenden Art zu uns: „Wenn ich einen Namen vorschlagen dürfte – was haltet ihr von KATHRINA?“ Wir sind beide hingerissen. Zukünftig werden wir also nicht mehr von Hano (m), sondern von Kathrina (f) berichten. Hanomag A-L 28, getauft auf den Namen Kathrina an Allerheiligen anno 2021, im ehrwürdigen Alter von über 54 Jahren. Ganz ohne Zeremonie – denn wir haben Sol und Mary einfach geantwortet, dass wir den Namen absolut passend finden und ab diesem Moment von Kathrina geredet.

Bertha und Kathrina haben sich übrigens genauso innig auf den ersten Blick verstanden und lieb gewonnen wie ihre Insassen, was man dem Blogfoto hoffentlich ansieht.

Milchstraße über den Augrabies Wasserfällen – 25.10.-1.11.2021

Milchstraße über den Augrabies Wasserfällen – 25.10.-1.11.2021

Seit wir den Oranje zum ersten Mal überquert haben, nach einer Woche in der trockenen Karoo, hat er uns magisch angezogen. Er schlängelt sich kurvenreich von den Drakensbergen bis zum Pazifik, und immer, wenn wir in der trockenen Landschaft einen grünen Gürtel gesehen haben, wussten wir, dass wir uns wieder dem Oranje oder einem seiner Zuflüsse nähern. Als wir erfahren, dass er bei Augrabies durch eine enge Schlucht fließt und je nach Wasserstand einen oder mehrere Wasserfälle bildet, beschließen wir, am nächsten Tag den Oranje entlang bis zu den Wasserfällen zu fahren.

Mit über 500 km unsere längste Tagesetappe, aber sie führt uns durch unerwartete bergige Gegenden, immer wieder nähert sich die Straße dem grünen Gürtel des Flusses, um sich dann wieder zu entfernen. Etwa 100 km südlich von Upington beginnt die Oranje-Weinstraße, doch wir sparen uns die Weinprobe für den Rückweg auf, da wir heute ja noch den Augrabies Nationalpark erreichen wollen, der 100 km westlich von Upington liegt. Wir erreichen ihn 15 Minuten vor Torschluss.

Es wird schon dunkel, als wir den Campingplatz erreichen. Sobald Hano seinen Stellplatz bezogen hat, trinken wir ein Feierabend-Bier auf den Felsen und sehen den letzten Sonnenstrahlen hinterher. Gekocht wird dann bei Lampenlicht, und beim Café nach dem Abendessen sehen wir den bisher tollsten Sternenhimmel auf unserer Reise – und wir haben ihn jeden Abend bewusst betrachtet. Um 20:00 Uhr steht die Milchstraße noch gut sichtbar über uns, gegen 21:00 Uhr ist sie hinter den Bäumen, die den Campingplatz umgeben, untergetaucht. Am nächsten Tag suchen wir uns einen vorgelagerten Platz auf den Klippen und beobachten das Abtauchen der Milchstraße hinter die umliegenden Berge von 20:00-23:00 Uhr. Als die Milchstraße schon tief steht, erscheint von Orion zuerst die linke Fußspitze, dann sein Schwert, dann erst der Gürtel. Welch ein Schauspiel!

Jetzt am Ende der Trockenzeit bildet der Oranje nur einen zentralen Wasserfall in der Schlucht – am Ende der Regenzeit muss das Schauspiel weit spektakulärer sein, denn dann bahnt er sich viele Wege und stürzt über mehrere Felskanten hinab. Dennoch sind wir fasziniert – sowohl von dem Wasserfall selbst, als auch von der Landschaft drumherum: Auf beiden Seiten der Schlucht sind spannende Felsformationen, immer wieder andere Gesteine, die einen schroffer, die anderen rundlicher. Einige Spazier- und Wanderwege sind dort angelegt, von denen aus man interessante Blicke in die Schlucht und auf den Wasserfall hat. Da wir eine Vorliebe dafür haben, über Felsen zu klettern, streunern wir zusätzlich querfelsein und finden noch weitere spektakuläre Aussichtspunkte und einsame Flecken – einige davon stellen meine Höhenangst auf eine harte Probe. Zum ersten Mal haben wir genügend Auslauf auf einem Campingplatz. Auf den vorigen Plätzen waren die „hiking trails“ immer sehr schnell erschlossen gewesen, aber wenn man nach Herzenslust stöbern kann, gibt es ja unendlich viele Wege.

Auch die Tierwelt ist interessant. Tagsüber kommen die Klippschliefer auf den Platz. Sie sind die nächsten Verwandten des Elefanten, ist in all unseren drei Tierbüchern einvernehmlich zu lesen, doch wir halten sie für die Kaninchen des Oranje: Sie haben etwa dieselbe Größe, fressen alle möglichen Pflanzen von saftigem Gras über trockene Blätter bis zu den dünnen Zweigen, die ich zum Feuer anmachen gesammelt hatte, und hinterlassen kaninchengleiche Boppel auf dem Rasen. Scheu sind sie allerdings nicht – als ich versuche, sie von unserem Grillholz zu vertreiben, springen sie zwar irgendwann weg, um mir zu zeigen, dass meine Verscheuchungsversuche nicht völlig vergeblich sind, und sitzen 10 Sekunden später wieder auf dem gemauerten Grilltisch und knabbern an meinen Zweigen… Auch Mungos kann man ganztägig auf dem Campingplatz beobachten. Einmal huscht einer mit einem Frosch im Maul über die Wiese. Einige Tage später bringt eine Mungo-Mutter ihre zwei Jungen auf die Wiese vor Hano zum Spielen.

Abends zwischen 20:00 Uhr und 21:00 Uhr besucht uns eine Ginsterkatze an unserem Lagerfeuer. Obwohl wir sie nicht füttern, kommt sie allabendlich wieder, inspiziert neugierig unseren Platz, schnüffelt an Hanos Reifen, dem Lagerfeuer und in Richtung Kochtopf, aber alles mit gebührendem Abstand, sie maunzt oder bettelt nicht. An den letzten beiden Abenden kommen sie sogar zu zweit, und besuchen uns jeweils mehrfach.

Insgesamt verbringen wir eine herrliche Woche. Vor Sonnenaufgang sind wir auf den Beinen und begrüßen die Sonne. Ein kräftiges Frühstück unter freiem Himmel stärkt uns für den Tag. Wir erwandern die Landschaft, beobachten die Tiere und genießen die Natur. Bei einem leckeren Abendessen resümieren wir den Tag, verabschieden die Sonne und machen danach – mehr für die Seele als zum Wärmen – ein Lagerfeuer auf dem Braaiplatz, über dessen warmen Flammen und roter Glut sich dann ein gigantischer Sternenhimmel aufspannt.

Vollmond über der Karoo – 20.10.2021

Vollmond über der Karoo – 20.10.2021

So, damit nicht der Eindruck entsteht, wir wären nur in Nationalparks unterwegs, hier ein kurzer Bericht von einer unvorhergesehenen Nacht im Garten Eden.

Wir programmieren in unserem Garmin einen Campingplatz ein, der 30 km Piste von der Nationalstraße N12 entfernt liegt. Es ist mittags, und wir sind schon knappe 300 km durch die Karoo gefahren – dürres nicht einmal kniehohes Gesträuch soweit das Auge reicht. Das reicht uns an Fahrstrecke, wir wollen den Nachmittag verbummeln und eventuell 2 Nächte bleiben. Der Campingplatz ist malerisch an einem Stausee gelegen – mutmaße ich wegen des blauen Flecken, der daneben eingezeichnet ist.

Als wir auf die Piste abbiegen, stellen wir fest, dass sie mittlerweile auf den ersten 20 km geteert ist. Schön! Dann zweigt eine Piste ab, die tatsächlich Piste ist – und zwar die übelste bisher. 10 km auf dieser Piste und kein Hinweisschild auf einen Campingplatz? Das macht uns schon mal stutzig. Nach zwei Kilometern spreche ich meine Vermutung aus, dass dieser Campingplatz wohl auch nicht existiert. „Egal“ antwortet Torsten „auf dieser üblen Strecke kommt doch außer uns niemand, also können wir am See allein stehen – und ich bin nicht bereit, diese Strecke unverbrachter Dinge wieder zurück zu fahren.“ Gesagt, getan (für die restlichen 8 km benötigt Hano über eine halbe Stunde). Es gibt weder einen Campingplatz noch einen Stausee. Wohl eine Staumauer, die noch gut in Schuss ist, aber in der Senke blühen Mimosenbäume. Welch ein Anblick nach 300 km in der verdorrten Karoo! Allerdings ist das grüne Gebiet eingezäunt, wir stellen uns also in den Windschatten des Staudamms und beschließen, den Nachmittag und die Nacht hier zu verbringen – denn hierher verirrt sich doch niemand außer uns.

Nach einem kleinen Mittagsvesper bestaunen wir die Pflanzen, Käfer, Gottesanbeterinnen in der Umgebung. Da kommt Ion, der sich um den Staudamm kümmert. Der Damm war 1988 letztmalig gefüllt, seitdem regnet es nur so wenig, dass die Bäume in der Senke schön grünen und sich einige Grasflächen ausgebildet haben. Wir fragen ihn, ob wir hier eine Nacht stehen dürfen, und ob er meint, es sei hier sicher. Wir dürften bleiben, solange wir wollen, war die Antwort, aber schöner sei es hinter dem Damm auf einer kleinen Plattform über der Senke – dort kann man das gesamte Tal überblicken. Ja, aber die Piste ist durch ein Tor versperrt, erwidere ich. Ion schmunzelt. Ihm gefällt wohl, dass wir das Tor nicht näher untersucht haben – es liegt zwar eine Kette um das Tor und das Vorhängeschloss ist lose eingehängt, sodass keine Tiere hindurch können, aber das Schloss ist nicht zugeclipst. Wir können dort übernachten und morgen (oder wann wir wollen) wieder rausfahren, und sollen das Schloss dann wieder offen einhängen, damit er wieder hinein kann.

Wir verlegen unseren Platz und haben einen traumhaften Blick auf die blühende grüne Senke. Einer der schönsten Plätze, die wir je hatten. Ganz allein mit Weitblick auf ein herrliches Stückchen Erde!

Das feiern wir mit einem Glas Wein auf dem Hanodach. Kurze Zeit darauf geht der Vollmond hinter Hano auf und die Sonne vor Hano unter.

Am nächsten Morgen springen wir früh aus dem Bett, um das umgekehrte Schauspiel zu verfolgen: Um 5:30 geht der Vollmond über der Senke unter, eine Viertel Stunde später wirft die Sonne ihre ersten Strahlen in das Tal. Einige Tiere, die wir auch mit Fernglas nicht identifizieren können, da sie so weit weg sind, ziehen über die Grasflächen. Welch ein friedliches Stückchen Erde!

Gegen 7:30 kommt Ion vorbei, und fragt uns ob wir gut geschlafen haben. Nicht gut, sondern traumhaft! – antworten wir – an solch einem friedlichen Ort! Er freut sich, dass wir eine ruhige Nacht hatten, und seinen „Arbeitsplatz“ so wertschätzen können, wünscht uns alles Gute auf der weiteren Reise und fährt die Piste weiter in das Tal hinein. Da es tagsüber wieder sehr heiß wird, und wir zwar einen traumhaften Ausblick, aber keinen Schatten für Hano haben, reißen wir uns los und fahren weiter. Aber diese Nacht und diesen Platz werden wir sicher nicht vergessen!

Frieren in der Halbwüste – Karoo National Park – 16.-19.10.2021

Frieren in der Halbwüste – Karoo National Park – 16.-19.10.2021

Wir hatten eigentlich keine Vorstellung von diesem Park und hatten plattes Land mit wenigen Sträuchern vermutet. Daher sind wir überaus überrascht, wie abwechslungsreich der Karoo Park auch in der Trockenzeit ist, wenn noch keine Wildblumen blühen. Es liegen einige Berge im Park, also ist die Landschaft sehr abwechslungsreich. Die Ebenen sind wenig bewachsen und viel weitläufiger als im Addo Park, daher sind die Tiere, die man sieht, zwar weiter weg, aber man hat ein natürliches Gefühl dabei. Kein dichtes Strauchwerk zwingt die Tiere in die Nähe der Autos (aussteigen darf man allgemein nicht in den Nationalparks mit wilden Tieren), daher halten sie genau den Abstand zur Straße, den sie wollen. Die Berge sind wunderbar beschaulich – warme Farben im frühen Morgenlicht, rote Bergpanoramen im Abendlicht – einfach eine tolle Landschaft!

Morgens beim Aufstehen um 5:00 Uhr ist es 6°C kühl und windig. Als wir frühmorgens die ersten Aussichtspunkte erreichen, bei denen wir aussteigen dürfen, bibbern wir erbärmlich. Die kleinen Klippspringer hingegen sind trotz kurzem Fell gar nicht verfroren und auch nicht scheu. Sie kommen nah zum Hano und inspizieren ihn. Sie können akrobatisch über die Klippen springen und treten dabei mit den Vorderspitzen der Hufe auf. Erfahrene Spurensucher können das aus der Spur lesen – ich habe es in einem Buch gelesen. Dasselbe Buch verrät auch, dass Jäger im Tierreich die behenden Klettertechniken der Klippspringer wohl kennen. Daher reicht es aus, dass sie einen hohen Warnruf ausstoßen, sobald sie einen potenziellen Fressfeind entdecken. Damit weiß er, dass er enttarnt ist, und gibt auf. Hano bestaunen sie neugierig ohne Warnruf – er sieht nun wirklich nicht wie ein Löwe aus und riecht auch nicht so…

Weiter unten in der Ebene dann viele Steinböcke und Springböcke, die wirklich außergewöhnliche Sprünge vollführen: Mit allen Vieren gleichzeitig springen sie hoch und landen auch wieder auf allen Vieren. Einzigartig in der Tierwelt.

Als wir auf einer etwas abgelegenen Piste entlang fahren, überraschen wir doch einige Tiere nahe der Straße: Zebras, Strauße und Kudus bummeln in der Nachmittagssonne in der Nähe eines Wasserlochs, und treten gemeinsam die Flucht an. Die Zebras galoppieren fast bis aus Sichtweite (ob aus Furcht vor Hanos Rumpeln oder eher als Training, sei dahingestellt). Der schnellste Strauß rennt lediglich 50 m weit weg, dann hält er in seiner Flucht inne, hebt verführerisch die Flügel und beginnt, sich um die eigene Achse zu drehen. Dieses Schauspiel vollführt er mehrere Minuten lang, ein Straußenweibchen bleibt ebenfalls stehen und sieht seinem Balztanz ganz verliebt zu. Das Selbstbewußtsein des Straußenpaares, das nach wenigen Schritten schon wieder an Liebe anstatt Flucht denkt, lässt auch die Kudus innehalten. Sie schauen verwundert zum Strauß und den immer noch fliehenden Zebras und widmen sich dann wieder dem strohigen Gras und den kurzen trockenen Blättern, welche die Landschaft bietet. Wo die Speisekammer so karg ist, reicht es nicht, dreimal am Tag zu essen, sondern man bringt eher 14 Stunden damit zu, den Magen zu füllen. Da flieht man nur, wenn es wirklich nötig ist, und doch nicht vor einem Hano!

Mittags wird es übrigens etwas über 20°C warm – im Windschatten ist das ganz angenehm, aber auf den zugigen Aussichtspunkten fröstelt man auch tagsüber. Und wir hatten schon Angst gehabt, dass es uns bereits hier zu heiß werden könnte. Der Frühling hält sich halt nicht immer an die Klimatabellen aus dem Internet…

Was ist größer und schwerer als der Hano? – Addo National Park – 8.-11.10.2021

Was ist größer und schwerer als der Hano? – Addo National Park – 8.-11.10.2021

Das Bild verrät es schon: Ein Elefantenbulle. Die größten Exemplare können laut Lehrbuch bis zu 4 Meter hoch und 7 Tonnen schwer werden. Dieser hier war nur „gleichgroß“ wie Hano, aber beeindruckend, als er 50 cm vor der Motorhaube entlangschreitet, um uns zu zeigen, wer hier der Herr ist.

Nun von vorn, und ein kleiner Exkurs zum Thema Camping in Südafrika: unsere erste Station nach Port Elizabeth war der Addo Elefanten Park, etwa 60 km nördlich von PE. Mittags geben wir den Mietwagen am Flughafen ab und schweben dann mit Hano nach Norden. Nun beginnt der eigentliche Teil der Reise! Wir haben nicht vorgebucht, und erwischen den letzten Zeltplatz, denn es ist Freitag nachmittag und das letzte Wochenende der Schulferien – und Nationalpark! Die Zeltplätze sind 3,5*4,5 m² groß, aber der letzte ist etwas länger, und wir erobern ihn mit Hano, er zieht die Schnauze ein. Drei Campingplätze später unterhalten wir uns mit einem netten südafrikanischen Rentnerehepaar, die ganz verwundert sind, dass wir nicht vorbuchen. Sie campen ihr Leben lang und haben immer vorgebucht, weil die Campingplätze dies so wollen. Sie halten es für ein Wunder, dass wir ohne Buchung einen Platz bekommen haben, und das auch noch wiederholte Male. Bisher aber hatten wir Glück: Die Campingplätze, auf denen wir waren, hatten immer noch ein Plätzchen frei. Im Groendal Wilderness Reserve waren wir sogar zwei Nächte lang die einzigen Gäste, und in den Nationalparks macht sich Hano dünn und passt auf einen Zeltplatz. Da der Frühling zögerlich kommt (6°C morgens beim Aufstehen), sind noch nicht viele Zelter unterwegs. Wir hingegen fanden ganz andere Dinge erstaunlich: Am ersten Abend komme ich in den Addo-Camping-Waschraum und höre, wie sich jemand ein Bad einlässt. Ich will meinen Ohren nicht trauen, aber neben der verschlossenen Tür mit dem unerwarteten Plätschergeräusch ist eine zweite Kabine mit einer Badewanne. Meine Augen glaube ich nun. Zwei Badewannen, zwei Duschen – dies sind die typischen Einrichtungen auf den südafrikanischen Campingplätzen. Torsten berichtet, dass es bei den Männern meist eine Badewanne und drei Duschen gibt. Und alle netten Leute, mit denen wir uns unterhalten, hoffen auf den Regen, denn die Wasserspeicher sind leer am Ende der Trockenzeit – und lassen sich dann ihr Bad ein. Wir haben die Dusche im Hano so ausgelegt, dass wir im Extremfall mit 2 Litern pro Person auskommen. Soviel zu den Campingplätzen, die es in realiter gibt. Dann sind wir heute auf dem zweiten Camingplatz angekommen, der nur auf der Landkarte, nicht aber in der Landschaft existiert. Diese Plätze sind auf ganz andere Weise willkommen: Denn hier müssen wir im totalen Niemandsland frei übernachten. Das ist der eigentliche Hano-Alltag wie wir ihn lieben – wo es dir gefällt, bleibst du einfach – wir haben ja immer alles dabei. Ein Luxus, den wir uns in diesem Land wirklich nur fern von jeder Zivilisation leisten. Die Situation nahe den Städten können wir einfach zu schlecht abschätzen, unser Bauchgefühl rät uns dort fast immer von einer Rast ab…

So nun zurück zum Addo Park. 3,5 Tage verbringen wir hier – es ist traumhaft. Ein bisschen merkt man, dass der Park künstlich angelegt wurde. Es wurde nicht ein natürliches Wildreservat eingezäunt, sondern ein Stück recht leeres Land, auf dem die Tiere wieder angesiedelt wurden, die hier ursprünglich mal gelebt hatten, als die ersten Siedler kamen – und eben ganz viele Elefanten zusätzlich, ca. 250 Individuen. Das macht ihn auf der einen Seite etwas unnatürlich, garantiert aber mannigfaltige Elefantensichtungen. Insbesondere im Nordteil des Parks ist rechts und links der Straße dichtes Buschwerk von ca. 2 m Höhe. D.h. viele PKW-Fahrer fahren an den Elefanten im Busch vorbei, ohne sie zu bemerken. Mit der erhöhten Sitzposition im Hano überblicken wir die Landschaft gut, und entdecken schon am ersten Nachmittag über 10 Elefantenrücken nahe der Straße. Wenn man stehen bleibt und den Motor ausmacht, hat man oft das Glück, dass sie auf die Straße kommen, denn die dichten Dornenbüsche sind sehr pieksig. Ich bin völlig erstaunt, dass auch die kleinsten Elefantenkinder sich da durchzwängen.

Im Südteil des Parks wird das Buschwerk etwas lichter, es gibt kleine Ebenen, auf denen wir vor allem Zebras und verschiedenste Paarhufer sehen. Am zweiten Tag machen wir uns gegenseitig noch etwas umständlich auf diese Tiere aufmerksam, beispielsweise „Auf 11:00 Uhr eine Gruppe grauer Paarhufer mit schwachen schwarzen Streifen auf dem Rücken und 2 Korkenzieher-Windungen auf dem Kopf“. Abends schauen wir in unserem Tierbuch nach und sagen am dritten Tag dann schon ganz fachmännisch: „Kudu“ zu diesen Tieren. Das ist deutlich kürzer und somit hat der andere eine realistische Chance, sie noch rechtzeitig zu sehen, bevor der Redeschwall und Hano vorbei sind… Neben all diesen unterschiedlichen Tieren (Elands, Büffel, Schakale, Hyänen, viele viele Vögel etc.) stehen natürlich die Elefanten im Vordergrund. Nicht nur, weil sie sehr viele sind und sich die besten Plätze an den Wasserlöchern sichern, sondern auch, weil ihre Interaktionen so vielfältig sind.

Der Campingplatz ist umzäunt und von den wilden Tieren so halbwegs abgeschottet, wobei wir auch dort Meerkatzen und Ducker am Hano hatten. Von 6:00-18:00 Uhr darf man in das eigentliche Wildreservat einfahren. Das gibt auch den Tieren 12 Stunden Atempause… An Tag 2…4 fahren wir um 6:00 Uhr (zur Öffnungszeit) in das Wildreservat ein und verbringen jeweils mehrere Stunden an einem Wasserloch. Am vierten Tag wollten wir nur kurz nochmal reinfahren, um Abschied zu nehmen – und harren 6 Stunden an einer Stelle aus! Hier ist der Hano gegenüber den PKWs auch wieder im Vorteil: wir haben nicht nur jeder einen Sitz, sondern die beiden Vordersitze und den hinteren Aufbau. Dort kann Torsten den Tisch abräumen, sein Stativ aufstellen, wir können vespern, oder ein Nickerchen machen – natürlich mit einem offenen Auge, falls wieder etwas Spannendes passiert.

Kurze Notizen vom letzten Tag:

7:04 Uhr kommt ein Schakal, trinkt kurz, zieht dann weiter.

7:39 kommt der erste Elefant mit Familie zum Trinken, gegen 8:00 ziehen sie weiter.

8:10 ein Strauß, dann zwei Warzenschwein-Paare, ein Reiher.

8:20 zieht ein Kudu ohne zu trinken vorbei.

8:35 kommt die zweite Elefantenfamilie – und ab dann gibt es ein ständiges Kommen und Gehen der Familien und Gruppen. Als wir uns um 13:00 Uhr endlich losreißen, sieht man auf allen umliegenden Hügeln Elefanten kommen oder gehen.

Die meisten Gruppen trinken zunächst im vorderen Loch. Das dauert ca. 30 Minuten. Wenige Meter von dem Loch wird dann das kleine und große Geschäft verrichtet. Über das große Geschäft schreibt das Tierbuch mit biologischer Exaktheit: 3…5 zylinderförmige Haufen alle 1,4 Stunden. Dann geht es weiter zum hinteren Loch, wo das Baderitual eingeläutet wird. Zuerst feuchten sich die Tiere mit dem Rüssel an. Einmal vollsaugen und die linke Seite naßspritzen. Dann den Bauch, dann die rechte Seite. Nach 10…20 mal Spritzen ist die Haut dann auf das Bad vorbereitet. Die massigen Tiere gehen auf die Knie und rutschen vorsichtig ins kühle Nass. Dann gibt es kein Halten mehr: mit dem Rüssel wird solange ins Wasser geschlagen, bis es ein richtig dicker Schlamm ist. Einige tauchen fast ganz unter und halten den Rüssel als Schnorchel zum Luftholen hinaus. Andere suhlen sich von allen Seiten im Schlamm. Einige sind nach wenigen Minuten ausreichend eingeschlämmt, andere gönnen sich diese Wonne eine halbe Stunde lang. Dann vorsichtig wieder auf den Knien hinaussteigen. Insbesondere die kleineren Jungtiere benötigen dazu mehrere Anläufe, und rutschen mehrfach wieder hinein. Nach dem Abrutschen zunächst ein verängstigtes Quieken, dann wird aus der Situation Profit gezogen und vor dem nächsten Anlauf noch eine Runde im Schlamm gesuhlt. Ein faszinierendes Schauspiel! Und dann kommen die halbstarken Männchen! Richtig ernste Kämpfe tragen sie nicht aus, aber sie üben mit gegenseitigem Imponiergehabe das echte Mannsein. Die halbstarken Formen davon sind: Köpfe aneinander drücken, und die Länge der Stoßzähne und des Rüssels vergleichen. Den anderen mit dem Kopf oder dem Rüssel wegdrücken – wer zuerst ausweicht, unterliegt – und versucht es natürlich nach wenigen Minuten erneut.

Die Elefantenkinder schauen sich das Schauspiel an und imitieren es – gewissermaßen der Abklatsch des Abklatsches. Sie rangeln entweder untereinander – oder üben sich im Vertreiben kleinerer Tierarten, bei denen auch die ausgewachsenen Tiere kleiner oder zumindest leichter sind als sie. Ein Elefanten-Junge, der eben noch an Mutters Brust getrunken hat, entdeckt zwei Warzenschweine, die trinken wollen und sich vorsichtig nähern. Mit gewaltigem Ohrenschlackern (das ihn beinahe ausrutschen lässt), erhobenem Rüssel, und fast furchteinflößendem Vor-Stimmbruch-Tröten macht er ein paar Schritte auf die Warzenschweine zu, die daraufhin abhauen und sich später unbemerkt ans Loch schleichen, als sich die Elefanten miteinander beschäftigen. Auch die Zebras werden vertrieben – sie müssen eine halbe Stunde warten, bis sie kurz zum Wasser dürfen, und dann wieder vertrieben werden. Teilen ist offensichtlich nicht Elefanten-Wesensart, zumindest nicht mit anderen Tierarten. Ein mini-kleiner Elefant und ein normal-kleiner rutschen aufeinander herum – zuerst auf dem Boden, dann im flachen Schlamm. Wenn es dem mini-kleinen zu doll wird, stößt er ein herzerweichendes Quieken aus. Dann kommen sofort die halbwüchigen Geschwister und sorgen bei den Kleinen für Ordnung. Sobald er sich erholt hat, neckt der mini-Kleine seinen Freund wieder, und das Aufeinander-Rumrutschen geht wieder von vorne los.

Die Rüssel sind Multifunktions-Werkzeuge: Trinken, Schlammspritzen, Tröten hatten wir ja schon erwähnt. Sie dienen aber auch zur Begrüßung, zum Anstupsen, zum Festhalten an Mutters Schwanz, natürlich zum kleine-Blätter-von-dornigen Sträuchern-Abreißen, und auch zum Zähneputzen: einige Männchen stülpen sich den Rüssel über ihren Stoßzahn.

Immer, wenn wir denken „jetzt kennen wir alles, was Elefanten machen“, passiert etwas Unvorhergesehenes. So könnten wir weiter beobachten und weiterschreiben bis ans Ende aller Tage – aber wir reißen uns los und starten ins nächste Abenteuer!

Hano wird startklar gemacht – 30. September 2021 ff

Hano wird startklar gemacht – 30. September 2021 ff

Es folgen zwei Regentage mit starken Regengüssen, heftigstem Wind und sehr kurzen Regenpausen. Dann flaut der Regen ab, am 3. Oktober ist es wieder sonnig, aber nur noch 11°C „warm“. Nicht die besten Bedingungen, um Hano wieder flott zu machen, aber wir nutzen geschickt jede Regenpause zum Ein- oder Aussteigen und für Außenarbeiten. Irgendwie erinnert uns dieser Tagesablauf an die letzten Wochen in Deutschland…

Nick lädt uns in seiner Werkstatt die Batterien vollständig auf, und bietet auch sonstige Hilfe an.

Auf der Beifahrerseite kommt es an zwei Tagen hintereinander zum Wassereinbruch, wir finden und stopfen das Verursacherloch, und am dritten Regentag bleibt der Teppich trocken! Bei der Gelegenheit streichen wir gleich einige Roststellen am Bodenblech.

Die Verbandskastenhalterung wird geflickt.

Eine südafrikanische Gasflasche wird installiert – mit 28 anstatt 50 mbar werden wir etwas länger auf das heiße Wasser warten müssen, aber es brennt!

Eine Zusatz-Staukiste wird auf dem Dach montiert, der Unterfahrschutz montiert, sowie Plexiglasscheiben als Steinschlagschutz für die Scheinwerfer.

Die beige Hano-Farbe hatten wir am Freitag mischen lassen – sie war am Samstag allerdings noch nicht fertig, mal sehen, wann wir sie bekommen.

Und innen wurde und wird alles wieder umgepackt. Das Führerhaus, das viel Werkzeug beherbergt, musste für die Überfahrt ja leer sein. All die unerlaubten Sachen hatten wir ja nicht einfach aus den Fächern rausnehmen können – es musste ja alles seemännisch verstaut sein, also durfte keine Lücke sein. Wir mussten also gezielt etwas gleichgroßes in die entstehenden Lücken packen, damit alles stabil verpackt ist. Und uns all das merken, denn aufschreiben oder fotografieren kann man das nicht – wer sichtet schon 10.000 Fotos? Das ganze Verschiebespiel vom August muss nun wieder rückgängig gemacht werden, bis wieder alles an seinem Platz ist. Wir überlegen zwischendurch, ob wir nicht die Transafrika-Ostroute zurück fahren sollen, um uns diesen Wahnsinn, der bei der Rückverschiffung ja wieder droht, zu ersparen. Aber diese Route ist in der aktuellen Situation auch kein Spaß, und wir wollten ja diesmal nicht so weit fahren, sondern uns mehr Muße gönnen. Wir merken, dass wir erstmal losfahren müssen, egal wie schön es hier in Little Louisa ist. Also weiterhin den Grundzustand wiederherstellen, und wenn wir dann unterwegs sind, wird sich alles finden, vermutlich auch das Um-/Ent-/Rückpack-Trauma legen.

Wiedervereinigung mit Hano – 29. September 2021

Wiedervereinigung mit Hano – 29. September 2021

Am 29. September ist es dann soweit: wir dürfen Hano abholen.

Das Wetter hat sich mittlerweile eingetrübt, es nieselt fast den ganzen Tag, unterbrochen von kräftigen Regengüssen.

Morgens fahren wir mit der Hafenagentin Natasha in den Frachthafen, um das Carnet de Passages, das Zolldokument für Hano, abzugeben. Ich darf mit dem Leihwagen noch die erste Hafeneinfahrt passieren, Torsten fährt dann mit Natasha in den Zollbereich ein. Gegen 10:00 Uhr sehen sich Torsten und Hano wieder. Hano leckt Wunden, und Torsten ist fürsorglich besorgt. Als er gegen 10:30 Uhr aus dem Zollbereich herauskommt, berichtet er mir:

  • Die Batterien sind tiefentladen. Offensichtlich hatte zu Beginn der Reise jemand die Zündung und den Blinker angelassen…
  • Bei dem Versuch, die Motorhaube zu öffnen, um Starthilfe geben zu können, wurde unsachgemäß an der Haube hantiert, der Schließmechanismus ist deformiert, ein Bügel fehlt, den Torsten jedoch nachmittags im Handschuhfach findet. Die vielen kleinen Lackschäden sind nicht tragisch, jedoch ärgerlich, weil wir ja keine Farbe mitnehmen durften…
  • Dann haben sie Hano offensichtlich abgeschleppt, um ihn an Land zu bekommen, haben aber glücklicherweise das Maul gefunden und hierbei alles richtig gemacht.
  • Der Geländegang ist eingelegt. Erstaunlich, denn wir hatten ihn in der bebilderten Fahranleitung nicht erwähnt, und den Hebel gegen unbeabsichtigtes Betätigen mit einer leuchtend gelben Schnur gesichert, die am Verbandskasten festgebunden war. Schnur und Lederriemen der Verbandskastenhalterung waren zerrissen, und der Geländegang eingelegt.
  • Die Warntafel im Heck ist verbeult und etwas verkratzt.

Etwaige Schäden, z.B. des Getriebes, hatte Torsten noch nicht ansehen können, da er das Auto ja nicht starten und bewegen konnte. Die Beamten versprachen, bis zur Abholung am Nachmittag Ersatzbatterien und Starthilfekabel zu besorgen. Währenddessen läuft der Frachter aus.

Wieder zu Hause in Little Louisa setzen wir eine vorläufige Schadensmeldung auf Englisch auf, da wir das Ausmaß des Schadens nicht absehen können. Die Transportversicherung rät dazu, sich die Schadensmeldung vor Ort abzeichnen zu lassen. Nick, der Besitzer von Little Louisa, bietet uns an, uns zwei Batterien mitzugeben, aber wir lehnen ab, denn die Beamten hatten ja versprochen, sich drum zu kümmern.

Am Nachmittag fahren wir gegen 15:00 Uhr wieder in den Hafen. Das gleiche Spiel: ich warte im Hafenbecken, während nur Torsten als Fahrzeughalter in den Zollbereich darf.

Die Zollbeamten sind natürlich nicht bereit, die Schadensmeldung zu unterschreiben, das Schiff ist ausgelaufen, und die Hafenagentin weiß auch keinen Rat und fährt die Kinder ihres Schwagers abholen, und lässt Torsten im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen. Naja, wir haben überschlagen, dass zwei neue Batterien und eine Büchse Farbe billiger sind als der Selbstbehalt, den verbogenen Schließmechanismus muss Torsten sowieso selbst richten, welche Werkstatt würde sich denn da auskennen, und falls das Verteilergetrieben Schaden genommen hätte, würde sich die Versicherung bei so einem alten Auto sowieso rausreden. Jetzt muss Hano nur noch starten und nach Hause fahren, dort werden wir alle Wunden heilen.

Leichter gesagt als getan, denn über die Mittagspause hatte natürlich niemand irgendwelche Vorkehrungen zur Starthilfe getroffen. Hätten wir doch Nicks Batterien mitgenommen! Der Generator hätte uns im Normalfall in solch einer Situation geholfen – aber er durfte ja nur leer aufs Schiff. Und ein Generator ohne Benzin liefert keine 24 Volt… Torsten hatte noch zwei starthilfefähige Powerbanks im Hano gefunden, von denen jedoch nur noch eine geladen war. Gegen 17:00 Uhr funkt er mich an, dass die Zollbeamten mittlerweile endlich eine Batterie gefunden haben, aber nun das Starthilfekabel suchen. Ihre dienstlichen PKWs dürfen sie nicht nutzen. Und um 18:00 Uhr müssen sie die Tore schließen, es kann also sein, dass wir morgen nochmal kommen müssen.

Dann kommt um 17:45 Uhr der erlösende Funkspruch. Torsten sagt kein Wort, aber Hanos Motorgeräusch teilt mir mit, dass das Starthilfekabel gefunden wurde! Starthilfe eines Hafen-PKW und eine Lithiumionen-Powerbank haben gemeinsam das Wunder vollbracht. Fünf Minuten später geht das Tor auf, und Hano kommt herausgebraust.

Im letzten Abendlicht fahren wir zur Little Louisa, und als ich mit dem Mietwagen hinter Hano dahinschwebe, beschleicht mich wieder dieselbe prickelnde Aufgeregtheit, die ich schon beim Hinterherfahren mit Wohni nach Bremerhaven verspürt hatte. Ob nur ich die Rückansicht des Hano so betörend finde, oder ob auch andere Autofahrer ins Träumen geraten, wenn sie hinter Hano herfahren?

Auf jeden Fall sprechen wir an dem Abend dem südafrikanischen Rotwein zu und lassen ihn mit einem Cognac vor dem Hano ausklingen.

Ankunft in Little Louisa – die ersten Tage 24. September 2021

Ankunft in Little Louisa – die ersten Tage 24. September 2021

Die Übernahme des Mietwagens am Flughafen ist etwas merkwürdig. Wir werden nach einer mehr schlecht als recht durchwachten Flugnacht mit einem Redeschwall überschüttet (sehr freundlich natürlich), bei Nachfragen wird der gesamte Redeschwall wiederholt, und dann drücken sie uns einen Schlüssel in die Hand und erklären uns, wo auf dem großen Parkplatz das Auto zu finden ist. Naja, ziehen wir also los. Das Gepäck passt wunderbar in den Kofferraum. Dann rätseln wir, wer wo einsteigen muss. In Ländern mit Linksverkehr ist das Steuerrad natürlich rechts. Lage von Gangschaltung und Blinkerhebel ist gespiegelt, die Abfolge der Gänge und Pedale parallel verschoben. Wie froh bin ich, dass Torsten angeboten hat, die erste Fahrt zu machen… Er hat eine ganz einfache Logik entwickelt, um sich hier zurecht zu finden: In einem Land, in dem die Sonne mittags im Norden steht und die zunehmende Mondsichel ein C bildet, ist natürlich auch im Auto alles anders herum…

Nachdem wir die Hebel enträtselt haben, versuchen wir das Navi in Betrieb zu nehmen. Es dauert 10 Minuten bis wir merken, dass das große Display nur ein Radio sowie Hunderte von Apps und Widgets beherbergt, aber kein Navi. Also gehe ich wieder zum Schalter und bekomme dort ein kleines Mäppchen mit einem Garmin. Dessen Display hat etwa 1/3 der Fläche des Radiodisplays, und wir finden keinen günstigeren Platz für das Navi als im Getränkedosenhalter. Dort liegt er gut, und der Fahrer muss nach unten schielen oder den Beifahrer befragen. Das fördert den Teamgeist.

Die Stadt gefällt uns – vor allem nachdem wir aus dem Zentrum draußen sind. Rechts und links der großen Ausfallstraße finden sich große Einkaufszentren (wir werden also nicht verhungern), dann wird es immer grüner. 24 km vom Flughafen entfernt – so richtig „auf dem Land“ liegt unsere Ferienwohnung „Little Louisa“.

Es ist Frühling, die Temperaturen sind ähnlich wie bei uns, ein perfekter Übergang ohne Temperaturschock. Allerdings merken wir an der hochstehenden und brennenden Sonne, dass wir uns auf 33° Süd (im Vergleich zu unserer tiefstehenden Sonne auf 49° Nord) befinden. Am zweiten Tag mit 30°C beschließen wir, uns kurze Hosen zu kaufen, da wir auf den Flug nur lange Hosen mitgenommen haben und die kurzen im Hano sind. Doch am nächsten Tag trübt es sich schon ein, und wir freuen uns über die langen Hosen. Die Temperaturen sind hier unstetig, es ist entweder zu heiß oder zu kühl. Ich hatte mich immer gewundert, dass Reisende uns von kalten Abenden im südlichen Afrika berichtet hatten – die Temperaturkurven im Internet sahen doch ähnlich aus wie bei uns. Aber wir merken schnell, dass die 15°C am Abend sich hier deutlich kälter anfühlen als bei uns, was möglicherweise der brennenden Sonne am Tag geschuldet ist.

Wir genießen den wunderbaren Garten – Lavendel, Margeriten – und viele Büsche, die wir nicht kennen. In den ersten Sonnentagen essen wir draußen, morgens müssen wir schon die Stühle auf die Wiese rücken, um die ersten wärmenden Sonnenstrahlen einzufangen, aber es ist herrlich, wenn um unser Frühstück herum die Vögel erwachen. Wir erkunden spazierenderweise die Strände in der Umgebung (einige hartgesottene Südafrikaner gehen sogar baden). Einige Strände sind abenteuerlich felsig, um die Ecke taucht dann eine riesige Düne auf, die fast so groß ist wie die Pyla-Düne in Frankreich, die wir so gern haben. Und wir spazieren im nahegelegenen Maitland Nature Reserve, jedesmal als Einzige Wanderer… Wie auch bei uns im Garten hört man viele vertraute und vor allem exotische Vogellaute. Doch das Federvieh ist scheu, nur selten bekommt man einen Vogel zu sehen. Die Tausendfüßler und Heuschrecken sind weit weniger scheu, viele Käfer in ungewohnten Formen und Farben krabbeln auf den farbenfrohen Blüten. Den ersten Vertreter der „Big Five“ haben wir auch schon gesehen: Einen Löwen – genauer einen Ameisenlöwen. Es sind keine super-prickelnden Natur-Highlights, aber schöne beschauliche Landschaften – genau das, was wir uns zum Atemholen bis zum Empfang des Hano erhofft hatten.

Flugvorbereitungen – wie mache ich 10.000 Dinge kleiner und leichter? – September 2021

Flugvorbereitungen – wie mache ich 10.000 Dinge kleiner und leichter? – September 2021

Tja, nun sind wir wieder zurück in Leopoldshafen und haben zwei Wochen Zeit. Da sollte noch viel Zeit für Muße übrig sein und für Reiseplanung – hatten wir uns mal wieder gedacht…

Da allerdings die Liste der Dinge, die nicht mit dem Hano aufs Schiff durften, die man aber auch nicht so leicht vor Ort nachkaufen kann, doch sehr lang war, füllen sich zu Hause die Kisten mit auf dem Schiff unerlaubten Flüssigkeiten, elektronischen Geräten wie beispielsweise Navi oder mp3-Player, Fotoapparaten, diesem und jenem. Und unser Mut sinkt, wie wir all das in 8 kg Handgepäck und ein aufgegebenes Gepäckstück pro Person bringen sollen.

Wir machen es kurz: Wir haben alles transportieren können. Das aufgegebene Gepäck war sogar 7 kg leichter als erlaubt, und das Handgepäck hat glücklicherweise niemand nachgewogen. Wir auch nicht, wir wollten es gar nicht wissen… Da sie aber bei den Sicherheitskontrollen sehr rabiat mit unseren Gepäckstücken und deren Inhalt umgegangen sind, sie haben sogar das Laptop außen zerkratzt, waren wir froh, dass wir alles so gründlich und sorgfältig gepackt und gepolstert hatten. Während bei Torstens Handgepäck mehrere elektronische Geräte dem üblichen Sprengstoff-Abstrich unterzogen werden, konzentrieren sie sich bei mir auf die Gürteltasche – da sind nämlich einige Ersatzschlüssel des Hano drin. Offensichtlich sehr verdächtig, wenn man einen Bund mit einer Vielzahl an Schlüsseln mit Herstellungsdatum zwischen 1967 und 2021 bei sich trägt.

Vor der Abfahrt hatten wir gemerkt, dass es bei uns so langsam Herbst wurde: Zuerst mussten wir bei Kerzenlicht auf der Loggia frühstücken, an den letzten beiden Tagen hatte es morgens um 6:00 Uhr unter 10°C, was uns dann dazu verleitet hat, drinnen zu frühstücken. Wie schön, dass wir bald in den Frühlig fliegen!

Ein schönes langes Mittagessen verbrachten wir noch zu Hause mit Peter im Andreasbräu. Er war schon öfters in Namibia gewesen (aber niemals im Etosha oder Sossusvlei – zu viele Touris…) und nennt uns einige Orte abseits der üblichen Routen, in denen es besondere Sände zu bestaunen gibt. Einige seiner Tipps decken sich mit denen von Rebecca, die uns im August besucht und ebenfalls von Namibia vorgeschwärmt hatte. Nur damit niemand denkt, wir hätten nur gepackt und gar keine sozialen Kontakte mehr gehabt – für ein wenig Information, Träumen und Planen hatten wir also doch noch gute Gelegenheiten gefunden. Wobei für uns immer der beste Plan ist, an jedem Morgen auf Neue unserer Nase und unserem Bauchgefühl zu folgen. Die Planung legt bei uns keine Routen fest, sondern Handlungsoptionen.

Verabschiedung von Hano in Bremerhaven – 30. August 2021

Verabschiedung von Hano in Bremerhaven – 30. August 2021

Zwei Tage Fahrt hatten wir für die 650 km nach Bremerhaven einkalkuliert. Hanomag trabt wohlgelaunt und leichtfüßig durch Schmodderwetter und Regen mit atemberaubenden 67 km/h über die deutschen Bundesautobahnen. Wir fahren mit zwei Fahrzeugen und kochen und schlafen im Wohni, da Hano schon abgabefertig gepackt ist. Das Wohni verbraucht bei dieser Fahrt übrigens knapp 2/3 der üblichen Treibstoffmenge. Das wäre doch eine effektive Sofortmaßnahme zum Sprit sparen: Tempo 70 auf allen deutschen Bundesautobahnen! Wir kommen sonntags in Bremerhaven an und suchen eine Waschanlage, um Hano von dem Straßenstaub zu befreien. Fehlanzeige – sonntags haben die Waschanlagen hier zwar offen, aber kein Wasser! Durch die frische Farbschicht ist der Dreck glücklicherweise überschaubar und leicht mit Wasser aus dem Wohni abzuwaschen. Die händische Flaschenwäsche tut Hano sowieso besser als der Hochdruckreiniger… Montags (30.8.) kommt dann der große Tag – Survey (= Inspektion, ob wir alle Vorgaben bezüglich des Fahrzeuginhalts eingehalten haben) und Abgabe des Hano im Hafenterminal. Wir sind überpünktlich da, Hano blitzt und blinkt in der Morgensonne. Der Survey–Beamte ist sehr nett und sehr gründlich. Er schaut sich jedes Staufach an, lässt sich vom Fahrzeughalter eine kurze Beschreibung des Inhalts geben, und lässt sich die eine oder andere Kiste in den Staufächern ausführlicher zeigen. Z.B. den Werkzeugkoffer. Als Torsten ihn aufklappt, entdeckt der Beamte ein Feuerzeug. Das ist seit Jahrzehnten im Werkzeugkoffer, daher hatten wir es beim Ent–Packen völlig vergessen. Freundlich drückt er es Torsten in die Hand. Wir wussten ja, dass man keine Lebensmittel mitnehmen darf, daher hatten wir alle ausgeräumt und auch die Gewürzgläschen geleert. Den Salzvorrat hatten wir dringesessen – das ist ja weder pflanzlich noch tierisch. Aber es ist ein Lebensmittel – wir schütten es also in einen Beutel und stellen das leere Salzglas zurück. Mit allem Anderen ist der Beamte zufrieden – wir sind erleichtert. Allerdings sucht der Survey tatsächlich nur nach verbotenen Gegenständen, um die Sauberkeit kümmert er sich nicht. Die wird vor Auffahrt auf das Schiff kontrolliert (Schiffsbestimmungen) und dann nochmal im Zielhafen (Landesbestimmungen), d.h. es wird noch zwei weitere Hürden geben. Sei’s drum – wir fahren zum Container Terminal Wilhelm Kaisen – Eurogate. Wohni und ich müssen draußen warten, in diesen sensiblen Bereich darf nur Hano mit seinem Halter einfahren. Ein Gefühlmix aus Freude, Abenteuerlust, Hoffen und Bangen durchtobt mich, als Hano und Torsten durch die Eingangspforte des Terminals entschwinden. Für Torsten beginnt hier eine Odyssee, bis er Hano an genau derselben Stelle abstellen darf, an der er ihn im April 2018 abgeholt hat. Wir bleiben noch einen Tag in Bremerhaven, und beziehen dann Stellung auf einem Campingplatz in Butjadingen, von wo aus wir die Hafeneinfahrt beobachten können. Glücklicherweise haben wir die Räder dabei, wir machen einige schöne Radtouren und Spaziergänge in der Umgebung. So richtig will aber noch keine vollständige Entspannung aufkommen, da der Autofrachter noch vor Bremerhaven auf Reede liegt. Als er dann am Donnerstag abend gegen 22:00 Uhr einläuft, sind wir gerade beim Duschen, und sehen erst am nächsten Tag beim Schiffstracking, dass der Frachter schon wieder ausläuft. Wie wohl wird sich Hano in seinem Bauch fühlen?

Putzen – Packen – Planen – August 2021

Putzen – Packen – Planen – August 2021

Im September soll es nach Südafrika gehen: zuerst wird der Hano ab Bremerhaven verschifft, dann fliegen wir hinterher und treffen uns in Port Elizabeth (neuerdings Gqeberha) wieder.

Wir hatten ja gehofft, die freie Zeit bis zur Abfahrt des Hano mit Packen und Planen verbringen zu können – mit viel Muße und Einstimmung auf die kommenden Reise-Erlebnisse.

Und wir hatten gedacht, „wir haben ja schon einmal verschifft und wissen, worauf man achten muss“. Das wäre ja zu schön gewesen.

Unerwartet getroffen hat uns die Regelung, dass der Hano nicht nur so sauber sein muss, wie er es schon auf der Rückfahrt von Kolumbien war (also sehr sauber geputzt und kein Öl darf tropfen – das hatte er damals einwandfrei gemacht), sondern es dürfen keinerlei Erdreste mehr in irgendeinem Winkel der Rad- oder Staukästen sein, auch die Campingausrüstung im Innern des Hano wird auf Schmutz kontrolliert. Denn Südafrika hat sich vor einigen Jahren aus Europa die Maul- und Klauenseuche eingeschleppt und will das nicht wiederholen. Sehr verständlich, aber mit den verwinkelten Hano so sauber zu putzen ist eine wahre Herausforderung. Um es kurz zu machen: die ersten zweieinhalb Wochen unserer langen Auszeit haben wir ausschließlich mit Putzen verbracht. Abends haben wir dann den Dreck von uns herunter gekratzt, damit unser Bettchen uns zum Schlafen hineinlässt – das war eine etwas andere Art der Muße als wir uns erhofft hatten. Alles, was geputzt war, wurde sofort frisch gestrichen, damit wir den Staub und Dreck, der bei der Überführung nach Bremerhaven wieder auf den Hano fällt, vor der Abgabe leicht wieder abwaschen können. In den folgenden zwei Wochen fand sich dann nach und nach immer mehr Packen in unserem Tagesplan, wobei wir oft noch ungeputzte Eckchen fanden, und dann kamen wieder alle möglichen Geräte von der Draht- bis zur Zahnbürste zum Einsatz.

Auch einige andere Regelungen haben sich verschärft, so darf man beispielsweise keine Schmierstoffe mehr mitnehmen. Da wir kein modernes Auto haben, für das man weltweit mit der Schlüsselnummer das passende Ersatzteil oder das richtige Motoröl kaufen kann, sind die Recherchen angelaufen, welche in Südafrika erhältlichen Öle den deutschen Hanomag-Spezifikationen aus den 60‘er Jahren entsprechen. Und wo in Port Elizabeth man es denn käuflich erwerben kann. Hierbei war das Internet sehr hilfreich – aber eigentlich wollten wir ja mit dem voll analogen Hano losziehen, um diesen Computer-Quatsch mal hinter uns zu lassen…

Diesel-Ersatz-Kanister sowie Gasflaschen müssen nicht nur leer sein, sondern man muss sich das Leersein für je 70 € von einer zertifizierten Stelle bescheinigen lassen. Wir haben gar nicht erst begonnen, diese Regelung zu hinterfragen oder uns aufzuregen, sondern sofort einstimmig beschlossen, unseren Kanister und die Flaschen zu Hause zu lassen und in Port Elizabeth neu zu kaufen.

Da Hano immer vollständig ausgerüstet mit Werkzeug, Ersatzteilen und Betriebsstoffen ist, mussten wir ihn also gezielt Ent-Packen (und Kauf- und Packlisten für Port Elisabeth erstellen), um ihn tauglich für den Survey zu machen, der vor der Hafeneinfahrt in Bremerhaven die Einhaltung aller Vorgaben überprüft.

Kurzum: Bis wir losfahren mussten, um den Hano zur Verschiffung zu bringen, wurde hauptsächlich geputzt und ent-packt. Ein wenig Zeit haben wir doch mit Packen verbracht: Liebevoll und ausführlich haben wir Werkzeug und Ersatzteile für Hano gepackt, die Kiste für Bremsen-Ersatzteile hat Torsten sogar rosa gestrichen, damit sich die Ersatzteile darin wohlfühlen und nicht raus an die Bremsen wollen. Etwas schneller dann die wichtigen Utensilien für uns, wie Kompass, Brillen, Campingausrüstung für Trekkingtouren, usw. Unsere Kleidung haben wir mal wieder kurz vor der Abfahrt in 15 Minuten in den Kleiderschrank geworfen – wir wissen nicht mehr genau, was drin ist, aber Klamotten sind weltweit nachkaufbar, man muss Prioritäten setzen.

Hurra, hurra – Hano ist da! – 29. September 2021, Port Elizabeth, Little Louisa

Hurra, hurra – Hano ist da! – 29. September 2021, Port Elizabeth, Little Louisa

Hocherfreut, verwundert versus „das ist doch ganz normal, das muss einfach so sein“, erleichtert, erschöpft – viele Gedanken gehen uns durch den Kopf, viele Emotionen durchbrausen unser Herz, als Hano endlich vor unserem Feriendomizil „Little Louisa“ in einem wunderbar grünen und ruhigen Vorort von Port Elizabeth steht.

Wir wollten diese positive Nachricht unserem Blog voranstellen, bevor wir retrospektiv einige der Stationen auf dem abenteuerlichen Weg von Port Leopold nach Port Elizabeth beschreiben.

(Den neuen Namen „Gqeberha“ für Port Elizabeth kann vor Ort kaum jemand korrekt aussprechen. Von daher seht uns nach, wenn wir in diesem Blog die Namen verwenden, die wir von den Menschen um uns herum hören, und die auch bis heute noch auf den Straßenschildern stehen. Die Namensnennung in diesem Blog ist rein pragmatisch und alltagsorientiert und soll keinerlei politische Einstellung oder Ewiggestrigkeit zum Ausdruck bringen.)

Der Blog unserer Südamerikareise mit dem Hanomag A-L 28 endet hier.

Unsere aktuelle Islandreise werden wir nicht mehr in Blog-Form dokumentieren,

dafür lassen wir Bilder sprechen.

Unter der Rubrik „Galerie“ findet  mandie aktuellen Islandbilder unter

Galerie

  Island 2018

Die Reise lebt weiter: Fornax Boliviana MMXVIII

Die Reise lebt weiter: Fornax Boliviana MMXVIII

Die Reise lebt weiter: Fornax Boliviana MMXVIII

Schmuck, Kleidung und sonstige typische Reisemitbringsel haben wir kaum mitgebracht. Schon die Fragen an den ersten Grenzen, ob wir kunsthandwerkliche Gegenstände mit uns führen, machten uns klar, dass wir uns – wenn überhaupt – dann erst im letzten Land mit Reisesouvenirs eindecken. Aber eigentlich sind wir keine Souvenirjäger, und die merkwürdigen Bestimmungen für die Rückverschiffung (das Auto muss neu aussehen, blick-leer sein, und nur wenige Gegenstände durften überhaupt mitgeführt werden) bestärkten uns darin, uns bei den Souvenirs auf die Erinnerungen in unseren Herzen und einige Fotos zu beschränken.

Ein Mitbringsel ließen wir uns jedoch nicht nehmen: Seit Samaipata (beim Amboro-Nationalpark) ist eine bolivianische Gasflasche auf dem Dach des Hano mitgefahren. Auf einigen Fotos, z.B. im Salar Uyuni, kann man sie auf der linksseitigen Beplankung thronen sehen. Die Befestigung mit drei kleinen Holzlatten zur Begrenzung nach vorn und den Seiten sowie die abenteuerliche Verzurrung fiel in Südamerika gar nicht auf. Bei acht Grenzübergängen und unzähligen Polizeikontrollen hat niemals jemand ein Wort darüber verloren. In Peru füllten wir dann das letzte Gas in unsere deutschen Flaschen um, das bis zum Ende der Reise reichten sollte. Was sollten wir nun tun – die Flasche verschenken? Da die pazifischen Staaten in Südamerika das US-amerikanische Gasflaschensystem haben, hätte sie niemand bestimmungsgemäß nutzen können. Und zweckentfremden konnten wir sie schließlich auch selbst, denn die Reise hatte unser Improvisationstalent zur Höchstform auflaufen lassen! Außerdem war sie uns im Laufe der Reise ans Herz gewachsen, sie gehörte einfach zum Gesamtbild unseres Hano. Südamerikanischer kann man nichts auf dem Dach befestigen.

Also brachten wir sie mit nach Hause. Torsten hatte da schon so eine Idee, wie er die Gasflasche mit wenigen Kunstgriffen in einen Ofen verwandeln kann. Richtig vorstellen konnte ich es mir nicht, aber das Resultat ist großartig. Mit der einer Lochsäge wurde das Gasventil ausgeschnitten, nach unten eine Öffnung zum Entleeren der Asche geflext, nach vorn eine Öffnung zum Beladen mit Holz, durch die der zweiteilige Rost eingesetzt werden kann. Drei Füße einer ausgemusterten Blumenbank wurden unten angeschweißt, ein kurzer Flansch oben, auf den je nach Bedarf ein hitzebeständiges Rohr mit Regenschutz als Abzug oder eine Ceranplatte zum Kaffee Kochen aufgesetzt werden kann. Seit Mitte Mai leistet uns der „Fornax Boliviana 2018“ gute Dienste im Garten – und sobald wir ihn sehen, erinnern wir uns an die Odysee in den engen Einbahnstraßen von Copacabana, wo wir die Flasche getauscht haben, an Samaipata, wo wir die erste Gasflasche gekauft haben, und die Erinnerungen spinnen sich dann immer in eine andere Richtung fort. Mal winden sie sich ins Technische und wir erinnern uns an alle Schweißnähte, die dem Hano auf der Reise widerfahren sind. Mal driften sie ins Kulinarische, welche Leckereien wir mit dem Gas zubereitet haben. Es ist nie gewiss, wo die Gedanken enden, jedes Mal kommt ein anderer Aspekt zum Vorschein.

Wir können uns kein schöneres, nützlicheres und nachhaltigeres Mitbringsel vorstellen. Und wie die Gasflasche leben auch die Erlebnisse und Erinnerungen unserer Reise in veränderter Form in unserem Alltag weiter…

Reparaturen, Wartung, Technik

Reparaturen, Wartung, Technik

Reparaturen, Wartung, Technik

Einige Freunde hielten uns für verrückt und für überkandidelte Rückversicherer, weil wir soviel Werkzeug, Ersatzteile und Halbzeuge mitnahmen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dies alles wichtig und richtig war, und dass wir keinesfalls zuviel des Guten getan hatten. Wenn eine Werkstatt im Spiel war, ist das im Folgenden mit # gekennzeichnet.

 

Wartungsarbeiten (tell a long story short…)

Der Hano wurde fünfmal abgeschmiert, bekam einen Hinterachsdifferenzialöl-, einen Verteilergetriebeöl- und zwei Motoröl-Wechsel; 13,25 Liter Motoröl wurden nachgefüllt. Das Ventilspiel haben wir zweimal eingestellt, einmal den Keilriemen gewechselt, dreimal den Kraftstofffilter, zweimal wurde der Ölbad-Luftfilter gereinigt. Unzählige Male wurden alle Schrauben und Muttern nachgezogen, der Reifendruck abgesenkt und wieder angehoben, sowie Schad- und Roststellen lackiert.

Die Reifendruckkontrolle übernahm für uns das TireMoni. Dreimal zeigte es uns einen langsamen aber stetigen Druckverlust an, sodass wir in Piura (Peru) und Natagaima (Kolumbien) die entsprechenden Schläuche flicken ließen @, bzw. Torsten in Hannover das Rad wechselte.

 

Schäden / Reparaturen

Bei einem Einbruch in den Hano wurde der Türgriff auf der Beifahrerseite verbogen und auf der Fahrerseite komplett abgerissen. Glücklicherweise hatten wir einen abschließbaren Griff als Ersatzteil dabei und konnten ihn ersetzen.

Zu Beginn der Reise waren mal wieder einige Trinkwasser-Schläuche undicht, was jedoch mit einem neuen Anschnitt und neuen Schellen behoben werden konnte. Den abschließbaren Deckel des Wassertanks haben wir in der 6. Nacht auf einem Campingplatz vergessen – und durch einen (nicht abschließbaren) Gummistopfen ersetzt.

Bei einigen Schlaglöchern auf den uruguayanischen Pisten hörten wir laute Schläge und mussten feststellen, dass das Lüfterrad des Motors sich nach und nach zersetzte. Die ersten beiden abgebrochenen Lüfterflügel wurden zunächst mit einer M10’er Gewindestange ausgewuchtet, doch das Lüfterrad zersetzte sich weiter, bis nur noch zwei halbe Flügel standen, die nicht mehr wirklich effektiv kühlten. Grund unbekannt. In Cascavel (Brasilien) bekamen wir zwei Ersatz-Lüfterräder aus Kunststoff, bei denen die Mimik zum Festschrauben passte, die Flügel jedoch etwas zu lang waren. Torsten hat das Lüfterrad mit einer kleinen Handsäge passend gemacht, gekürzt und Aussparungen für die Besfestingungsmutter der Lichtmaschine ausgesägt.

# In einer Werkstatt in Lindoeste (Brasilien) haben uns die beiden Lehrlinge Lucas und Douglas die tropfende Ölwanne mit Dirko eingerichtet.

Motoraufhängung zweimal repariert, Motorlager getauscht. Letztere waren die Ursache für den zerstörten Lüfter.

Kühler mehrfach gedichtet

Kühlerhalterung mehrfach repariert.

Gaszug gerissen – zunächst ersetzt, dann komplett überarbeitet

Stoßdämpfer nachgezogen und überarbeitet

Schließe der Motorhaube mehrfach repariert, dann ausgebaut und durch Gummihalterung ersetzt

Gummipuffer der Motorhaube ersetzt

abgerissene Kabelhalterung usw. Repariert

# Zwei Felgen haben Risse – In Puno (Peru) schweissen lassen

# Radnabe gebrochen – schweißen lassen und zeitgleich Ersatz aus Deutschland bestellt

Zur Diagnose zunächst Kegelrad des Hinterachsdifferenzials und Steckachse ausgebaut

# Keilriemen-Spannrolle gebrochen, schweißen lassen in der Tatacoa-Wüste

Motorhalterung gerissen am Faschingssonntag -> zunächst Schrauber-Lösung

# nach 2000 km schweißen lassen in Mata

Extras

Sichere Gasflaschenhalterung konstruiert

Zündschlüssel aus Boliviano nachgefertigt

Safeschlüssel aus 5 UYU Stück nachgefertigt

Erfahrungen mit der Höhe

Gasheizung s.o.

Wir:

schrittweise Höhenanpassung über mehr als eine Woche,

Eisentabletten zur Produktion roter Blutkörperchen,

tief durchatmen, sobald man sich bewegt.

Hano:

Anspringen: Bei -8 °C in 4200 m Höhe benötigt der Anlasse 20 Sekunden, um den Motor zu starten. Weißer Dieselnebel legt sich dann um das Fahrzeug.

Höchstgeschwindigkeit: Dünne Luft bedeutet Leistungsverlust. Höchstgeschwindigkeit über 4000m nur noch kanpp 60 km/h.

Ruß: Den vermeidet man, indem man nicht zu viel Gas gibt. Gezielte Rußwolken zum Angeben sind jederzeit möglich.

Motortemperatur: über 90°C, da die dünne, trockene Luft mit geringer Wärmekapazität kaum kühlt.

Steigungen: Wir waren (nicht immer) die Langsamsten.

Nachlese: Zahlen, Fakten, Infos

Nachlese: Zahlen, Fakten, Infos

Nachlese: Zahlen, Fakten, Infos

In den vorangegangenen Einträgen haben wir punktuell über faszinierende Landschaften und Lebensräume sowie beeindruckende Erlebnisse und Begegnungen berichtet. Die Erfahrungen eines halben Jahren kann man auch gar nicht vollumfänglich darstellen, aber wir hoffen, euch einige kleine Einblicke gewährt zu haben.

Jetzt im Nachgang habe ich ein paar Zahlen zusammengestellt, die uns selbst teilweise verblüfft haben, und euch vielleicht auch noch einen zusätzlichen Blickwinkel auf unsere Reise eröffnen oder einfach nur die eine oder andere Neugier stillen.

Wir waren insgesamt 219 Nächte unterwegs, davon 180 Nächte in Südamerika, davon wiederum 167 Nächte im Hanomag, 5 Nächte in Urwald-Lodges im Manu-Nationalpark, 2 Nächte im Schlafzimmer von Ulli und Hilda in Quito, 6 Nächte im Hostal in Cartagena. 3 Nächte hatten wir bei der Fahrt nach Antwerpen auf europäischen Campingplätzen zugebracht, 35 Nächte auf der Grande America mit der Überfahrt von Antwerpen nach Montevideo, und die unbequemste Nacht hatten wir beim Rückflug zwischen Miami und Lissabon – dafür aber ein leckeres Abendessen und unseren ersten vollmundigen Wein seit geraumer Zeit!

Uruguay ist ein cooles und sicheres Land. Wir fühlten uns in unsere frühe Kindheit zurückversetzt – Autos, Läden, Land und Leute atmen den Geist, der in Deutschland in den 70’ern herrschte. Wir haben siebenmal frei am Strand bzw. im Hinterland übernachtet, zweimal auf Campingplätzen.

In Brasilien waren die Menschen, denen wir tagsüber begegneten, äußerst nett und hilfsbereit. Dennoch hatten uns Freunde eingeschärft, niemals frei zu übernachten und nicht bei Dunkelheit zu fahren. Daran haben wir uns gehalten. 7 Übernachtungen auf Campingplätzen, 6 auf Trucker-Tankstellen, eine auf dem bewachten Parkplatz vor der Jesuitenmission São Miguel das Missões. Tankstellen-Übernachtung klang für mich, als ich das zum ersten Mal hörte sehr öd, nach Lärm, schweren Jungs, Dieselgeruch. Dem ist überhaupt nicht so. Ich war ganz begeistert von diesen Übernachtungen. Nicht aus Geiz, weil es kostenlos ist, sondern vielmehr wegen des ganz eigenen Charms. Diese Art zu Übernachten ist Road-Movie in Reinstform – hier verlässt man das Touristen-Dasein und wird ein Teil des Weges und des Landes. Trucker-Tankstellen, die zur Übernachtung einladen, haben wir in Brasilien, Argentinien, Ecuador und Kolumbien gefunden und genutzt. Diese Tankstellen haben einen großen Bereich abseits von der Straße, auf dem man sich für die Nacht hinstellen kann. In der Regel haben sie noch ein angegliedertes Restaurant und einen kleinen Laden. Meist nicht nur mit Toiletten, sondern auch mit Duschen. Tankstelle und Restaurant sind in der Regel rund um die Nacht geöffnet. Der kleine Hano fand immer einen Platz in dritter Reihe hinter den großen LKWs, sodass wir von Lichtern und Lärm der Straße gut abgeschottet waren. LKW-Fahrer haben einen harten Job, d.h. es gibt keine lauten Trinkgelage, sondern nette und besonnene Menschen trinken abends in aller Ruhe ein Bier und vespern etwas im Restaurant. Kurz nach Anbruch der Dunkelheit schlafen alle. Wenn uns morgens die ersten Sonnenstrahlen geweckt haben, ließen die ersten LKW-Fahrer bereits den Motor an, die übrigen waren bei der technischen Kontrolle: Reifendruck und Füllstände kontrollieren, Ladung sichern, usw. Ganz besonders ist mir die erste Tankstellen-Übernachtung in Erinnerung. Wir hatten die Grenze Uruguay – Brasilien überquert, was in Rivera nicht ganz trivial ist, da die Migración und Aduana beider Länder jeweils in völlig unterschiedlichen Stadtteilen liegen. Und nur bei der Ausreise von Uruguay waren Parkplätze vorgesehen, in Brasilien brauchten wir behördliche Unterstützung, um den Hano nicht mitten im Stau parken zu müssen. Als wir endlich die Grenze passierten, stand die Sonne schon sehr tief. Dennoch fuhren wir erstmal 70 km (mit dem Hano fast 90 Minuten), um eine ruhige Tankstelle zu finden. Die Sonne ist bereits untergegangen, der Himmel noch tief dunkelblau, überall brennen gelbe Lampen. Eine interessante Lichtstimmung. Wir setzen uns vor das Restaurant und trinken erstmal ein Bier zum Abschalten: „Eisenbahn“ und „“ heißen die Sorten. Zwei Meter vor uns befinden sich zwei Zapfsäulen, dazwischen steht der Wassereimer zum Scheibenwaschen. Ein Hund kommt vorbei, trinkt aus dem Eimer und trollt sich wieder. Dann kommt der Tankwart für die Nacht – es war gerade Wachwechsel. Er hat ein typisches Holzgestell mit Thermoskanne und Kalebasse bei sich, fast schon ein Wahrzeichen in Uruguay und Brasilien. Er setzt sich auf den Bordstein zwischen den Zapfsäulen und bereitet kunst- und liebevoll seinen Matetee zu, der ihn in den nächsten Stunden wachhalten wird. Was für ein Anblick, was für eine friedliche Ruhe! Mittlerweile ist der Himmel schon schwarz. Wir gehen in den Hano und kochen. Als wir fertig gegessen haben, bemerken wir, dass draußen ein rotes Blinklicht leuchtet – in Südamerika das Kennzeichen der Polizei! Wir spickeln an dem Verdunkelungsrollo vorbei nach draußen – was treibt die Polizei denn neben unserem Hano? Etwas ganz Niedliches: Die Beamten bringen einen davongelaufenen Esel und binden ihn auf dem einzigen größeren Grünstreifen an, 5 m vom Hano entfernt, damit er dort sicher die Nacht verbringen und mit dem Gras seinen gröbsten Hunger stillen kann. Diese Szenen haben sich fest in mein Gedächtnis eingegraben, und wann immer ich mich daran erinnere, stellt sich sofort die lässige brasilianische Stimmung ein.

Dann kommt Bolivien. 36 Nächte. Die Hälfte davon auf Campingplätzen, die andere Hälfte frei in der Natur. Wir haben uns in Bolivien immer sicher und von den Einwohnern wohl gelitten gefühlt. Einige der freien Stellplätze waren „so ein bisschen von der Straße weg“ und vorbeikommende Fußgänger haben uns freundlich zugewunken. Die spektakulärsten Übernachtungen waren die 6 Nächte auf dem Salar Uyuni und 4 Nächte auf der Lagunenroute. Da standen wir wirklich einsam – die nächsten beweglichen Geschöpfe waren die Sterne.

Argentinien. 6 Nächte auf Campingplätzen. Einmal Tankstelle. Neunmal frei in der Landschaft – und in was für Traumwelten!

Chile. 2 Nächte auf einem Campingplatz (weil wir die Mine bei Calama besichtigen wollten und dafür in der Stadt übernachten mussten), 5 Nächte frei. So unfreundlich wir die Chilenen auch fanden, wir haben uns beim Freistehen völlig sicher gefühlt.

Peru. Dank der gebrochenen Radnabe haben wir 54 Nächte in dem Land zugebracht, das wir nach Chile am wenigsten mochten, und in dem vom Freistehen dringend abgeraten wird… 41 Nächte auf Campingplätzen (wobei wir hier auch einige Restaurants, auf deren Parkplatz wir gegen einen Obulus sicher stehen durften, als Campingplatz bezeichnen). 12 Nächte auf Parkplätzen im Ort bzw. bei der Vicuña-Station. Eine Übernachtung bei einer bewachten Mautstelle.

Ecuador. Froh darüber, endlich aus dem kriminellen und vermüllten Nord-Peru heraus zu sein, wollen wir in der ersten Nacht frei übernachten, um das freundliche und sichere Ecuador zu feiern. Wir hatten gerade gegessen und geduscht und wollen uns zur Nacht betten, als die Policía Nacional an die Türe klopft und uns befragt, was wir hier wollen. Zuerst denken sie, wir seien Tagelöhner und suchten Arbeit. Das macht wohl der zünftige Hano-Look. Als mein schlechtes Spanisch sie überzeugt, dass wir Touristen aus Europa sind, die einfach keinen Campingplatz gefunden haben, raten sie uns an, zum nächsten Ort weiter zu fahren und dort an einer Tankstelle zu übernachten, was wir auch befolgen. 12 Nächte verbrachten wir insgesamt in Ecuador. Die erste wie bereits beschrieben an der Tankstelle, 8 auf Campingplätzen (bzw. bezahlten Parkplätzen), eine frei im Cotopaxi-Nationalpark, 2 Nächte im Haus von Ulli und Hilda. Ulli, unseren alten Studienfreund, hatten wir schon überzeugt, dass wir viel einfacher im Hano schlafen, weil dort jeder Handgriff sitzt, die Zahnbürste schon am Platz ist und wir auch mit geschlossenen Augen die drei Schritte von der Dusche bis zum Bett schaffen. Aber Hildas ecuadorianische Gastfreundschaft ließ sowas gar nicht zu: sie sind in ein kleines Bett umgezogen, um uns ihr luxuriöses Schlafzimmer zu überlassen. Anders als in europäischen Gästezimmern ist hier der Gast König! Das große Bett haben wir dann auch sehr genossen. Aber es war so ungewohnt, beim nächtlichen Umdrehen nicht an Torsten anzustoßen…

Kolumbien. 19 bezahlte Nächte auf teilweise ganz tollen Campingplätzen, teilweise einfachen Parkplätzen. 3 Tankstellen, 4 kostenlose Parkplätze von Sehenswürdigkeiten. Dann nach Abschied vom Hano 6 Nächte im Hostal in Cartagena.

Inklusive Ankunft in Montevideo und Abflug aus Kolumbien hatten wir 13 Grenzübergänge. Die Dauer für die Erledigung aller Formalitäten (Aus- und Einreise der Personen bei der Migración sowie Aus- und Einreise des Hanomag bei der Aduana) dauerte zwischen 90 Minuten und drei Stunden. Mit Ausnahme sämtlicher chilenischen Grenzbeamten und einer gelangweilten brasilianischen Migración-Tussi bei der Wiedereinreise nach Besichtigung der argentinischen Iguazú-Fälle waren alle Grenzbeamten nett, die meisten sogar sehr nett. Bei der ersten Ankunft in Brasilien begrüßte uns ein Herr Friedrich, deutschstämmig, sprach aber ebenso wenig Deutsch wie wir Brasilianisch. Dennoch führten wir unverdrossen ein sehr nettes Gespräch, während um uns herum Falschparker ihre Strafzettel bezahlten. Der junge Mann bei der Aduana in Peru war ganz stolz, als er „Rheinstahl-Hanomag“ als Automarke in seinen Computer eingegeben hatte, und dann ganz enttäuscht, als das Programm diesen Eintrag nicht akzeptierte und er ganz simpel „otro/other“ auswählen musste. Als er uns nach unserem Wohnort fragte, leuchteten seine Augen wieder auf: „Eggenstein-Leopoldshafen“ war genau die Herausforderung, nach der er gesucht hatte, und diesmal wurde seine Eingabe akzeptiert. Er konnte also allen Kollegen zeigen, welch komplizierten Ortsnamen er völlig korrekt eingetragen hatte! Und die Ähnlichkeit seiner weltgewandten Aussprache „Echens-tee-in Leopolds-affen“ mit dem deutschen Original konnten seine Kollegen ja nicht überprüfen, wer wäre denn auch so kleinlich, sie in Zweifel zu ziehen. Die Beamten in Ecuador machten ein paar Selfis vor dem Hano und dann noch gegenseitig ein paar Fotos, wie sie unsere Papiere vor dem Hano kontrollieren. Die eigentliche Kontrolle hatte natürlich im angrenzenden Büro stattgefunden, aber sie wollten diese Fotos der Zentrale in Quito schicken, weil die immer wissen wollen, wie so ein typischer Arbeitsablauf an den Grenzen aussieht.

Nun wurde aber genug geschlafen und gewartet – jetzt kommen die knackigen Zahlen des trabenden Hano!

In Südamerika haben wir an 107 Fahrtagen mehr als 17.000 km zurückgelegt, davon knapp 4.000 km auf Pisten, davon wiederum 220 km auf Salz. Dabei haben wir mehr als 210.000 Höhenmeter überwunden. 57 Nächte haben wir auf Höhen über 3.500 m.ü.N.N. verbracht, im Altiplano bzw. der Puna, einer Hochebene, die sich von Nordargentinien/-chile über Bolivien bis Cusco in Peru erstreckt. Eine grandiose Zeit, zumal hier auch emotional und landschaftlich die absoluten Höhepunkte der Reise lagen. Der höchste Halt war auf 5.033 m.ü.N.N., bei der bolivianischen Zollstation in Apacheta. An 12 Tagen haben wir über 4.500 m hohe Pässe überwunden.

Die höchstgelegene Übernachtung hatten wir später in Ecuador ander Flanke des Cotopaxi auf 4.590 m.

Am längsten Fahrtag ist der Hano 531 km gefahren, insgesamt sind wir an 9 Fahrtagen mehr als 300 km weit gefahren. Doch wir hatten auch sehr lange Fahrtage mit kurzen Strecken unter 100 km – einerseits durch Waschbrett-Pisten (in Bolivien und Nordargentinien) andererseits durch starke Steigungen und beständiges Rauf und Runter (Peru, Ecuador, Kolumbien). An diesen Tagen erreichten wir typischerweise Durchschnittsgeschwindigkeiten von 10…15 km/h! Da bewahrheitete sich der Spruch, der unsere Reise-Flaggen zierte: „50 años a paso de tortuga“…

Der Tag, an dem wir in Ecuador einreisten, war der Fahrtag mit den meisten Höhenmetern – 6.400 Meter ist der Hano auf einer Strecke von 264 km hinauf, hinab, hinauf, wieder hinab usw. geklettert. Und das war keineswegs auf kleinen abartigen Pisten, sondern brav auf der Panamericana! Insgesamt hatten wir mehr als zehn Fahrtage mit über 4.000 Höhenmetern.

Die klimatischen Verhältnisse variierten von -15°C und 20% relativer Feuchte auf 4.150 m.ü.N.N. (entsprechend einem Luftdruck von unter 0,6 bar) an der Laguna Ramaditas in Bolivien, bis zu Temperaturen von über 30°C nachts und über 36°C tagsüber bei 90% relativer Luftfeuchte im Pantanal in Brasilien sowie der karibischen Küste Kolumbiens.